Lieber Geflüchtet/r sagen?

Flüchtling, Geflüchtete/r, Mensch mit Fluchterfahrung, Schutzsuchende/r, Refugee? Es gibt viele Begriffe, mit denen Menschen, die nach Deutschland geflohen sind, bezeichnet werden. Ganz besonders häufig wird die Bezeichnung „Flüchtling“ verwendet. Auch das Aktionsprogramm nennt sich: „Flüchtlinge werden Freunde“: Doch der Begriff „Flüchtling“ steht inzwischen in der Kritik. Zunächst einmal ist „Flüchtling“ ein Begriff aus der Rechtssprache. Laut Asylverfahrens- und Aufenthaltsgesetz bezeichnet der Begriff „Flüchtling“ nur diejenigen, die anerkannte Asylbewerber/-innen nach Art. 16a GG oder nach der Genfer Flüchtlingskonvention sind. Im Sprachgebrauch ist also missverständlich, ob nur von anerkannten Flüchtlingen die Rede ist, oder ob generell alle Menschen, die geflohen sind, gemeint sind. Zudem wird die Bezeichnung Flücht-ling von vielen als verniedlichend und v.a. als abwertend empfunden wird, da die Endung –ling im Deutschen eine Verkleinerungsform ist. Die Bezeichnung „Geflüchteter“ enthält hingegen eine andere Perspektive. Es ist eine Zustandsbeschreibung, die die Flucht in der Vergangenheit belässt und somit auch eine Zukunft aufweist. Dementsprechend hat sich im aktuellen Sprachgebrauch die Bezeichnung „Geflüchtete*r“ durchgesetzt.

Name ist Programm

Als das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ entstand, hat sich der BJR an den Eigenaussagen von Flüchtlingsorganisationen orientiert. Der Name des Aktionsprogramms  bleibt bestehen. Hier liegt die Betonung auf Freundschaft. Eine/n Freund/in definiert man über Gemeinsamkeiten, die Fluchterfahrung steht nicht im Vordergrund. Im Vordergrund stehen die Begegnungen mit Menschen. Denn nur so entstehen Freundschaften und darum geht es im Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“.

Weiterlesen: Zum Beispiel im Glossar der neuen deutschen Medienmacher, hier finden sich weitere Begriffserklärungen. Eine ausführliche Auseinandersetzung gibt es auch bei Pro Asyl.