Schutz versus Schutzlosigkeit

Schutz vor Diskriminierung, Schutz vor Ausbeutung, das sind nur einige der grundlegenden Rechte, die in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgehalten sind. Und Schutz ist auch in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschrieben. Doch wer über Schutz redet, der muss vor allem über Schutzlosigkeit sprechen, eine Erfahrung, die viele junge Geflüchtete machen. Kinder und Jugendliche dürfen nicht ausgebeutet werden, in keiner Form – die Erwachsenen um sie herum sind verpflichtet, sie vor Schaden zu bewahren und sie zu schützen, gesetzlich und, mehr noch, ethisch. Vor jeder Art von Missbrauch, vor seelischer und körperlicher Gewalt, vor Vernachlässigung, Heimat- und Familienlosigkeit, vor Diskriminierung und Verachtung.

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Das heißt Schutz auf Fula, die Sprache wird u.a. in Mauretanien, Senegal, Mali, Guinea, Burkina Faso, Niger, Nigeria, Kamerun und in Gambia gesprochen.

Schutz ist Beziehungsarbeit
Schutz zu bieten in der Jugendarbeit bedeutet, jedem und jeder zu ermöglichen, die eigenen Möglichkeiten und Stärken auszuprobieren – in einem geschützten Raum. Es geht darum, die Potentiale des/der Einzelnen zu fördern. Schützen bedeutet auch Beziehungsarbeit, die Aufgabe, stabile soziale Beziehungen aufzubauen.

Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung ist die Vertrauensbildung besonders wichtig

Gerade bei Kindern und Jugendlichen mit Fluchterfahrung ist diese Vertrauensbildung besonders wichtig, denn die Jugendlichen, die zu uns kommen, haben vielleicht Dinge erlebt, die wir uns nicht vorstellen können oder manchmal auch nicht wollen. Der Weg hin zu neuen vertrauensvollen Beziehungen kann da länger sein, aber umso wichtiger. Und gleichzeitig sind junge Geflüchtete Individuen mit einer eigenen Lebensgeschichte, die Ecken, Kanten und Verletzungen aufweisen mag, die aber auch von starken jungen Menschen mit Perspektive getragen wird. Wir sollten also nicht den Fehler begehen, in jungen Geflüchteten ausschließlich„Opfer“ zu sehen. Wir sollten den Menschen sehen, der einem begegnet.

Ganz egal, woher sie kommen
Jugendarbeit kann für alle Kinder und Jugendliche ein geschützter Raum sein. Immer dann, wenn sie es schafft, einen Rahmen bereitzustellen, der keine Diskriminierungen toleriert und der das achtsame Miteinander in den Vordergrund stellt. Vielleicht weicht dann auch irgendwann die Erfahrung der Schutzlosigkeit einem warmen Gefühl der Geborgenheit.