Ich habe einen Traum

© BJR / Jahresauftakt

Dies ist die Geschichte von Mohammad, einem jungen Auszubildenden, der beim Jugendverband Heimaten e.V. aktiv ist und hier einen Einblick in sein Leben und seine Fluchtgeschichte gibt.

Mein Name ist Mohammad. Geboren bin ich im Jahr 1992 (entspricht 1371 des islamischen Kalenders) in einer armen Familie in einem kleinen Dorf in Afghanistan. Einen Kindergarten hatten wir nicht und ist immer noch nicht in unserer afghanischen Tradition bzw. Lebensweise verankert. Ich finde es nicht in Ordnung und es ist mein Traum, dass für jedes Kind auf der Welt ein Zugang zur Bildung zur Verfügung gestellt wird, weil im Kindergarten ein Kind das soziale Verhalten und die gemeinsame Lebensweise lernt. Meiner Meinung nach ist der Kindergarten eine Basis der Bildung für Kinder und dort fängt es schon langsam an, dass die Kinder im Team arbeiten und lernen freundlich und tolerant gegenüber anderen Menschen zu sein.

Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich ein sehr schönes Leben und ich war sehr neugierig.

Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich ein sehr schönes Leben und ich war sehr neugierig. Ich wollte vieles wissen, weil es für mich selbstverständlich war. Ich war in dieser Zeit glücklich und dachte, das ist alles im Leben. Eines Tages habe ich mich mit den älteren Leuten über Bildung unterhalten. Ich habe einen Mann in unserem Dorf gefragt, warum alle Menschen in die Schule gehen, obwohl das Leben doch sowieso vorwärts geht. Der Mann hat mir gesagt, dass die Leute noch mehr wissen wollen und Entwicklungen machen. Seine Antwort war für mich damals nicht ausreichend. Später habe ich es verstanden, wie Sie in den nachstehenden Zeilen lesen können.

Im Jahr 1998 ging ich zum ersten Mal in die Schule. In der ersten Klasse waren 30 Mitschüler/-innen. Der Lehrer war sehr überfordert. Bis zur vierten Klasse war ich in dieser Schule und dann wurde die Situation in Afghanistan sehr schlimm.
Die Taliban verbreitete sich überall im Land und hatten die Regierung komplett unter ihrer Kontrolle. Durch diesen Bürgerkrieg entstand ein sehr großer Hass zwischen den Volksgruppen. Die Nachbardörfer waren auf der Seite der Taliban und diese kamen in unser Dorf um zu plündern. Die Leute im Dorf fingen an zu flüchten und damals hatten wir nur die Möglichkeit nach Pakistan zu gehen.

Im Jahr 2001 gingen wir nach Pakistan. Die pakistanische Regierung war auch nicht nett zu den Ausländern/-innen, aber sie schickte die Leute auch nicht zurück, da in Afghanistan die Situation noch schlimmer war. Überall in der pakistanischen Stadt waren Menschen aus Afghanistan, die teilweise auf der Straße übernachten mussten. Die Afghanen, die ihre Sachen verkaufen konnten, konnten sich eine Wohnung in Pakistan leisten; aber die meisten leider nicht.

Der Staat hatte für Flüchtlinge aus Afghanistan in vielen Städten Schulen zur Verfügung gestellt, damit sie Zugang zur Bildung bekommen. Ich ging regelmäßig mit meinen zwei Geschwistern in die Schule und wir hatten viel Spaß. Mein Vater arbeitete in der Stadt und er ernährte die ganze Familie.

Er musste uns acht Kinder, meine Mutter, meine Oma und sich selber durchbringen.

Er musste uns acht Kinder, meine Mutter, meine Oma und sich selber durchbringen. Nachdem es in Pakistan keine berufliche Orientierung für mich gab, bin ich im September 2004 ohne Familie in den Iran eingereist. Dort habe ich neben meiner Arbeit an der Baustelle noch eine Privatschule besucht, die ich selber finanziert habe. In dieser Privatschule habe ich Mathematik, Englisch, Persisch, Chemie und Biologie gelernt.

Nachdem ich im Iran keine Perspektiven sah, hatte ich mich entschieden nach Europa zu gehen. Im Juni 2010 begann meine Reise nach Europa und ich wusste aber nicht in welchem Land ich Fuß fassen sollte. Über die Türkei reiste ich nach Griechenland. Dort habe ich drei Monate in einer Hütte mit sechs Leuten gelebt und auf den Feldern gearbeitet. Ich pflückte Orangen und erntete Trauben. Dann habe ich entschlossen weiter zu „reisen“. Im Herbst 2010 war ich zwei Wochen in Rom und habe mich dort entschieden weiter nach Deutschland zu gehen.

Endlich in München angekommen, war für mich alles anders, schön eben und die Leute waren sehr nett zu mir, es war Liebe auf den ersten Blick .

Endlich in München angekommen, war für mich alles anders, schön eben und die Leute waren sehr nett zu mir, es war Liebe auf den ersten Blick. Die ersten neun Monaten verbrachte ich in der Erstaufnahme für Flüchtlinge in der Bayern Kaserne.

Nach drei Monaten habe ich die Erlaubnis bekommen, mich für einen Deutschkurs anzumelden und da habe ich den Verein Klartext e. V. (Sprachkurs) gefunden. In diesen fünf Monaten habe ich sehr viel gelernt und auch neue Perspektiven entwickelt. Ich spürte, dass ich hier eine Zukunft aufbauen kann. Danach wechselte ich zur SchlaU-Schule. Die SchlaU-Schule ist eine Mischung aus bayerischen Haupt- und Mittelschulen für jugendliche Flüchtlinge.

Dort habe ich den Hauptschulabschluss mit der Note 1,0 abgeschlossen.

Dort habe ich den Hauptschulabschluss mit der Note 1,0 abgeschlossen. Im September 2012 habe ich mit der Staatliche Wirtschaftsschule in bei Pasing angefangen und im Juli 2014 habe ich dort meine Mittlere Reife erfolgreich erworben.

Im Sommer 2014 war ich zum ersten Mal wieder in meinem Heimatland und es war alles anders. Sehr viele Sachen haben sich geändert. Von überall hörte ich von Krieg und Gefangenen. Für einen Menschen, der aus Europa kommt, hat dies einen sehr großen Einfluss auf den psychischen Zustand. Aber auf der anderen Seite war es sehr schön, dass ich meinen Eltern wieder sah, weil ich sie eine sehr lange Zeit nicht gesehen hatte.

Ich habe in Deutschland viele Praktika belegt, z. B. bei der HypoVereinsbank in München, bei der Firma Airbus in Hamburg und im April 2015 habe ich ein Praktikum bei der Firma Bernhard Assekuranz GmbH & CO. KG. gemacht. Dort habe ich sehr nette Kollegen und bin nun seit Anfang August diesen Jahres im ersten Ausbildungsjahr zum Versicherungskaufmann. Die Bernhard Assekuranz GmbH & Co. KG ist ein Versicherungsmakler, der bereits seit über 60 Jahren existiert. Er ist ein unabhängiger Makler auf dem Versicherungsmarkt und betreut unter anderem über 14.000 Vereinen und Verbände im Bundesgebiet.

Ich bin seit vier Jahren ehrenamtlich im Verein heimaten e. V. tätig,

Ich bin seit vier Jahren ehrenamtlich im Verein heimaten e. V. tätig, der Mitglied im Bayerischen Jugendring ist. Heimaten e.V. setzt sich für Menschenrechte ein, organisiert sehr viele Freizeitaktivitäten und ist eine Orientierungsplattform für jugendliche Flüchtlinge in Deutschland. Der Verein arbeitet mit anderen Organisationen für die Interessen von Flüchtlingen zusammen.

Wie Sie lesen können, ist Deutschland der einzige Ort, an dem es mir gut geht,

Wie Sie lesen können, ist Deutschland der einzige Ort, an dem es mir gut geht, hier kann und darf ich mir Wissen aneignen und mein Leben bekommt Perspektiven. Mit diesem Wissen und diesen Erfahrungen möchte ich, bzw. wünsche ich mir sehr, dass ich irgendwann in der Zukunft nach Afghanistan zurückgehen kann, um dort für die Kinder und Jugendlichen eine Basis mit Bildung und Perspektiven zu schaffen.