Auf Augenhöhe

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren“, so lautet der erste Satz des ersten Artikels der UN-Menschenrechtserklärung. Geflüchtete erleben sehr oft etwas anderes, auch bei uns. Strukturelle Ungleichbehandlung ist Fakt, Teilhabemöglichkeiten sind auf verschiedenste Weise eingeschränkt. Die Hürden sind da, auch im Alltag, im täglichen Leben. Diese Ungleichbehandlung kann Jugendarbeit nicht wettmachen. Aber sie kann ein Ort sein, an dem Gleichberechtigung im Kleinen stattfindet.

Denn eigentlich ist es einfach, nicht auf die Unterschiede zu blicken, sondern auf das, was verbindet. Wann, wo, wie wir Gleichheit oder Unterschiedlichkeit feststellen, kommt auf unseren Blick an, auf unsere Kriterien. Und die können wir fast immer frei wählen. Unser Vorschlag: achtet auf die Gemeinsamkeiten, nicht auf die Unterschiede. Fragt: was ist dir wichtig, was macht dich aus? Und nicht: Woher kommst du?

Gerade in der Jugendarbeit haben wir eine starke Grundlage dafür, das Gemeinsame, Verbindende wahrzunehmen und zu leben:

Gerade in der Jugendarbeit haben wir eine starke Grundlage dafür, das Gemeinsame, Verbindende wahrzunehmen und zu leben: denn die Lebensphase Jugend verbindet – mehr als „kulturelle“ Unterschiede trennen. Junge Menschen überall auf der Welt haben die gleichen Entwicklungsaufgaben, ähnliche Interessen und Themen. Darin liegt eine große Chance.

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So sieht „Gleichheit“ auf Amharisch aus. Amharisch ist u.a. die bedeutendste Sprache Äthiopiens, sie wird auch von einigen älteren Menschen in Eritrea und von äthiopischen Einwander/-innen in Dschibuti gesprochen.

Jugendarbeit kann und will Begegnungen auf Augenhöhe ermöglichen, zwischen verschiedenen Altersgruppen, zwischen Kindern und Jugendlichen verschiedener Herkunft, mit und ohne Fluchterfahrung. Das macht das Wesen von Jugendarbeit aus. Sie ist der Ort, an dem es für alle gleiche Möglichkeiten, gleiche Rechte und gleiche Pflichten gibt. Der Ort, an dem jede/r sich einbringen kann. Mädchen und Jungen, Benachteiligte und Privilegierte, ungeachtet jeder weltanschaulichen Überzeugung.

Das ist Gleichmacherei? Nein, es ist die hohe Kunst des Brückenbauens.

Das ist Gleichmacherei? Nein, es ist die hohe Kunst des Brückenbauens.
Wir brauchen mehr davon, auch damit wir gemeinsam für Gleichberechtigung im Sinne der Menschenrechte einstehen können.