Große Verbände sind aktiv

© Foto | KJR Nürnberg Stadt

Immer mehr Angebote und Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen entstehen von der Bundesebene bis nebenan im Verein. Wie es konkret bei uns im Kreisjugendring Nürnberg-Stadt aussieht, haben wir uns anhand von drei großen Mitgliedsverbänden, der Evangelischen Jugend (ejn), der Bayerischen Sportjugend (bsj) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), angeschaut – konkret, was sich dort bis heute verändert und bewegt hat. Dazu gab es Interviews u.a. mit Michael Voss, Bildungsreferent der bsj und mit Thomas Nagel, Presse- und Öffentlichkeitsreferent der ejn.

Seit vielen Jahren aktiv
Die Evangelische Jugend Nürnberg (ejn) arbeitet seit vielen Jahren mit Flüchtlingen, auf Dekanatsebene, in der Offenen und in der Schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit, auf der Stelle der „Gesellschaftspolitischen Jugendbildung“ sowie in der Gemeindejugendarbeit. Auf Dekanatsebene hat die ejn im September 2014 das Wohnraumprojekt für auszugsberechtigte Flüchtlinge gestartet. Die ejn sucht Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge, die aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen dürfen, aber keine Wohnung finden. Deren Zahl liegt in Nürnberg seit Jahren bei etwa 200 Menschen. Die Wohnraumangebote gibt die ejn dann an das „move’in“-Projekt der AWO Nürnberg weiter, dessen Mitarbeitende sich um die Vermittlung von Wohnungen an die Flüchtlinge kümmern. Im Sommer 2015 veranstaltete die ejn ein Sommerfest für Alle, das Flüchtlinge und Einheimische in Kontakt brachte. Die „Gesellschaftspolitische Jugendbildung“ startete Aktionen wie Filmprojekte und Flashmobs beim Flüchtlingscamp am Hallplatz.

Aktionen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit
Auch die Offene Kinder- und Jugendarbeit ist in der Flüchtlingsarbeit aktiv. Zwei Beispiele: Das Kinder- und Jugendhaus Mammut in Schoppershof hat regen Kontakt zu den jungen Flüchtlingen und deren Familien in einer nahe gelegenen Gemeinschaftsunterkunft aufgebaut und hilft den neu Angekommenen im Rahmen diverser Projekte und Aktionen, hier heimisch zu werden. Im Kinder- und Jugendhaus Phönix in Langwasser gab es vor kurzem ein Kochduell, bei dem Einheimische und Flüchtlinge abwechselnd gekocht haben. Dabei entstand unter den Jugendlichen ein so guter Austausch, dass die eigentlich vorgesehene Bewertung der Gerichte aus den Augen verloren wurde. „Man weiß bis heute nicht, wer dieses Kochduell gewonnen hat.“, sagt Thomas Nagel.

Engagiert für Flüchtlinge sind bei der ejn eigentlich alle,

Engagiert für Flüchtlinge sind bei der ejn eigentlich alle, Ehrenamtliche und hauptberufliche Mitarbeitende in allen Bereichen und auf allen Ebenen des Jugendverbands. Dabei gibt es Hürden wie mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache, die aber dem hohen Engagement in der ejn keinen Abbruch tun. Das Engagement ist nicht erst seit dem Anstieg der Flüchtlingszahlen im Jahr 2015 vorhanden. Die integrative Arbeit für Flüchtlinge ist fester Bestandteil des Selbstverständnisses der ejn. So gibt es in den evangelischen Kirchengemeinden Nürnbergs ebenfalls eine Vielzahl von Aktivitäten, die Flüchtlingen beim Ankommen und Heimisch werden helfen sollen: Kontaktcafés, Kleiderkarussells, Feste und vieles mehr. In Einzelfällen versucht die ejn auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten zu helfen. Aktuell wird eine Lehrstelle für einen jungen afghanischen Flüchtling gesucht, damit dessen Duldung verlängert wird.

Fahrradtouren, gemeinsam Kochen mit dem BDKJ
Das Flüchtlingsthema ist im BDKJ ebenfalls mit einem hohen Stellenwert versehen. Hauptamtliche und Ehrenamtliche helfen in ihren Bereichen im Rahmen ihrer Möglichkeitern, um die Integration von Flüchtlingen in Nürnberg zu ermöglichen. Mit der Mitarbeit in der KJR-Kommission „Jugendarbeit für Flüchtlinge“, Hauptberuflichen-Tagungen zu diesem Thema und neu konzipierten Workshops innerhalb von Leiterschulungen möchte der BDKJ intern und extern Informationen vermitteln und Mitarbeitende für die neuen Aufgaben schulen. Das große Interesse stärkt alle Beteiligten und motiviert, neue Projekte zu starten. Aber auch in der Zeit, bevor die Flüchtlingszahlen rasant anstiegen, fanden Aktionen, wie gemeinsame Fahrradtouren oder gemeinsames Kochen im BDKJ bereits statt. Im letzten Jahr veranstaltete der BDKJ eine Paddeltour im Rahmen der christlich-muslimischen Dialogwoche. Im Herbst 2015 fandschließlich ein Infoabend statt unter dem Motto: „Ganz KONKRET: was TUN mit jungen Flüchtlingen vor Ort“ und in den Pfarreien werden seitdem Helferkreise aktiv.

Immer vorne mit dabei: die Bayerische Sportjugend
Bei der Bayerischen Sportjugend (bsj) ist ein größerer Blick notwendig, um ihre Arbeit mit Flucht und Asyl zu verstehen. Die Bedeutung der Integration durch das Medium Sport entwickelte sich bereits 1988 mit der Initiative „Sport für Alle – Sport für Aussiedler“ (heute: „Integration durch Sport“), damals entwickelt für die deutschstämmigen Bewohner aus den ehemaligen „Ostblock“-Staaten. Das Programm erhielt seine Bedeutung durch die von Beginn an vorhandene Partnerschaft mit dem Bundesministerium des Innern (BMI) und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Die Integrationskraft des Sports wurde zum Jahresende 2015 durch die Stadt Nürnberg noch einmal besonders gewürdigt und gestärkt.

Die Integrationskraft des Sports wurde zum Jahresende 2015 durch die Stadt Nürnberg noch einmal besonders gewürdigt und gestärkt. Oberbürgermeister Dr. Maly organisierte ein Treffen aller Sportvereine und zentrales Anliegen dort war die Zusage zusätzlicher finanziellerFörderung für die Sportvereine, sowie die Schaffung einer neuen Stelle beim städtischen SportService, der Koordinationsstelle und Ansprechpartner in allen Bereichen des Sports in der Stadt. Die Zusammenarbeit der bsj mit dem SportService gestaltet sich sehr intensiv, um die Integration von Flüchtlingen in den rund 250 Sportvereinen in Nürnberg zu ermöglichen und Sportvereine bei dieser Aufgabe zu unterstützen, zu motivieren und konkrete Maßnahmen zu entwickeln. Dazu gehört, dass Flüchtlingen die Teilnahme an Jugendbildungsmaßnahmen ermöglicht wird oder es Aufrufe von Kleiderspenden für den Sport gibt. Für die Zukunft wird ein Bundesfreiwilligendienstler gesucht, der in seiner Arbeit einen Schwerpunkt auf Geflüchtete erhält. Der Bayerische Landes-Sportverband e.V. (BLSV), die Dachorganisation des bsj, hat landesweit 25 Plätze dafür geschaffen. Des Weiteren werden Fortbildungen angeboten und bestehende Projekte wie der Nürnberger Streetsoccercup oder der „Mitternachtssport“ für die Arbeit mit Flüchtlingen geöffnet. Dieses Jahr wird vermehrt dafür geworben, dass sich auch Flüchtlinge in die Teams mit einbringen können.
Zur Koordination hat die bsj zusammen mit dem SportService ein Programm entwickelt, um Struktur und Klarheit im Prozess der interkulturellen Flüchtlingsarbeit zwischen Gemeinschaftsunterkünften und den Sportvereinen zu schaffen. Sogenannte Integrationshelfer, junge Ehrenamtliche, helfen bei dieser Verknüpfung, indem sie in die Unterkünfte einladen. Im Rahmen des Programms werden die Angebote der Vereine aufgeteilt in Vereinsangebote vor Ort, sogenannte „Türöffner“ und in Angebote im Verein, also die Regelangebote. Beide haben rechtlich unterschiedliche Rahmenbedingungen, wodurch z.B. bei den „Türöffner“-Angeboten keine rechtsverbindliche Unterschrift für eine Mitgliedschaft notwendig ist.

Jede/r soll an Sportangeboten partizipieren können
Damit soll der Weg freigemacht werden, um Jedem die Teilnahme am Sport zu ermöglichen.
Finanzielle Hindernisse wurden Anfang dieses Jahres abgebaut durch die Anpassung des städtischen Programms „Herein in den Sportverein“. Damit erhalten Kinder, Jugendliche und nun auch junge Erwachsene bis 27 Jahre auf Antrag Bildungs- und Teilhabegutscheine, womit der Mitgliedsbeitrag bezahlt werden kann. Zusätzlich gibt es 75 Euro pro Jahr, um andere Kosten im Sport zu decken. Der BLSV zahlt außerdem eine pauschale Sportversicherung für alle Flüchtlinge und Asylbewerber.

Damit sind noch nicht alle Hürden beseitigt

Damit sind noch nicht alle Hürden beseitigt wie die langen Kommunikationswege, wodurch Angebote und neue Möglichkeiten untergehen können, aber es wird intensiv daran gearbeitet. Die Reaktionen der Vereine auf die gestiegenen Flüchtlingszahlen fallen bis heute äußerst positiv aus. Michael Voss sagt: „Die Reaktionen der Vereinsverantwortlichen waren verständnisvoll. Wichtig sei auch“, so Michael Voss, „dass weiterhin ein Verteilungskampf nicht hervorgerufen wird und man sich auf eine langanhaltende finanzielle Belastung einstellt.“ . Michael ‚V’oss: „Das Erfolgserlebnis aktiven Sporttreibens, das ist unsere große Chance, dass wir jungen Menschen ein Selbstwertgefühl und ein Erfolgserlebnis ermöglichen können.“

Das ist ein redaktionell bearbeiteter Beitrag, der zuerst in Ringfrei 61, der Zeitschrift des Kreisjugendring Nürnberg Stadt erschienen ist.