Gesehen: Bufdi(s) in der Bayerischen Sportjugend

© Förderverein Albert-Schweitzer-Schule Weiden

Die Bayerische Sportjugend hat früh junge Geflüchtete in ihre Sportangebote eingebunden und damit einen wichtigen Grundstein zur Integration gelegt. Jetzt hat sie auch den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug , eine Initiative der Bundesregierung, umgesetzt. Finn Delius, persönlich begeisterter Bufdi der Bayerischen Sportjugend schildert seine persönlichen Erfahrungen des Jahres 2016.

Ein Jahr Bufdi in der Bayerischen Sportjugend

Knapp über ein Jahr ist es her, dass die Bayerische Sportjugend den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BFDmF) einführte. Nicht nur für mich war es ein Jahr voller Erlebnisse und prägender Erfahrungen, die ich durch meine soziale Arbeit mit Flüchtlingen sammeln durfte. 27 Freiwillige werden momentan für die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen in verschiedensten Sportvereinen in ganz Bayern eingesetzt. Neben vielerlei sportlichen Aktivitäten stehen bei der Arbeit mit den Flüchtlingen Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung oder die Begleitung beim Einkaufen und Behördengängen im Mittelpunkt. Ziel ist es, den Geflüchteten eine Stütze zu bieten und sie bei ihren ersten Schritten durch den Zusammenhalt und die Gemeinschaft eines Vereins zu stärken.

Sport macht Spaß und ist gesund

Seit Mitte Januar 2016 betreue ich nun junge Erwachsene beim Kooperationspartner Arbeiter Samariter Bund in München, die vor kurzer Zeit aus Krisengebieten geflüchtet sind. Durch meine regelmäßige Betreuung beim Deutsch lernen, Sport machen und weiterer Unterstützung haben sich Beziehungen entwickelt, von denen ich genauso wie die Flüchtlinge selbst profitiere.

„Ich finde es gut, dass ich in Deutschland die Möglichkeit habe in Sportvereinen aktiv zu werden!

„Ich finde es gut, dass ich in Deutschland die Möglichkeit habe in Sportvereinen aktiv zu werden! Es macht mir Spaß und es tut gut für die Gesundheit!“ berichtet Othman, ein 26 jähriger Iraker. Jede Woche fährt er mit seinen Freunden zu einem Schwimmkurs, nachdem er sich mit mir auf die nächste bevorstehende Deutschprüfung vorbereitet hat.

Profiboxer aus dem Iran

© Foto | Bayerische Sportjugend im BLSV e.V.

 

Für die Vereine zeigt sich ein Nutzen in verschiedenster Art und Weise. Der 24-jährige Profiboxer Mahmud Rahmani boxt nun seit 8 Monaten für die Boxabteilung des TSV 1860 München und nutzte die Chance seiner sportlichen Leidenschaft nachzugehen und Selbstbewusstsein zu tanken. Vor knapp 2 Jahren kam er aus dem Iran und möchte nun seinen nächsten Titel für den Münchner Boxverein holen.

Der Verein zeigt sich stets offen und einladend gegenüber Flüchtlingen mit Interesse am Boxen: „Wir möchten den Jungs eine Möglichkeit bieten das Boxen professionell zu betreiben und Fortschritte zu machen wie alle anderen auch. Das ist für mich selbstverständlich!“ berichtet mir Ali Cukur, Leiter und Vorsitzender des Vereins. Für eine solche Bindung zwischen Verein und Flüchtlingen eignet sich der BFDmF als besonderes Beispiel.

Flüchtlingsangebote werden in den Sportvereinen immer besser

Durch die Arbeit der Freiwilligen haben Vereine im ganzen Bundesland ihre Flüchtlingsangebote verbessern bzw. erweitern und somit zu einer erfolgsversprechenden Integration beitragen können.

„Beim Sport sind kulturelle oder sprachliche Unterschiede egal!

„Beim Sport sind kulturelle oder sprachliche Unterschiede egal! Alle Jugendlichen wollen einfach nur gemeinsam trainieren und Spaß haben!“ berichtet der 42-jährige Farshad, der seit Januar 2016 für den ESV München einen Freiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug absolvierte.

Profibasketballer trainiert junge Erwachsene mit Fluchthintegrund

© Foto | Bayerische Sportjugend im BLSV e.V.

Als ehemaliger iranischer Profibasketballer trifft er sich zweimal die Woche mit jungen geflüchteten Erwachsenen und gestaltet ein abwechslungsreiches Training. Durch die regelmäßige sportliche Aktivität haben die jungen Männer aus verschiedensten Nationen enorme Fortschritte gemacht und eine Gemeinschaft gefunden, die ihnen auch abseits des Basketballs eine Stütze bietet.

Auch Katharina Sessler, von der Geschäftsleitung des ESV München empfand den neuen Freiwilligendienst als sehr gewinnbringend: „Der BFD mit Flüchtlingsbezug war hier sicherlich eine große Entlastung. In der noch etwas unübersichtlichen Situation 2015 haben alle mit- und voneinander gelernt und wir empfanden es als sehr hilfreich, dass es bei uns im Verein eine Stelle gibt, die sich dezidiert mit dem Sportangebot für Flüchtlinge beschäftigt“ berichtet sie. Farshad sei nun ein wichtiges Teammitglied geworden und man habe schon einen Nachfolger für seinen Job im Freiwilligendienst gefunden. Farshad wurde nach seinem Dienst fest als Trainer von dem Verein übernommen.

Nach einem Jahr BFDmF habe ich mich überzeugen können, dass Sport als eine stabile Basis für ein gelungenes Integrationsmodell funktionieren kann. Dies erfordert natürlich Arbeit und Ehrgeiz von beiden Parteien, aber genau das habe ich in den letzten Monaten bei verschiedensten Sportvereinen erfolgreich beobachten können. Optimistisch stimmt mich besonders, dass sehr viele Vereine und Flüchtlinge erkennen, wie viel sie voneinander profitieren können.

Auch für mich war dieses Jahr ein großer Gewinn und ich kann mir sehr gut vorstellen weiter mit geflüchteten Menschen aus Krisengebieten zu arbeiten. Den BFD mit Flüchtlingsbezug kann ich letztendlich jedem Verein und Freiwilligen ans Herz legen, der sich für die Thematik interessiert oder sich aktiv in der Integrationsarbeit engagieren möchte.