„Die Hilfsbereitschaft nimmt nicht ab“

2015-11-19_Richard 2008 bei Infofahrt_KJR Straubing_Webgroesse

Foto: KJR Straubing-Bogen, Richard Maier

Die Projektregionen sind ein wichtiger Knotenpunkt des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“. Dieser Blog begleitet das Engagement der Regionen und zeigt auf, was für Projekte vor Ort entstehen und entstanden sind. Heute geht es um die Projektregion Niederbayern. Hier ist der Kreisjugendring Straubing-Bogen als Vertreter der Projektregion ausgewählt worden. Richard Maier, Kreisjugendpfleger beim KJR Straubing-Bogen hat sich für ein Interview zur Verfügung gestellt:

Was war die Motivation sich als Projektregion zu bewerben?
Der KJR Straubing-Bogen betreibt das Jugendübernachtungshaus Geiselhöring, hier wurden im Juni 2015 vier Monate lang 25 bis 30 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge untergebracht. Damit war klar, dass wir auch als Jugendarbeit gefragt sind und das wir uns diesem Thema widmen müssen.

Mit wem seid ihr bereits vernetzt?
Vernetzt sind wir u.a. mit dem Bündnis für Menschenrechte und Vielfalt „Wir sind bunt“, zudem existiert eine enge Kooperation mit der kommunalen Jugendarbeit der Stadt Straubing und dem Integrationsprojekt „Idee“ und  Straubing ist Partner im Aktionsprogramm „Demokratie leben!“ Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit.

Wie wichtig sind lokale Netzwerke bei Eurer Arbeit?

Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg unserer Arbeit, alleine wären wir ziemlich hilflos.

Netzwerke sind entscheidend für den Erfolg unserer Arbeit,alleine wären wir ziemlich hilflos. Viele Aktivitäten mit und für junge Flüchtlinge laufen direkt in den Gemeinden. Der KJR Straubing-Bogen versteht sich als Dachorganisation, die Vernetzungen anregt. Wir versuchen Strukturen offenzulegen, um aufzuzeigen, wo Engagement nötig und willkommen ist.

Haben Sie das Gefühl, dass die Hilfsbereitschaft abnimmt und stattdessen die Ängste und Ressentiments der Bürger/-innen erstarken?

Das sehe ich nicht so, die Hilfsbereitschaft bei uns nimmt nicht ab.

Das sehe ich nicht so, die Hilfsbereitschaft bei uns nimmt nicht ab. Klar, wir bewegen uns eher in einem kleinen Rahmen und es gibt hier auch einen latenten Alltagsrassismus. Wir versuchen dem aber zum Beispiel mit der Aktion „Zeichen setzen“ etwas entgegenzusetzen. Im Vordergrund stehen hier die Sorgen und Probleme, die ein junger Mensch auf der Flucht hat, welche Ängste diese Personen aushalten müssen.

Was kann die Jugendarbeit leisten?
Jugendarbeit will sich engagieren, auch wenn man ab und zu mitanschieben muss, aber vor Ort sind schon viele Jugendgruppen und Verbände aktiv. Uns geht es darum, noch weitere kommunale und offene Jugendgruppen zu ermuntern, sich aktiv einzusetzen und die ersten Schritte auf junge Flüchtlinge zuzugehen.

Jugendarbeit muss Eigenwerbung machen, pro aktiv sein, damit junge Flüchtlinge von den Angeboten überhaupt etwas mitkriegen.

Jugendarbeit muss Eigenwerbung machen, pro aktiv sein, damit junge Flüchtlinge von den Angeboten überhaupt etwas mitkriegen. Zugleich muss sie Möglichkeiten und Rahmenbedingungen aufzeigen wie man einen Erstkontakt herstellen kann. So haben wir die Erfahrung gemacht, dass es besser läuft, wenn die Möglichkeit gegeben ist, einen Dolmetscher mitzunehmen.

Was ist euer persönliches Ziel?
Unser Wunsch ist es, dass vor Ort möglichst viele Netzwerke entstehen, so dass die große Hilfsbereitschaft, die es bei uns gibt, gebündelt wird. Viele Leute wollen helfen, wissen aber nicht wie. Wenn wir starke und strukturierte Netzwerke haben, können hier schneller Kontakte und Einsatzmöglichkeiten entstehen. Wir sehen uns da auch ganz stark als Hauptorganisator von Netzwerken.