Wir helfen einfach…

Auch Geflüchtete können sich ehrenamtlich engagieren. Warum das sinnvoll für alle Beteiligten sein kann, darum geht es im folgenden Artikel, den uns Götz Kolle vom referat grenzenlos der Jugendbildungsstätte Unterfranken zukommen hat lassen. Er ist Ergebnis einer Fokusgruppen-Diskussion mit zehn geflüchteten Ehrenamtlichen.

Ehrenamtliche mit Fluchterfahrung

Jugendliche mit Fluchterfahrung sind oft bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren und zu helfen. Als Sprach- oder Kulturvermittler_in, als Helfer_in bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen usw.  Beweggründe ehrenamtllich aktiv zu werden, gibt es für Geflüchtete viele: Es sind persönliche Überzeugungen, die eigene Spiritualität oder Religion oder der Wunsch etwas zurückzugeben, weil  viele Geflüchtete mit ihrer Ankunft in Deutschland ehrenamtliches Engagement erlebt haben.  Das sind einige der Gründe, die Geflüchtete zum Ehrenamt motivieren. Einige waren auch schon in ihrem Heimatland und auch auf der Flucht ehrenamtlich aktiv und verfügten daher über einen großen Ehrfahrungsschatz in verschiedenen Bereichen, den sie in ihrem Ehrenamt einbringen:

„Als die Situation in Syrien langsam eskalierte, haben wir eine Gruppe von etwa 15 Leuten gegründet. Wir haben den Menschen geholfen indem wir jene, die durch den Krieg verletzt waren, von Syrien in den Libanon brachten.“

Ehrenamt stärkt und öffnet Perspektiven

Während ihres Engagements erfahren die Geflüchteten persönliches Wachstum durch den Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und Geflüchteten. Neben der Möglichkeit andere Personen zu unterstützen, spielt auch die Freude am Ehrenamt eine motivierende Rolle:

„Wenn ich etwas ehrenamtlich mache, dann bekomme ich viel Courage, ich werde dadurch stärker.“

„Ich habe dafür gekämpft, dass ich nicht nur ein „Flüchtling“ bin.

Ich bin hier als ein Mensch und ich habe Kraft.

Ich bin hier als ein Mensch und ich habe Kraft. Obwohl ich alles verloren habe, kann ich weitermachen. Das hilft mir.“

Das Ehrenamt fördert Stärken und vermittelt neue Kompetenzen, die zu einem persönlichen Wachstum führen können. So können Jugendliche durch das Ehrenamt befähigt werden, eigene Initiativen und Projekte zu entwickeln. Einige Jugendliche professionalisieren ihre freiwillige Tätigkeit hin zu einem sozialen Studium oder einer Ausbildung. Durch die ehrenamtliche Tätigkeit können die Jugendlichen zudem soziale Netzwerke aufbauen und Freundschaften schließen, die sie bei der Arbeitsplatzsuche und gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen.

Rahmenbedingungen für ehrenamtliche mit Fluchterfahrung

Wichtig ist ein Bewusstsein über die Situation der_des Ehrenamtlichen und seine_ihre Ressourcen (Arbeit, Zeit, Kontakte, finanzielle Situation). Konkret bedeutet das, etwa genügend Zeit für Absprachen einzuplanen und die Möglichkeit einer Aufwandsentschädigung zu schaffen. Austausch, Fortbildungen und  Supervision sollten angeboten werden, um die Fähigkeit der Jugendlichen zur Selbstführsorge zu unterstützen.

Durchgeführt wurde die Gruppendiskussion von Matilde Rocchi, Johanna Jans, Stefanie Bâ-Ketterer: im Rahmen des Masterstudiengangs International Social Work with Refugees and Migrants an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt, 12.Dezember 2017.