Von Europa für Bayern lernen

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Zur Entstehungsgeschichte der Jugendintegrationsbegleiter_innen

Herbst 2017, in einer bayerischen Jugendbegegnungsstätte. Elf junge Menschen, die ursprünglich aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Tunesien und Äthiopien stammen, halten strahlend ein buntes BJR-Zertifikat in den Händen. Sie haben erfolgreich die Fortbildung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in (Jib) absolviert. Ganz verschiedene Persönlichkeiten sind da versammelt. Sie alle eint der Wille, in ihrer neuen Heimat Bayern ihr Wissen im Integrationsprozess
einzubringen.

Doch was ist ein Jib?

Doch was ist ein Jib? Und woher stammt die Idee dazu?

→ VORBILD ITALIEN

Im April 2016 nahm eine Gruppe bayerischer Fachkräfte an der Studienreise des BJR „Young Migrants on the Move“ nach Neapel teil. Dort lernten sie das ihnen unbekannte Berufsbild der Kulturmediator_innen kennen. Kulturmediator_innen sind Vermittler_innen, etwa zwischen jungen Geflüchteten und Einheimischen.

Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen

Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen oder am Tag der Ankunft in Italien, sie sind mehr als nur Dolmetscher_innen. Sie helfen Neuankömmlingen im unbekannten Land weiter. Und: Kulturmediator_innen haben immer selbst einen Migrationshintergrund. Durch diese Erfahrung bringen sie eine Kompetenz mit, die Einheimische nicht haben und die bei der Vermittlungsarbeit so wichtig ist. Dahinter steht zudem ein ausgefeiltes Qualifizierungsprogramm.

Geflüchtete sind Expert_innen in eigener Sache

Die Teilnehmer_innen der Studienreise waren von den Kulturmediator_innen beeindruckt. Zurück in Bayern wurde die Idee an die bayerische Jugendarbeitsrealität angepasst. So entstand im Rahmen des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde das Jib-Konzept. Mit den Kooperationspartner_innen Jugendbildungsstätte Unterfranken und KJR München-Land entwickelte man gemeinsam die anspruchsvolle Fortbildung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in, die sich explizit an junge Geflüchtete und Migrant_innen richtet. Hier kam einer der Grundsätze des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde zum Tragen: Junge Geflüchtete sind Expert_innen in eigener Sache.

Schulbank, Hip-Hop, Co-Trainer_in

Von Juli bis November 2017 wurden die verschiedenen Seminarteile erstmals durchgeführt. Dabei ging es um Themen wie Kultur, Identität, Konfliktmanagement, Jugendarbeit, die eigene Rolle und wie aus Ideen Projekte werden. Zudem besuchten die Teilnehmer_innen viele Organisationen und Einrichtungen der Jugendarbeit. Seit der Qualifizierung ist für die JiB schon viel passiert: Sie leiteten Hip-Hop-Workshops im Jugendzentrum, wirkten als Co-Trainer_innen bei Seminaren mit, gaben Interviews und entwickelten auf Arabisch eigene Seminarideen, zum Beispiel zu Jugendarbeit und Integration.

→ JIB UND EUROPA

Das Projekt der Jib ist ein gutes Beispiel, wie man in Europa voneinander lernen kann und wie gut es manchmal ist, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Die Studienreise nach Neapel hat Lea Sedlmayr, Referentin für europäische Jugendpolitik, organisiert. Die Qualifizierung konnte über das Aktionsprogramm Flüchtlinge werden Freunde umgesetzt werden. Bald geht es hoffentlich wieder Richtung Süden, um gemeinsam mit den italienischen Partner_innen die Jib- bzw. Kulturmediator_innen-Ausbildung zu reflektieren und weiter voneinander zu lernen. Auch mit der Jib-Fortbildung geht es 2018 weiter. Die Kosten für Qualifizierung, Fahrtkosten und Verpflegung trägt der BJR. •

Das ist ein redaktionell bearbeiteter Artikel aus der juna #2.18, Juni 2018.

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