Unterwegs für Flüchtlinge-werden-Freunde

Er sitzt mal wieder im Zug. Auf dem kleinen Tischchen am Fenster stellt er seinen Kaffeebecher ab und beißt einmal herzhaft von der Quarktasche. Ibrahim Maiga ist auf dem Weg nach Schwandorf. Der Projektkoordinator des BJR-Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“ ist momentan bayernweit im Einsatz und zu Gast bei Veranstaltungen von Jugendverbänden und Jugendringen. Heute geht’s zur Bezirksarbeitstagung der Kommunalen Jugendarbeit Oberpfalz.

„Da tut sich einiges in der Oberpfalz, da war ich schon ein paar Mal. Überhaupt ist es toll, dass viele neue Projekte entstehen.“

„Da tut sich einiges in der Oberpfalz, da war ich schon ein paar Mal. Überhaupt ist es toll, dass viele neue Projekte entstehen“, erzählt er, während draußen die Felder vorbeirasen. Für die Ehrenamtlichen und Hauptberuflichen in der Jugendarbeit sei es wichtig, zu erfahren, welche Möglichkeiten bzw. eventuelle Schwierigkeiten sich für die Jugendverbandsarbeit mit jungen Flüchtlingen ergeben.

In Schwandorf geht Maiga zu Beginn seines Vortrags auf die rechtlichen Grundlagen und deren Neuerungen ein. Durch das Rechtsstellungsverbesserungsgesetz, das seit 1. Januar 2015 die Rechtsstellung von asylsuchenden und geduldeten Ausländern erleichtert, hat sich die Residenzpflicht auf drei Monate beschränkt. Das hat zur Folge, dass sich Flüchtlinge nach 12 Wochen Aufenthalt – bis auf wenige Ausnahmen – in Deutschland frei bewegen dürfen. Dies sei wichtig für die Jugendverbandsarbeit, da die jungen Flüchtlinge nun im Gegensatz zu früher problemlos deutschlandweit an Ausflügen, Camps oder Reisen teilnehmen könnten, so Maiga in seiner Präsentation. Auch die Arbeitsmöglichkeiten für Asylbewerber/-innen wurden verbessert. „Sie dürfen früher arbeiten. Nach drei statt bisher neun bzw. zwölf Monaten können Asylbewerber/-innen bzw. Geduldete nun eine Tätigkeit aufnehmen“, erklärt der Projektkoordinator. Auch die „Vorrangprüfung“ für Flüchtlinge mit einer Aufenthaltserlaubnis fällt nun nach 15-monatigem Aufenthalt in Deutschland aus. Sie regelt, dass ein Ausbildungs- bzw. Arbeitsplatz zuerst einem/-r gleichqualifizierten deutschen Bewerber/-in angeboten wird, bevor ein Flüchtling diese Stelle antritt.

„Welche Einstufungen und Begriffe gibt es denn im Zusammenhang mit Flüchtlingen überhaupt?“ möchte eine junge Ehrenamtliche wissen. Ibrahim Maiga geht darauf ein: Eine Gruppe sind Asylbewerber/-innen, die einen Asylantrag gestellt haben, über den noch nicht entschieden wurde. Geduldete sind Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, deren Abschiebung aber z.B. wegen Minderjährigkeit, Krankheit oder fehlender Papiere ausgesetzt wurde. Asylberechtigte und anerkannte Flüchtlinge nach der Genfer Flüchtlingskonvention (GFK) erhalten ein Aufenthaltsrecht zunächst für drei Jahre und weitgehende soziale Rechte, danach entscheidet sich, ob sie dauerhaft bleiben dürfen.

Im Gemeindesaal in Schwandorf wird nun diskutiert – Inwieweit kann man erwarten, dass auch die Flüchtlinge die Kultur ihrer Aufnahmegesellschaft akzeptieren? Wie geht man in der Jugendverbandsarbeit vor, wenn man ein Projekt mit Flüchtlingen starten möchte? Die versammelten Mitarbeitenden in der Jugendarbeit berichten über positive Erfahrungen im Fußballverein, wo alle gemeinsam Spaß am Sport haben und der Verein froh ist um die talentierten neuen Mannschaftsmitglieder. Sport oder Freizeitaktivitäten, etwa gemeinsames Kochen sind ein guter Einstieg, um sich kennenzulernen und helfen Barrieren abzubauen, meint auch Maiga.

„Für Kinder und Jugendliche stellt sich die Frage oft gar nicht“

„Für Kinder und Jugendliche stellt sich die Frage oft gar nicht“, sagt eine Teilnehmerin der Tagung, und weist auf die unbeschwerte und vorurteilsfreie Herangehensweise der jungen Generation hin.

Auf dem Rückweg nach München geht die Türe des Zugabteils auf: „Hey du warst doch heute früh auch schon da?“, sagt der Service-Angestellte. Ibrahim Maiga lacht und nimmt einen Kaffee. „Woher kommst du?“, fragt er und streckt dem Mann in Uniform die Hand entgegen. „Aus Afghanistan und du?“ „Aus Mali“, sagt Maiga. Nach einem kurzen Gespräch, verabschieden sie sich herzlich. Für diese beiden stellt sich die Frage nicht.