Unsere Freund_innen — unser Leben!

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Flüchtlinge werden Freunde wächst

Flüchtlinge werden Freunde wächst. Zahlreiche Projekte in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten sind in den letzten zwei Jahren entstanden .  Und auch  der Bayerische Jugendring ist um eine Projektmitarbeiterin reicher, die den Projektregionen und der Jugendarbeit vor allem beratend im Themenfeld von Rassismus und Diskriminierungserfahrungen zur Seite stehen wird. Anke Zimmermann ist seit Juli bei uns. Hier erzählt sie uns, was sie alles vorhat:

Was machst Du für Flüchtlinge werden Freunde?

Anke Zimmermann: Für Flüchtlinge werden Freunde bin ich auf einer neu geschaffenen Stelle aktiv, die  Maßnahmen entwickelt, wie mit Rassismus und Anfeindungen in und um die Jugendarbeit herum umgegangen werden kann. Das heißt sowohl für diejenigen, die in der Jugendarbeit mit Geflüchteten arbeiten, als auch für die Geflüchteten selbst. Die haben auf der Flucht oft Schlimmes erlebt, haben zum Teil traumatische Erfahrungen hinter sich und kommen dann hier in ein Land, in dem sie sich in Sicherheit wähnen und werden mit ablehnenden Haltungen oder gar Anfeindungen konfrontiert. Das kann sie irritieren, auf jeden Fall verunsichern und verletzen, weil sie das auf diese Art und Weise sicher nicht erwartet haben.

Bewusstsein für Vorurteile schaffen

Und gleichzeitig geht es in meinem Job auch darum, ein Bewusstsein dafür zu schaffen, das wir alle Menschen sind und damit alle bestimmten Vorurteilsstrukturen haben. Es gibt logischerweise auch unter den Geflüchteten Vorurteile und Ressentiments. Gegen bestimmte Gruppen, gegen Glaubensgemeinschaften oder einfach gegenüber Menschen, die auf irgendeine Art und Weise anders sind. Diese Phänomene gibt es leider überall. Im Grunde genommen entwickeln wir daher nicht etwas für eine bestimmte Personengruppe und betrachten diese Gruppe als homogenes Ganzes. Sondern wir versuchen uns anzuschauen, was sie brauchen, wie die aktuellen Bedarfe in diesem Themenfeld ausschauen  und wie man miteinander lernen und gestalten kann.

Was hast Du vorher gemacht?

Anke Zimmermann: Vorher war ich für das Bayerische Bündnis für Toleranz tätig und habe hier schon Konzepte entwickelt. Ich war selbst zuvor auch in der Jugendarbeit aktiv, beispielsweise an  einer Begegnungsstätte für jüdische Geschichte in Rostock und habe mich hier wie auch in der Schule mit dem Themenfeld Antisemitismus und Rassismus  auseinandergesetzt. Außerdem habe ich lange Jahre in Tschechien gearbeitet und mich auch da unter anderem thematisch mit Rassismus und Antisemitismus auseinandergesetzt. Da ging es beispielsweise darum, Projekte anzuregen und zu begleiten, die für den multinationalen Bereich geeignet sind.

Warum Flüchtlinge werden Freunde, was verbindest Du mit dem Titel des Programms?

Anke Zimmermann: Mit Flüchtlinge werden Freunde assoziiere ich ziemlich viele Dinge, etwa sich für das Empowerment der jungen Leute zu engagieren. Gleichzeitig geht es auch darum, die Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen vor Ort zu qualifizieren und in dieser Arbeit fit zu machen, damit hier auch weiterhin Begegnungen auf Augenhöhe möglich werden.

Flüchtlinge werden Freunde ist für mich einfach auch ein Statement mit einer gewissen Wirkmächtigkeit. Ich würde mir halt sehr wünschen –  auch wenn das immer ein bisschen komisch klingt –  dass  Projekte oder Aktionsprogramme wie dieses überhaupt nicht mehr nötig sind.

Im Grunde genommen arbeiten wir intensiv daran, unsere Jobs gewissermaßen auch wieder abzuschaffen, weil sich Dinge auf positive Weise verselbständigen und selbstverständlich werden.

Im Grunde genommen arbeiten wir intensiv daran, unsere Jobs gewissermaßen auch wieder abzuschaffen, weil sich Dinge auf positive Weise verselbständigen und selbstverständlich werden.

Momentan wird mit den Begriffen Flüchtlinge oder Geflüchtete einfach auch pauschal eine bestimmte Menschengruppe bezeichnet, die aber letztlich genauso heterogen ist, wie der Rest der Gesellschaft eben auch. Im Moment braucht es den besonderen Fokus da noch.  Die Bedarfe sind einfach spezifisch!  Letztlich geht es aber darum, gemeinsam mit jungen Geflüchteten Ideen zu entwickeln und Perspektiven zu schaffen. Da geht es schlussendlich um uns alle, also um die Fragen, wie wollen wir zusammen leben? Das funktioniert eben nur, wenn man sich miteinander austauscht. Deswegen finde ich dieses Label Flüchtlinge werden Freunde so bezeichnend, weil wir ja auch sonst mit unseren Freunden unser gemeinsames Leben teilen, entdecken und aktiv mitgestalten.

Anke, schön dass Du bei uns bist und vielen Dank für das Gespräch!