Alle Artikel mit dem Schlagwort: Integration

© Sella Design

Neun Jahre Ungewissheit

Mein Name ist Arbion Gashi. Ich bin 22 Jahre alt, studiere „Philosophy and Economics“ an der Universität Bayreuth und bin seit über zwei Jahren der Vorsitzende der Kommission Integration und Interkulturelle Arbeit des Bayerischen Jugendrings. Und ich bin ein Geflüchteter. Aber der Reihe nach. Hier möchte ich versuchen, einen Teil meiner Geschichte zu erzählen und dabei auch über die Jugendarbeit sprechen, die mich seit langem geprägt hat und das bis heute tut. Auf die Jugendarbeit und ihre Rolle komme ich im zweiten Teil zu sprechen, weil ich hier nun einen Einblick in mein Leben als Geflüchteter geben möchte. Flucht aus dem Kosovo Ich wurde im September 1994 in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo geboren. Mit einem Jahr verlor ich meinen Vater. Drei Jahre später, 1998, mussten meine Mutter und ich aus unserer Heimat, dem Kosovo, fliehen. Grund dafür war der sich anbahnende Krieg, dem langjährige Konflikte zwischen ethnischen Serben und Albanern im Balkan vorausgegangen waren. Als albanische Minderheit, im damals noch zum jugoslawischen Serbien gehörenden Kosovo, waren wir direkt bedroht. Wir flohen nach Deutschland, dem …

Julia Zimmermann, Jugendzentrum Weiden

© Julia Zimmermann

Abschiebung oder Integration?

Julia Zimmermann, Mitarbeiterin im Jugendzentrum Weiden, beschreibt, was die Angst vor Abschiebung konkret für die Jugendarbeit mit Geflüchteten bedeutet und welche Herausforderung diese Umstände auch für die eigene Glaubwürdigkeit darstellen. Bereits auf der NEU:DENK2017 hat Julia ihre Stimme für junge Geflüchtete erhoben. Wir sind dazu aufgerufen, die jungen Menschen Teil unseres Alltags werden zu lassen „Die Jungs in meiner Klasse geben seit einem, eineinhalb, zwei Jahren ihr Bestes. Um hier Fuß fassen zu können. Um nicht mehr auf Hilfe angewiesen zu sein, sondern um ihr Leben selbstbestimmt und in Eigenverantwortung führen zu können. Und auf einmal geht das nicht mehr. Weil sie keine Ausbildung machen dürfen. Keine Genehmigung dafür bekommen, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Abgeschoben werden sollen.“ Dies sind die Worte einer Lehrerin aus Neustadt über ihre Schüler bei einer Kundgebung am 2. Juni 2017. Allesamt kommen sie aus Ländern, in denen Krieg, Terror, Angst und Tod herrschen. Eines dieser Länder ist Afghanistan. Aus diesem Land kommt Karim. Seit zwei  Jahren lebt er hier in Weiden und hat hier ein Zuhause gefunden. Doch jetzt soll auch …

Gesucht: Jugendintegrationsbegleiter

Miteinander reden, nicht übereinander – das ist Ziel des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde. Denn Integration bedeutet nicht einseitige Anpassung von Zugewanderten an die deutsche Gesellschaft, sondern ist ein Prozess der Annäherung beider Seiten. Damit sie auch in der Jugendarbeit gelingen kann, brauchen sowohl zugewanderte Jugendliche als auch Organisationen der Jugendarbeit eine kompetent beratende Begleitung. Im besten Fall durch Menschen, die aus eigener Erfahrung beide Seiten kennen. Denn sie kennen die Bedürfnisse zugewanderter Menschen sowie die Erwartungen und Haltungen, mit denen sie im Kontakt mit der Aufnahmegesellschaft konfrontiert werden. Als junge Migranten/-innen verfügen sie über wertvolle persönliche Erfahrungen. Neue Qualifizierungsreihe ab August 2017 Integration braucht auch Vermittlung. Deshalb bietet der Bayerische Jugendring (BJR) im Rahmen des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde eine neue Qualifizierungsreihe an: Sie richtet sich an junge Leute mit Flucht- oder Migrationserfahrung, die ein Interesse daran haben, Integrationsprozesse in der Jugendarbeit zu begleiten und ihre eigene Expertise einzubringen. In Kooperation mit dem Kreisjugendring München-Land und seiner Jugendbildungsstätte Burg Schwaneck sowie der Jugendbildungsstätte Unterfranken werden ab August 2017 in Würzburg und München Inhalte aus den …

Was Omran sagt – oder: es ist kompliziert…

Auf der NEU:DENK 2017 am 3. und 4. Februar wurde viel gedacht, diskutiert, konzipiert, Visionen und Forderungen entworfen. Fachkräfte und Ehrenamtliche aus der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten brachten ihre Ideen mit. Omran Kassem, 18-jähriger Berufsschüler aus Nürnberg, hat in Vorbereitung auf die NEU:DENK Freund/-innen und Mitschüler/-innen zu ihrer Lebenssituation, ihren Problemen und Wünschen befragt und die Ergebnisse schriftlich zusammengefasst. Dies ist das Ergebnis: ein persönlicher, authentischer, optimistischer Blick auf die Lebenslagen von jungen Geflüchteten in diesem Land und eine klare Einschätzung, was wünschenswert wäre: Den Leuten Zugang zu den Sprachkursen ermöglichen in dem Moment, in dem sie in Deutschland ankommen, und nicht erst, wenn sie die Aufenthaltserlaubnis bekommen. Die Flüchtlinge sind nicht zufrieden, wenn sie Leistungen vom Jobcenter oder Sozialamt bekommen. Sie wollen selbständig und unabhängig sein! Die Flüchtlinge sind nicht zufrieden, wenn sie Leistungen vom Jobcenter oder Sozialamt bekommen und wollen selbständig und unabhängig sein. Sie können auch vorteilhaft für die Wirtschaft sein. Sie können die wirtschaftlichen Leistungen verbessern, da man mit ihnen viele Arbeitsplätze besetzen kann. Zudem ist es doch sowieso viel zu …

Bamberg im Takt

„Bamberg im Takt“ ist ein integratives Musikprojekt von ja:ba – der Offenen Jugendarbeit Bamberg – für junge Flüchtlinge sowie für Jugendliche und junge Erwachsene aus Bamberg. Das musik- und medienpädagogische Projekt bestand aus zwei Workshops. Zum einen produzierten Jugendliche ihre eigenen Raptexte in Deutsch oder in der jeweiligen Muttersprache wie etwa Farsi oder Portugiesisch. Diese Texte wurden unter musikpädagogischer Anleitung eingeübt und schließlich im Tonstudio aufgenommen. Zum anderen wurde die Musikproduktion von den jungen TeilnehmerInnen filmisch begleitet und dokumentiert. Ein medienpädagogisches Team unterstützte die Jugendliche bei der medialen Umsetzung inklusive der Drehbuch-, Dreh- und Schnittarbeiten. Universelle Sprache der Integration „Bamberg im Takt“ verfolgte dabei insbesondere zwei Ziele: Den TeilnehmerInnen und Teilnehmern wurde unabhängig ihres kulturellen Hintergrunds eine Plattform geboten, um ihre Geschichten in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn die jungen Menschen bringen neben einer sprachlichen auch eine kulturelle Vielfalt mit nach Bamberg. Diese Diversität und dieses kreative Potential bereichert unsere Gesellschaft. Darüber hinaus führte das Projekt Jugendliche mit und ohne Fluchthintergrund zusammen. Über das gemeinsame kreative Schaffen entstanden viele Begegnungen und einige Freundschaften. Das gemeinsame …

Unklare Lebensperspektiven, beschwerliche Flucht

Für Mädchen und Frauen ist eine Flucht nicht nur beschwerlicher, sie ist vor allem gefährlicher. Dennoch gehen viele diese Strapazen ein und fliehen mit Angehörigen und Freund/-innen. Sie sind einem Risiko von sexualisierter Gewalt ausgesetzt, oft bedeutet es den Verlust ihres Familiengefüges. Der Bayerische Landfrauenrat, ein Zusammenschluss von derzeit 49 Landes-Frauenverbänden und Frauengruppen gemischter Landesverbände hat eine Pressemitteilung und eine Stellungnahme zu diesem Themenkomplex veröffentlicht, darin fordern sie u.a.: die Anerkennung frauenspezifischer Fluchtgründe, etwa im Asylverfahren, also bei der Erstanhörung und der Beurteilung der Asylanträge die Entwicklung und konsequente Umsetzung von Schutzkonzepten, um  Frauen vor Gewalt in Flüchtlingsunterkünften bestmöglich zu schützen die separate Unterbringung allein erziehender und traumatisierter Flüchtlingsfrauen (abschließbare Räume, ausreichende Schutz- und Rückzugsräume und ausreichend Sanitäreinrichtungen); die Sicherstellung eines (klein-)kindgerechten Umfeldes in den Sammelunterkünften, in denen Familien oder Alleinerziehende untergebracht sind Zur vollständigen Pressemitteilung. Die Pressemitteilung basiert auf einer aktuellen Stellungnahme des Bayerischen Landfrauenrats. Die Stellungnahme thematisiert die aktuelle Situation von Frauen und Mädchen auf der Flucht, geschlechtspezifische Fluchtgründe und Vorausetzungen für ihre Integration und Partizipation. Der Bayerische Landfrauenrat vertritt insgesamt knapp vier …

© Foto | Juliane Schwabenbauer, jugendfotos.de, cc-by-web

Ausbildung: Keine Einschränkung für junge Geflüchtete

Der Bezirksjugendring Unterfranken setzt sich für die berufliche Integration geflüchteter Jugendlicher ein Der Bezirksjugendring Unterfranken setzt sich für die Integration geflüchteter Jugendlicher und Heranwachsender ein und fordert in einer Pressemitteilung, die Weisung des bayerischen Innenministeriums vom 1. September 2016 zum Vollzug des Ausländerrechts zurückzunehmen, die nur unter sehr strengen Voraussetzungen eine Beschäftigungserlaubnis zur Aufnahme einer Ausbildung zulässt. In der Folge wurden in zahlreichen Fällen keine Beschäftigungserlaubnisse zur Berufsausbildung mehr erteilt oder diese wieder entzogen. Der Bezirksjugendring fordert zudem, dass es generell keine Eigenschränkungen bei der Berufsausbildung für junge Geflüchtete geben dürfe sowie einen Schutz für begonnene Ausbildungen, unabhängig vom Stand des Asylverfahrens. Der Bezirksjugendring leistet als Projektregion des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde wertvolle Integrationsarbeit in der Region.  Er knüpft Kontakte vor allem zu unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten, vermittelt Praktika und Ausbildungsplätze und bindet sie so in die Strukturen vor Ort ein. „Mit dieser Weisung des bayerischen Innenministeriums wird unsere Arbeit und die unserer Jugendverbände massiv erschwert, erreichte Erfolge werden gefährdet“, so der Bezirksjugenring. 149. BJR-Hauptausschusses fordert ebenfalls Rücknahme der entsprechenden Weisung Ende September 2016 gab es …

© Wolfgang Noack

Deutschland neu denken

Was ist eigentlich Integration? Deutschland verändert sich. Aber wie und in welcher Richtung? Wie soll unser Land künftig aussehen? Wie wollen wir zusammen leben? Und: Wie können wir diesen Prozess aktiv gestalten? Das sind Fragen, die seit einiger Zeit den gesellschaftlichen Diskurs neu bestimmen. Dazu im Folgenden einige Überlegungen und erste Anregungen. Befriedigende Antworten jetzt schon geben zu wollen, erscheint vermessen. Großes Willkommen – reicht das? Wir alle haben die Bilder vor Augen, die das Willkommen der Flüchtlinge in den ersten Wochen bestimmt haben. Eine herzliche Begrüßung, die Unterbringung, Versorgung, Einkleidung und Betreuung haben nach innen und außen einen freundlichen Eindruck hinterlassen. In beispiellosem Engagement hat sich die Zivilgesellschaft vielfach eigenständig organisiert, hat staatliche und kommunale Engpässe kompensiert. In geradezu euphorischem Enthusiasmus waren die Beteiligten von sich selbst und ihren Erfolgen berauscht. Es herrschte eine phantastische Willkommensstimmung. Aber eben  nur eine Stimmung. Das, was viele für die schon länger beschworene Willkommens- oder gar Anerkennungskultur gehalten haben, ist noch keine gesellschaftliche Haltung geworden. Die Stimmung kippt, die politischen Kontroversen werden härter, populistische Parteien und rassistische Bewegungen …

© Foto | KJR Nürnberg Stadt

Große Verbände sind aktiv

Immer mehr Angebote und Möglichkeiten der Integration von Flüchtlingen entstehen von der Bundesebene bis nebenan im Verein. Wie es konkret bei uns im Kreisjugendring Nürnberg-Stadt aussieht, haben wir uns anhand von drei großen Mitgliedsverbänden, der Evangelischen Jugend (ejn), der Bayerischen Sportjugend (bsj) und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ), angeschaut – konkret, was sich dort bis heute verändert und bewegt hat. Dazu gab es Interviews u.a. mit Michael Voss, Bildungsreferent der bsj und mit Thomas Nagel, Presse- und Öffentlichkeitsreferent der ejn. Seit vielen Jahren aktiv Die Evangelische Jugend Nürnberg (ejn) arbeitet seit vielen Jahren mit Flüchtlingen, auf Dekanatsebene, in der Offenen und in der Schulbezogenen Kinder- und Jugendarbeit, auf der Stelle der „Gesellschaftspolitischen Jugendbildung“ sowie in der Gemeindejugendarbeit. Auf Dekanatsebene hat die ejn im September 2014 das Wohnraumprojekt für auszugsberechtigte Flüchtlinge gestartet. Die ejn sucht Wohnmöglichkeiten für Flüchtlinge, die aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen dürfen, aber keine Wohnung finden. Deren Zahl liegt in Nürnberg seit Jahren bei etwa 200 Menschen. Die Wohnraumangebote gibt die ejn dann an das „move’in“-Projekt der AWO Nürnberg weiter, dessen Mitarbeitende …

© Foto | KJR-Nürnberg

Futtern, bowlen und Freundschaften pflegen

Raus aus der Schule, rein in die Ausbildung. Das war das Thema der letzten Ausgabe von Ringfrei, Zeitschrift des KJR Nürnberg-Stadt.  Hier wurde das Pilotprojekt „ausBildung wird Integration“ der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, bei Nürnberg, vorgestellt. Ziel ist, eine Berufsintegrationsklasse von derzeit 16 Jugendlichen mit Fluchterfahrung im Übergang von Schule in Ausbildung zu begleiten und ihnen außerdem möglichst viele Vernetzungspunkte in Nürnberg anzubieten. Der Schwerpunkt liegt neben kulturellen Veranstaltungen und der Stärkung persönlicher Kompetenzen insbesondere in der Begegnung mit Jugendverbänden. Futter und Fußball So trafen sich unter dem Motto „Futter & Fußball“ insgesamt 28 Jugendliche aus der Jugendverbandsarbeit zusammen mit jungen Geflüchteten, um einen gemeinsamen Abend zu verbringen. Als Örtlichkeit für das gemeinsame Kochen und Essen diente der Tratzenzwinger-Turm des Kreisjugendrings. Beim Schnippeln der Zutaten für Wraps konnte man in entspannter Atmosphäre ins Gespräch kommen und Berührungsängste abbauen. Gestärkt ging es dann zu späterer Stunde weiter zum Mitternachtssport in die Nordstadt, um gemeinsam zu kicken. Bowling verbindet Aus dieser Begegnung heraus entstand die Idee der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG), Stamm Max Kolbe, die Klasse zu …