Alle Artikel mit dem Schlagwort: Asyl

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Neun Jahre Ungewissheit

Mein Name ist Arbion Gashi. Ich bin 22 Jahre alt, studiere „Philosophy and Economics“ an der Universität Bayreuth und bin seit über zwei Jahren der Vorsitzende der Kommission Integration und Interkulturelle Arbeit des Bayerischen Jugendrings. Und ich bin ein Geflüchteter. Aber der Reihe nach. Hier möchte ich versuchen, einen Teil meiner Geschichte zu erzählen und dabei auch über die Jugendarbeit sprechen, die mich seit langem geprägt hat und das bis heute tut. Auf die Jugendarbeit und ihre Rolle komme ich im zweiten Teil zu sprechen, weil ich hier nun einen Einblick in mein Leben als Geflüchteter geben möchte. Flucht aus dem Kosovo Ich wurde im September 1994 in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo geboren. Mit einem Jahr verlor ich meinen Vater. Drei Jahre später, 1998, mussten meine Mutter und ich aus unserer Heimat, dem Kosovo, fliehen. Grund dafür war der sich anbahnende Krieg, dem langjährige Konflikte zwischen ethnischen Serben und Albanern im Balkan vorausgegangen waren. Als albanische Minderheit, im damals noch zum jugoslawischen Serbien gehörenden Kosovo, waren wir direkt bedroht. Wir flohen nach Deutschland, dem …

„Wir bewegen das Land“

Auf dem Land wird Integration gelebt, so der vielversprechende Ansatz des Werkbriefes „Integration auf dem Land“ der Katholischen Landjugendbewegung Bayern. Darin stellen sie zahlreiche Initiativen und Ideen vor, etwa das Engagement der Jugendarbeit im Landkreis Lindau, die in Zusammenarbeit mit der St. Gallus-Hilfe Lindau das Projekt „Jugendarbeit für alle“ angestoßen haben, das verstärkt Jugendliche mit Migrationshintergrund, einer Behinderung und junge Geflüchtete in die Jugend(verbands)arbeit integrieren möchte. Oder die interkulturelle Mädchenarbeit der PSG Bayern, die einen Methodenkoffer zum Ausleihen entwickelt hat, der Material für Gruppenstunden und passendes Zubehör für verschiedene Alterstufen enthält. Ergänzt wird der Werkbrief von grundlegenden Überlegungen zur Integration und einem Methodenteil für die praktische Arbeit. Der Werkbrief „Integration auf dem Land“ wurde von der Katholischen Landjugendbewegung Bayern herausgegeben. Er folgt auf den Werkbrief „Flucht. Zuflucht. Asyl“, der gemeinsam mit der Evangelischen Landjugend erstellt wurde. Der Werkbrief ist hier erhältlich.

© Foto: Addis Mulugeta

Neudenken mit Addis Mulugeta

Nur noch wenige Wochen bis zur Konferenz NEU:DENK2017 , die vom 3. und 4. Februar im Bellevue die Monaco in München stattfindet. Der Name ist das Ziel, denn die NEU:DENK2017 will frischen Wind und frische Gedanken in den Themenkomplex Flucht und Asyl bringen. Sie richtet sich an junge Geflüchtete und Praktikerinnen der Jugendarbeit mit Geflüchteten. Addis Mulugeta ist 33 Jahre alt und Journalist. Er kommt aus Äthiopien. Dort arbeitete er bei einer englischsprachigen Zeitung. Da er seine Profession ernst nahm und als kritische Stimme berichtete, wurde er von der Regierung verfolgt. Ende 2009 floh er aus Äthiopien nach Deutschland. Gründer und Kritiker Schon bald setzte Addis Mulugeta sich dafür ein, geflüchteten Menschen eine Stimme zu verleihen. Dazu gründete er das Magazin heimfocus, das genau dies ermöglichte. 2011 wurde ihm der Friedenspreis der Stadt Würzburg verliehen. Addis Mulugeta studierte in Würzburg Betriebswirtschaft und betreut in Würzburg Geflüchtete. Gemeinsam mit Caroline von Eichhorn hat er das Buch „Neu in Deutschland“ verfasst, das Porträts von Geflüchteten und ihren Wünschen und Zielen sammelt. Bei NEU:DENK2017 möchte Addis Mulugeta seine …

© KJR München-Stadt

Jungen Geflüchteten eine Stimme geben

W as sagst Du zu Unterbringungen, Bildungsmöglichkeiten, Freizeit, Willkommengefühl? Das waren nur einige der Fragen, die junge Geflüchtete zwischen 15 und 25 Jahren am Partiziaptions- und Informationstag der Lok-Arrival im Oktober 2016 gestellt bekamen. Ziel des Projekttages war es, jungen Geflüchteten in diesen Belangen eine Stimme zu geben. Vor Ort war ein vierköpfiges Dolmetscher-Team, das die Informationen auf Arabisch, Dari, Farsi, Tigrinja und Somali übersetzte. Die rund 200 anwesenden Jugendlichen aus den Münchner Sammelunterkünften kamen unter anderem aus Syrien, Afghanistan, Nigeria und Pakistan und nutzten mit Begeisterung die Gelegenheit, Tischtennis, Kicker oder Billard zu spielen und machten bei Tae-Bo-Fitness mit oder bei den Trommel Workshops. „Mit geflüchteten Jugendlichen Partizipation durchzuführen ist wahnsinnig wichtig, weil sich viele Entscheidungsträger in der Politik  auf einer theoretischen Ebene bewegen und durch allgemeine Stimmungsbilder einen Eindruck der Lebensumstände in den Flüchtlingsunterkünften bekommen können und sollen.  Wir haben die Umfrage in einer niedrigschwelligen Art und Weise durchgeführt, indem Smileys (rot, gelb, grün) als Antwort auf Bewertungsfragen abgegeben werden konnten. So konnten alle teilnehmen“, machte Mira Walter deutlich, die als pädagogische Mitarbeiterin …

Das war sie….

Eine Woche im Zeichen der Menschenrechte. Das war unser Motto in der vergangenen Woche. Wir haben noch einmal zusammengefasst, was uns bewegt hat. Außerdem haben wir noch ein paar weiterführende Links versteckt, etwa zum Online-Kurs Menschenrechte von Amnesty International,  zum No Hate Speech-Movement, der Kampagne des Europarats gegen Hassreden im Netz und natürlich zu all unseren Beiträgen und zu unserer Pressemitteilung Gemeinsam gegen den Hass. Jugendarbeit für Menschenrechte. Alle unsere Beiträge haben wir auch noch hier zusammengefasst: [View the story „Woche der Menschenrechte“ on Storify]

Lektüre für jede Jahreszeit

Hier sind nochmal alle Lesetipps der vergangenen Wochen versammelt: Ob sachlich-wichtig, wie die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, emotional-berührend, wie das Bilderbuch „Zuhause kann überall sein“ oder politisch, wie die Broschüre des Bayerischen Jugendring zum Thema: Ein Europa der Zukunft. Im Folgenden sind nochmals alle Lesetipps aufgeführt: Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (deutsch): Allgemeine Erklärung der Menschenrechte in ganz vielen Sprachen (z.B. Amharik, Dari, Pashtu, Somali, Tigrinya) Auch wenn sie immer wieder als Papiertiger bezeichnet werde, die Menschenrechte bleiben das Ideal, an dem sich die Staaten messen sollten. Sie sind die Grundlagen aller Grundlagen. „Auf der Flucht. Reportagen von beiden Seiten des Mittelmeeres,“ El-Gawhary, Karim und Schwabeneder, Mathilde. Erschienen in der Schriftenreihe der Bundeszentrale für politische Bildung. In ihren Reportagen beschreiben die Autoren/-innen die Begegnungen mit vielen verschiedenen Geflüchteten: in ihrer Heimat, auf der Flucht, irgendwo in Europa. Es bleibt: Jeder geflüchtete Mensch hat sein eigenes Schicksal, seine eigene Geschichte. „Zuhause kann überall sein“ (Bilderbuch), von Kobald, Irena und Blackwood, Freya. Erschienen bei Knesebeck, auch in einer Deutsch-Arabischen Version erhältlich. Unter den Geflüchteten sind viele Kinder. Das …

Politische Bildung für junge Geflüchtete

Politische Bildung kann jungen Geflüchteten helfen, sich in der Gesellschaft zurechtzufinden. DoKuPäd ist ein pädagogisches Programm des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt, das anläßlich der Einrichtung des Dokumentationszentrums auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgelände in Nürnberg initiiert wurde. Das DoKuPäd macht Angebote zu historisch-politischer Bildung, es arbeitet u.a. mit  Kindern- und Jugendlichen zu den Themen Demokratieverständnis und Menschenrechte, das Eintreten gegen Rechtsextremismus, Ausländerfeindlichkeit, Gruppenzwang und Gewalt. Jetzt gibt es auch ein Angebot für Übergangsklassen an Berufsschulen, das sich explizit an junge Geflüchtete richtet. Die Ringfrei des Kreisjugendring-Nürnberg Stadt berichtet in ihrem Schwerpunktheft über Flucht und Asyl in der Ausgabe 61 über dieses Angebot. Politische Bildung gibt Orientierung Mit politischer Bildung sollte nicht erst begonnen werden, wenn das Asylverfahren, das mitunter Jahre dauern kann, abgeschlossen ist, sondern sobald die sprachlichen Fähigkeiten es zulassen. Auf die Grundkenntnisse der Deutschen Sprache sind wir angewiesen, weil wir nicht nur mit Bildern arbeiten können und ohne Übersetzer/-innen auskommen wollen. Unseren Workshop bieten wir daher für Jugendliche an, die im zweiten Schuljahr an den Nürnberger Berufsschulen unterrichtet werden. Es geht uns um zwei Themenfelder: Zum einen …

© Foto: Jetti Kuhlemann | pixelio.de

Zur Lebenssituation von umF

Wie geht es nach der Flucht weiter? Und wie geht es Kindern und Jugendlichen, die unbegleitet nach Deutschland fliehen? Eine erste Antwort liefern die Ergebnisse der Online-Umfrage des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. D er Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) hat eine Online-Umfrage mit dem Titel „Die Aufnahmesituation unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland“ durchgeführt. 1400 Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe haben teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass viele gesetzliche Standards noch nicht umgesetzt werden. Seit November 2015 gilt das sog. Umverteilungsgesetz. Das „Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher“. Es hat zur Folge, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bundesweit verteilt werden und nicht wie vorher – innerhalb des jeweiligen Bundeslandes. Die Online-Umfrage des BumF  ist eine Momentaufnahme und nicht repräsentativ, sie gibt  jedoch einen Eindruck in die aktuelle Praxis. Der Verfahrensweg Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kommen zunächst in die „vorläufige Inobhutnahme“. In dieser Zeit werden wesentliche Fragen geklärt, wie z.B. das Alter der/s Jugendlichen, ob es Verwandte im In- oder Ausland gibt, ob gesundheitliche Gründe gegen eine Umverteilung sprechen. Sind diese Fragen geklärt wird …

Bleiben können oder gehen müssen?

Was unterscheidet einen schutzsuchenden Menschen aus Syrien von einem Schutzsuchenden aus Albanien? Der Weg, den sie zurückgelegt haben, um nach Deutschland zu kommen? Jede Flucht ist so individuell wie der Mensch, der sich auf den Weg gemacht hat. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal, das über das weitere Leben der Geflüchteten entscheidet, steckt in dem Begriff: Bleibeperspektive. Denn während der albanische Flüchtling eine schlechte Bleibeperspektive hat, hat der syrische eine gute. Eine Auseinandersetzung mit dem Begriff der Bleibeperspektive Der Begriff der Bleibeperspektive trifft eine Aussage darüber, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein/e Asylantragssteller/-in einen Aufenthaltstitel erhält. Ob jemand eine gute Bleibeperspektive hat, macht das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) an der Schutzquote des jeweiligen Herkunftslandes fest. Die Schutzquote besagt, wieviel Prozent der Asylanträge aus einem Herkunftsland, positiv entschieden wurden. Wurden z.B. 100 Anträge aus einem Land gestellt und davon 65 Anträge positiv entschieden, dann liegt die Schutzquote bei 65 Prozent. Liegt die Schutzquote eines Landes bei 50 Prozent oder mehr, dann spricht das BAMF von einer guten Bleibeperspektive. Liegt die Schutzquote darunter, heißt das schlechte Bleibeperspektive. …

© Foto | BJR Bildredaktion Mellon

Was heißt eigentlich Schutzquote?

Die Schutzquote wird mit einer Prozentzahl angegeben. Sie errechnet sich aus der Anzahl an Anerkennungen des Flüchtlingsstatus, der Asylberechtigung (oder eines subsidiären Schutzstatus) und wird ins Verhältnis zu allen gestellten Asylanträgen gestellt. Die Schutzquote wird für die Gesamtzahl aller Anträge aus allen Herkunftsländern errechnet sowie für einzelne Herkunftsstaaten. Diese Zahl ist für das Bundesministerum für Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausschlaggebend, um die Herkunftsländer mit guter Bleibeperspektive und mit schlechter Bleibeperspektive zu bestimmen.