Studie zur Arbeitsintegration: Was noch zu tun ist

Eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung befasst sich mit dem Thema „Die Arbeitsintegration von Flüchtlingen in Deutschland – Humanität, Effektivität, Selbstbestimmung“. Das Fazit der Untersuchung: Auf Qualifikationen, Fähigkeiten und Motivationen der hier lebenden Asylbewerber/-innen wird zu wenig oder zu spät eingegangen. Dies sei allerdings nötig, um deren Arbeitsmarktintegration zu verbessern. Wir haben einige Thesen der Studie herausgegriffen.

Aspekte der Arbeitsintegration

Solange die Entscheidung über den Antrag eines/-r Asylbewerbers/-in nicht gefallen ist, darf ein Flüchtling in Deutschland nicht arbeiten. Im Koalitionsvertrag ist eine Bearbeitungszeit von drei Monaten festgelegt. Trotz dessen „[…] betrug die durchschnittliche Wartezeit auf eine Entscheidung im vergangenen Jahr 7,1 Monate, bei manchen Herkunftsländern wie zum Beispiel Afghanistan, sogar länger (im Schnitt 16,5 Monate). Dies bedeutet für die Flüchtlinge eine extreme Belastung sowie eine lange Zeit in Unsicherheit und ohne Perspektive.“ (Studie, S. 2)

Während der Wartezeit haben Asylbewerber/-innen keinen Zugang zu Sprachkursen, die als Schlüssel zur beruflichen Integration und gesellschaftlichen Teilhabe gelten.

Während der Wartezeit haben Asylbewerber/-innen keinen Zugang zu Sprachkursen, die als Schlüssel zur beruflichen Integration und gesellschaftlichen Teilhabe gelten.
Bis jetzt gibt es kein bundesweites Sprachkurs-Programm. Die angebotenen Sprachkurse werden von Wohlfahrtsverbänden oder Ehrenamtlichen durchgeführt. Die Arbeitsintegration der Flüchtlinge wird häufig auch durch fehlende oder nicht anerkannte Abschlüsse eingeschränkt. Wichtig wäre laut Studie eine frühe Erfassung des Ausbildungsstandes, der Arbeitserfahrungen und der Berufsperspektiven, so dass von Anfang an eine klar integrative Perspektive bestimmend ist.

Weiter wird argumentiert, dass das Leben in den Gemeinschaftsunterkünften dazu führe, dass Asylsuchende nur eingeschränkten Kontakt zur lokalen Bevölkerung hätten. Die Arbeitsvermittlung laufe vor allem über informelle Kanäle, da sie kaum Möglichkeiten hätten, potenzielle Arbeitgeber kennenzulernen. Allgemein wird die Arbeitsvermittlung durch das Primat der Vorrangprüfung, die deutsche Bewerber vorzieht, und das mangelnde Angebot an Sprachkursen erschwert.

Was heißt Vorrangprüfung oder Nachrangigkeitsprüfung?

Vorrang- bzw. Nachrangigkeitsprüfung regeln im Rahmen der Beschäftigungsverordnung vom 1. Juli 2013, ob Asylsuchende und Geduldete in Deutschland eine Stelle antreten dürfen. Nur wenn kein/e deutscher Arbeitnehmer/-in, EU-Bürger/-in oder rechtlich gleichgestellter ausländische/r Bewerber/-in zur Verfügung steht, darf ein/e Asylsuchende/r bzw. Geduldete/r diesen Job annehmen. Nach 15 Monaten Aufenthalt in Deutschland fällt die Vorrang- bzw. Nachrangigkeitsprüfung weg.  (vgl. Studie, S. 7)

Junge Asylsuchende und Berufsschule

Auch fehlen in Deutschland weitgehend Ausbildungsprogramme, die sich spezifisch an junge Asylsuchende richten. Allein Bayern verfügt über ein ausgeprägtes Netzwerk von rund 190 Berufsschulen, die berufsschulpflichtigen Asylbewerbern/-innen die Möglichkeit bieten, eine Ausbildung zu absolvieren. Durch dieses Programm konnten letztes Jahr rund 3.000 Geflüchtete eine Berufsschule besuchen.

Asylrechtliche Neuerungen

  • Geduldete – Menschen, deren Asylantrag abgelehnt wurde, deren Abschiebung aber z.B. wegen Minderjährigkeit, Krankheit oder fehlender Papiere ausgesetzt wurde – können in Zukunft nach einem Aufenthalt von mindestens 15 Monaten in Deutschland Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bzw. BAföG beziehen.
  • Geduldete in einem Ausbildungsverhältnis können eine „Aufenthaltserlaubnis zum Zwecke der Beschäftigung“ erhalten.
  • Seit Juli 2011 kann darüber hinaus schulisch gut integrierten Geduldeten im Alter von 15 bis 20 Jahren eine Aufenthaltserlaubnis erteilt werden. Geduldete unter 27 Jahren, die vier Jahre erfolgreich eine Schule in Deutschland besucht haben, erhalten ebenfalls ein Bleiberecht.

Erkenntnisse für das  Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“

Die in der Studie formulierten Forderungen decken größtenteils die Ideale des BJR-Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“. Während der Wartezeit sollten – besonders junge ­– Flüchtlinge die Möglichkeit haben, Sprachkurse zu machen oder erste Schritte in Richtung einer Ausbildung vornehmen zu können, um sich bestmöglich integrieren zu können. Der Kontakt zu den Menschen vor Ort  und somit die soziale Integration durch das Erlernen der deutschen Sprache ist die Basis für eine berufliche Perspektive. Junge Flüchtlinge brauchen die Chance auf einen Ausbildungsplatz und dürfen in der Ausbildungszeit nicht abgeschoben werden. Dies forderte der 145. Hauptausschuss des Bayerischen Jugendrings mit dem Beschluss „Änderung der Anerkennungs- und Abschiebepraxis von Flüchtlingen“.