Rap & Lederhosen: die Refugee Rap Squad

© Foto | Michaela Morosini

Sie waren die Ersten auf der Bühne des Mitanand Open Airs. Die vier Jungs rappen auf Deutsch, Englisch, Wolof (Senegalesisch) und Französisch. In ihren Texten sprechen sie über das Warten auf Asyl, ihre Fluchterfahrung und ihre neue bayerischer Heimat. Die juna # 4.17 hat sich mit dem Thema Freiheit beschäftigt und die Refugee Rap Squad um ein Interview gebeten.

Yaser, Ousmane (Laouzz), Timo und Bakr (DJ Baxter) sind ein Kollektiv geflüchteter Jugendlicher, die gerne Musik machen, und bilden zusammen das Refugee Rap Squad. Gerade haben die vier ihr erstes offizielles Musikvideo „Chill – kein Asyl“ veröffentlicht. Die Lederhosen und die Almlandschaft darin sollen auch symbolisieren, wie sehr sich die geflüchteten Freunde in ihrer neuen Heimat schon integriert fühlen. Und alles dafür tun, um in Deutschland bleiben zu dürfen –denn manchen von ihnen droht die Abschiebung.

Yaser, Ousmane, Timo und Bakr, wie habt ihr euch kennengelernt?
TIMO: Das war vor etwa drei Jahren bei einem Hip-Hop-Workshop an der Berufsschule in Kelheim, also Bakr, Ousmane und ich. Yaser kenne ich auch
ungefähr so lange aus München. Dort haben wir schon vorher zusammen Raptexte geschrieben.

Wie ging es dann weiter?
OUSMANE: Vor gut einem Jahr haben wir uns entschlossen, eine Rapcrew zu gründen, um zusammen live auf der Bühne zu stehen. Das Refugee Rap Squad. Seitdem schreiben wir zusammen Texte und versuchen, meist alle in jedem Lied mitzurappen. Das ist aber kein Muss. Beim Wu-Tang Clan rappen auch nicht immer alle mit.

Was bedeutet die Band für euch?
YASER: Wir sind wie eine Familie.

Wir sind wie eine Familie.

Wenn wir zusammen unterwegs sind, denken wir nicht an unseren Bleibestatus und unsere Ausbildungs- und Arbeitssituation. Dann genießen wir es, hier in Deutschland zu sein.

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Über welche Themen rappt ihr?
OUSMANE: Wir rappen zum einen über unseren Aufenthaltsstatus, aber auch über Themen wie Freundschaft und Liebe. Gerne beschäftigen wir uns in unseren Texten mit Alltäglichem aus unserem neuen
Leben hier.

Wir haben alle heftige Dinge erlebt und wollen diese Erlebnisse einfach ins Positive umkehren.

Wir haben alle heftige Dinge erlebt und wollen diese Erlebnisse einfach ins Positive umkehren.

Und in welchen Sprachen rappt ihr?
TIMO: Ich und Yaser rappen auf Dari, das ist eine Varietät des Neupersischen in Afghanistan, und auf Deutsch und Englisch. Ousmane rappt in Wolof, seiner senegalesischen Muttersprache, und auf Englisch, Französisch und Deutsch. Und manchmal ist bei uns auch ein bisschen Bayrisch mit drin.

Jetzt ist euer erstes Musikvideo zu „Chill – kein Asyl“ erschienen. Das war euer erster gemeinsamer Song. Worum geht es darin?
BAKR: Die wichtigste Botschaft liegt in der prägnanten Hookline, also dem Refrain: „Chill, ich hab’ Stress – kein Asyl!“ In den drei Strophen erzählen
wir vor allem, was wir den ganzen Tag machen und was uns beschäftigt. Wir rappen über unsere Flucht, die ungewisse Zukunft und wie die Musik uns unsere Probleme zumindest für einen kurzen Moment vergessen lässt.

Was wollt ihr mit dem Song bei den Leuten erreichen?
TIMO: Mit unserem ersten Video wollen wir vor allem Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit erregen.

Wir wollen den Leuten ans Herz legen, sich mal vorzustellen, wie es ist, wenn der eigene Aufenthaltsstatus unsicher ist und man vielleicht bald in ein Kriegsgebiet abgeschoben wird.

„Wir wollen den Leuten ans Herz legen, sich mal vorzustellen, wie es ist, wenn der eigene Aufenthaltsstatus unsicher ist und man vielleicht bald in ein Kriegsgebiet abgeschoben wird. In Afghanistan ist erst vor ein paar Wochen die „Mother of all Bombs“ abgeworfen worden, die größte Bombe nach der Atombombe. Da herrscht ganz bestimmt kein Frieden. Egal was für ein Problem der Durchschnittsdeutsche oder -europäer hat, unsere Probleme sind so anders, ernst und omnipräsent, dass wir sagen können: Chill, ich hab’ Stress – kein Asyl! Und du hast nicht wirklich Stress in einem der besten Sozialsysteme der Welt.

du hast nicht wirklich Stress in einem der besten Sozialsysteme
der Welt.

Wann seid ihr nach Deutschland gekommen?
TIMO: Ousmane, Bakr und ich sind vor gut drei Jahren als unbegleitete Jugendliche gekommen. Ousmane übers Mittelmeer, Bakr über Griechenland und ich bin über Ungarn geflohen.
YASER: Und ich bin schon vor sieben Jahren mit meinen Eltern geflohen und seither mit ihnen hier.

Wie ist euer Aufenthaltsstatus?
BAKR: Meine Familie ist vor Kurzem aus Griechenland nachgekommen, nach drei Jahren. Davor war ich mit meinem Bruder allein in Deutschland. Ousmanes Duldung ist vor Kurzem aufgehoben worden und ihm drohte die Abschiebung, jetzt ist sie aber wieder in Kraft. Er besitzt leider keine Arbeitserlaubnis.

Timo war im September zur Asyl-Anhörung im BAMF und wartet auf seinen Bescheid.

Timo war im September zur Asyl-Anhörung im BAMF und wartet auf seinen Bescheid. Und Yaser und seine Familie haben einen Aufenthaltstitel.

Die juna ist die Zeitschrift des Bayerischen Jugendrings. Sie erscheint viermal jährlich und beleuchtet in jeder Ausgabe ein Fokus-Thema. Ergänzt wird dieser Schwerpunkt durch Praxisbeispiele aus der Jugendarbeit.