Nutzt eure Macht!

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen), Begleiter_innen und Berater_innen für die Jugendarbeit sind „Expert_innen in eigener Sache“. So wie Moheeb Maktabi. Er ist seit zwei Jahren in Deutschland und studiert Informatik in Würzburg.

Eigentlich wollte ich mit einem Studentenvisum nach Deutschland kommen, aber das ist abgelehnt worden. Deswegen musste ich nach Deutschland fliehen. Ich kann nicht verstehen, warum der Pass über die Chancen einer Person bestimmt.

Was ist anders hier?

Die Familienbeziehungen sind hier in Deutschland anders als in Syrien. Ich bin kein großer Familienfan, aber in Syrien sieht sich die Familie häufig, oft jede Woche. Man verbringt den ganzen Abend gemeinsam im Restaurant, raucht Shisha, wer Alkohol trinkt, trinkt Alkohol. Man verbringt den ganzen Abend gemeinsam. Das ist hier anders. Freunde in Syrien zu sein, bedeutet »brotherhood« (Brüderschaft). Bei uns gibt es keine Grenzen im Umgang unter Freunden.

Was können wir voneinander lernen?

Bei Fehlern der Mächtigen nicht zu schweigen! Und wenigstens zu versuchen aufzustehen und dagegen vorzugehen. Auch wenn es nicht klappt. Es wenigstens versuchen und nicht schweigen. Schweigen ist Gold – aber nicht in diesem Fall.

Nutzt eure Macht – ihr müsst etwas sagen und etwas bewegen,

Nutzt eure Macht – ihr müsst etwas sagen und etwas bewegen, um nicht die Fehler der Vergangenheit zu wiederholen. Mein Rat an Menschen, die neu nach Deutschland kommen: Werft eure Stereotype über Bord. Gebt den Menschen und der Gesellschaft eine Chance. Ich hatte auch viele Vorurteile über Deutschland und die Deutschen. Und hier war ich überrascht. Die deutsche Gesellschaft ist eine geschlossene Gesellschaft, aber sie ist nicht abgeschlossen. Wer sich integrieren will, kann das schaffen. Hier in Würzburg fühle ich mich integriert. Die deutsche Gesellschaft hat kein Problem mit der Religion. Egal ob du Muslim bist oder Atheist – wie ich es bin –, du findest trotzdem deinen Platz in der Gesellschaft. Natürlich gibt es auch Menschen, die dich deswegen ablehnen, aber unter jungen Menschen, hier an der Universität, erlebe ich das überhaupt nicht. Und das sieht man auch an der Wahl. 87 Prozent haben nicht die AfD gewählt, sie betrachten Menschen als Menschen.

Maria Prahl, Prozessbegleiterin der Fortbildung und interkulturelle Trainerin hat die JIBs interviewt. Ihr Rückblick auf die Qualifizierung ist zuerst im SIETAR Journal für interkulturelle Perspektiven, 2, 2017, mondiale, erschienen. Zum Download des gesamten Artikels.