Nachhaltiges auf den Weg bringen

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Das Aktionsprogramm des Bayerischen Jugendrings „Flüchtlinge werden Freunde“ hat eine neue Projektkoordinatorin: Manina Ott.

Die 31-Jährige studierte Kulturmanagement und Osteuropastudien und hat seit dem 15. März die Nachfolge von Ibrahim Maiga angetreten. Sie berät und begleitet in dieser Funktion die Verantwortlichen in den sieben Projektregionen, aber auch andere Träger der Jugendarbeit, die mit jungen Geflüchteten arbeiten. Daneben vertritt sie „Flüchtlinge werden Freunde“ nach außen, gibt Anregungen, Informationen und Hilfestellungen für die Praxis und lädt zu regelmäßigen Vernetzungstreffen ein.

Was hast du vor dieser neuen Aufgabe beruflich gemacht?
Zuletzt war ich pädagogische Mitarbeiterin beim Kreisjugendring Fürstenfeldbruck. Ich habe dort das Spielmobil geleitet, also Ehrenamtliche ausgebildet, die Spielmobil-Einsätze koordiniert, neue Spiel- und Bastelaktionen geplant und bin natürlich auch viel vor Ort gewesen. Gleichzeitig habe ich auch in unserem Bildungsteam viele Seminare für Jugendliche gehalten und neue konzipiert, gerade auch zum Thema Interkulturalität.

Was sind deine persönlichen Erfahrungen mit jungen Geflüchteten?
In dem Jugendgästehaus des Kreisjugendrings, bei dem ich zuletzt gearbeitet habe, wurden übergangsweise junge Geflüchtete untergebracht. Da dies ganz schnell passierte, konnte von Seiten des Jugendamtes die Betreuung noch nicht gewährleistet werden, so dass der Kreisjugendring mit anpackte. Ich habe dabei sehr intensiv in der Betreuung mitgearbeitet, Deutsch unterrichtet, Trainingszeiten bei Sportvereinen organisiert, besonders aber auch viel Zeit mit den Jugendlichen verbracht und mit ihnen – soweit es sprachlich schon möglich war – Gespräche geführt. Für mich persönlich war diese Zeit unglaublich spannend und bereichernd. Ich habe viel von den Jugendlichen gelernt. Nicht überraschend also, dass mich das Thema seitdem nicht mehr loslässt.

Was reizt dich an der Aufgabe als Projektkoordinatorin des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“? Was möchtest du bewegen?
Grundsätzlich reizt mich an der Rolle der Projektkoordinatorin die Vielfalt der Aufgaben. Die Kommunikation mit den verschiedenen Projektpartnern und mit vielen verschiedenen externen Ansprechpartnern, aber auch innerhalb des BJR . Ich finde es ungemein spannend – und auch herausfordernd, gerade zum jetzigen Zeitpunkt – dieses Thema zu bearbeiten und auch die Möglichkeit zu haben, konkret etwas anzustoßen. Es ist ein äußerst dynamisches und vielfältiges Feld, das es zu gestalten gilt, und genau das finde ich so reizvoll.

Jugendarbeit kann durch ihre offenen Strukturen und ihre niedrigschwelligen Angebote ganz schnell zu ersten Erfolgserlebnissen führen.

Was ich bewegen möchte? Nun, grundsätzlich möchte ich als Ansprechpartnerin Informationen weitergeben und vor allem den sieben Projektregionen in allen Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Ich möchte, dass wir gemeinsam viele neue Projekte anstoßen und bereits bestehende weiterentwickeln. Nicht zuletzt möchte ich die Projektergebnisse sichtbar machen. Ich denke, die gesellschaftliche Wahrnehmung von jungen Geflüchteten muss sich ändern: zu einem ganz großen Teil sind das junge Menschen, die etwas bewegen möchten, die Potentiale mitbringen und denen man die Chance geben muss, diese zu nutzen.

Warum soll Jugendarbeit deiner Meinung nach in dem Bereich aktiv werden?
Jugendarbeit ist geprägt davon, dass sie partizipativ, selbstorganisiert und freiwillig stattfindet. Jugendliche Geflüchtete machen in Deutschland häufig die Erfahrung der Entmündigung. Sie verstehen die Sprache, die Strukturen nicht, aufgrund lange andauernder Asylverfahren leben sie in unsicheren Situationen. Das hat Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl – von allen Menschen, aber insbesondere bei Jugendlichen.

Jugendarbeit kann durch ihre offenen Strukturen und ihre niedrigschwelligen Angebote ganz schnell zu ersten Erfolgserlebnissen führen. Spracherwerb und Kulturverständnis wachsen dabei quasi nebenbei mit. Von dem gegenseitigen Kennenlernen in freiwilligem Rahmen profitieren aber beide Seiten. Jugendarbeit in Deutschland kann dadurch vielfältiger werden und auch in einen Reflexionsprozess eintreten.

Ich wünsche mir, dass wir mit dem Aktionsprogramm die positive Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes mitgestalten können.

Ich persönlich habe im Kontakt mit Menschen, die eine andere Herkunft hatten als ich, viel über mich selbst, meine Werte – und wo sie Sinn machen und wo nicht – gelernt und viele Vorurteile und Berührungsängste abgebaut. Meine Hoffnung ist, dass dieser Effekt in Zukunft gerade über Erfahrungen in der Jugendarbeit bei ganz vielen jungen Menschen eintritt, egal ob sie in Deutschland aufgewachsen sind oder hier Zuflucht gesucht haben.

Was wünschst du dir für die Zukunft in deinem Arbeitsfeld?
Ich wünsche mir, dass es einen offenen Dialog geben kann unter Mitsprache aller Beteiligten – und nicht innerhalb nur der Mehrheitsgesellschaft. Ich wünsche mir, dass ein Lernprozess einsetzt und Grenzen neu ausgelotet werden. Ich wünsche mir, dass nachhaltige Projekte entstehen, die jungen Flüchtlingen die Möglichkeit geben ihre Kenntnisse, Wünsche und Interessen einzubringen und zu verwirklichen. Und ich wünsche mir, dass wir mit dem Aktionsprogramm die positive Weiterentwicklung des Arbeitsfeldes mitgestalten können.