Menschen, die zu Fuß durch Europa gehen…

Eine europäische Perspektive auf Flucht? Wie kann sie aussehen? Was kann Jugendarbeit hier tun? Und vor allem: wie kann eine europäische Jugendarbeit aussehen? Wir haben die Veranstaltung  „New Perspectives. European Experiences of Youth Work and Migration“ genutzt und die Experten vor Ort befragt:

Alexios Georgalis reiste für die Veranstaltung aus Griechenland an. Er arbeitet unter anderem als Berater für die Vereinten Nationen und ist ein Pfadfinder mit einem goldenen Herz. Er war unter anderem mit Pfadfindergruppen in Flüchtlingslagern und den Häfen auf Lesbos unterwegs, um das Leben der Menschen erträglicher zu gestalten. Und sei es nur, Kindern Luftballons zu schenken. Er antwortet folgendermaßen:

„Europa kam mir auch sehr groß vor, aber ich sehe jetzt, dass Leute durch Europa laufen. Europa ist klein. Es wäre unglaublich wichtig, Know-how auszutauschen. Deutschland hat eine Jugendarbeit, die  Jahrzehnte zurückblicken kann. Das ist in Griechenland nicht der Fall. Wir mussten Sachen entdecken, sage ich mal so.

Wir haben an der Front Sachen gesehen, die man theoretisch nicht begreifen kann.

Wir haben an der Front Sachen gesehen (in den Camps, Anmerkung der Redaktion), die man theoretisch nicht begreifen kann. Es wäre unglaublich wichtig ein technisches Know-how zu haben. Das wäre die erste Phase, in der sich die Jugendarbeiter_innen wirklich austauschen, dass sich die Strukturen, die Ministerien austauschen. Weil, es ist viel Wissen in den letzten Jahren entstanden. Und die zweite Phase wäre die eigentliche Arbeit, in der welcher Austausche von Freiwilligen stattfinden. Wir haben ein europäisches Programm gestartet, das heißt „Time to be welcome“. Das läuft mit Freiwilligen aus ganz Europa, die in den Camps arbeiten. Zusammengefasst würde ich sagen: Einerseits strukturellen Austausch der Jugendarbeit und den auch auf politischer Ebene fördern und dann eben Hände. Hände, die wirklich helfen.“

Aidan Farrelly ist quasi ein alter Hase was Jugendarbeit angeht und extra aus Irland gekommen. Er macht in seinem Eingangsstatement klar, das er selbst stark von Jugendarbeit profitiert habe, das er das weitergeben will. Er arbeitet mit Jugendlichen und auch mit jungen Geflüchteten zwischen 11 und 25 Jahren in verschiedenen Communities  unter anderem zu den Themen Alkohol, Drogen, Sucht. Er macht sich in seinem Vortrag immer wieder dafür stark, Jugendliche in ihrer Vielfalt wertzuschätzen und sie zu empowern.

„I find it fascinating speaking to different youthworkers across europe. What youth work looks in Ireland is completely different what it looks like in Germany or Greece. So I think from a strategic point of view there is definitely a call or a cause for maybe national councils or youth work departments in which people sit down regularly and speak not only about what youth work means to them but where they see the professional your work develop over time. And again the needs of young people and even young refugees in Ireland will be very different. I think all comes back to education.

I think we can all learn an develop from speaking to each other.

I think we can all learn an develop from speaking to each other. That is why I find days as today so valuable for myself and on an European level.“

Glauco Iermano war zuletzt im Oktober zu Besuch im Bayerischen Jugendring (BJR) Glauco arbeitet bei Dedalus, einer neopolitanischen Nichtregierungsorganisation, die sich u.a. um junge Migranten_innen kümmert und ist ein gern gesehener und engagierter Gast im BJR.

 „In Italy we don’t have this culture of youth work. I start to unterstand that difference when I first came here. We have a little youth council but we organize it in a different way. Our welfare state is very little and has a range of different targets: old people, families, immigrants, children, youth. So we don’t have these kinds of activites. I’m very happy to share my experiences, because the differences between the approaches become more clear.  Because when the differences are more clear, than it is also clear how to act.

Now that we all share the same problem – even if I don’t like to call it a problem.

Now that we all share the same problem – even if I don’t like to call it a problem. It is a concern for all European countries. And this is another option to discover differences between us and than we can start to fix the common points.“

Nachmittags waren verschiedene Workshops angesagt. Zum Beispiel mit Aidan, der Methoden aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus Irland vorstellte, etwa den wunderbaren Wertebaum.

Der Fachtag New Perspectives fand im Rahmen von Flüchtlinge werden Freunde in Kooperation mit Lea Sedlmayr, Referentin für europäische Jugendpolitik im BJR. Eingeladen waren haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte aus der Jugendarbeit in Bayern. Ihre persönlichen Perspektiven auf Jugendarbeit und Flucht erläuterten internationale Experten aus Irland, Griechenland und Italien. Dazu gab es Vorträge, eine Fishbowl-Diskussion und am Nachmittag Workshops aus der Praxis der Experten aus ihren Heimatländern.

Deutlich wurde, dass die Realitäten sehr verschieden sind, aber die Haltung und die Werte,  die gleichen sind.

Deutlich wurde, dass die Realitäten sehr verschieden sind, aber die Haltung, mit der gearbeitet wird und die Werte, die in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten gelebt werden, sind in verschiedenen europäischen Ländern die gleichen. Hier voneinander zu lernen und gemeinsam aktiv zu sein, machte allen Teilnehmer_innen Lust auf mehr.

Wer mehr über die Strategie zur europäischen Jugendpolitik des BJR erfahren möchte, oder Interesse an europäischen Themen hat, bitte hier weiterlesen: Auch das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ hat bereits von europäischen Kooperationen profitiert. So entstand die Fortbildung zum Jugendintegrationsbegleiter_in nach einem Fachkräfteausstausch mit Dedalus aus Italien.