Zur Lebenssituation von umF

Wie geht es nach der Flucht weiter? Und wie geht es Kindern und Jugendlichen, die unbegleitet nach Deutschland fliehen? Eine erste Antwort liefern die Ergebnisse der Online-Umfrage des Bundesfachverbands unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

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er Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) hat eine Online-Umfrage mit dem Titel „Die Aufnahmesituation unbegleiteter Minderjähriger Flüchtlinge in Deutschland“ durchgeführt. 1400 Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe haben teilgenommen. Die Ergebnisse zeigen, dass viele gesetzliche Standards noch nicht umgesetzt werden.

Seit November 2015 gilt das sog. Umverteilungsgesetz. Das „Gesetz zur Verbesserung der Unterbringung, Versorgung und Betreuung ausländischer Kinder und Jugendlicher“. Es hat zur Folge, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge bundesweit verteilt werden und nicht wie vorher – innerhalb des jeweiligen Bundeslandes. Die Online-Umfrage des BumF  ist eine Momentaufnahme und nicht repräsentativ, sie gibt  jedoch einen Eindruck in die aktuelle Praxis.

Der Verfahrensweg

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge kommen zunächst in die „vorläufige Inobhutnahme“. In dieser Zeit werden wesentliche Fragen geklärt, wie z.B. das Alter der/s Jugendlichen, ob es Verwandte im In- oder Ausland gibt, ob gesundheitliche Gründe gegen eine Umverteilung sprechen. Sind diese Fragen geklärt wird der/die Minderjährige zur Umverteilung angemeldet. Wenn er/sie an einen Personensorgeberechtigten oder ein zuständiges Jugendamt übergeben wurde, endet die vorläufige Inobhutnahme. Nun wird eine rechtliche Vertretung (Vormund) bestellt und alle weiteren Schritte können beginnen. So z.B. das Stellen des Asylantrags, ein Schulplatz wird gesucht etc.

„(Die) Kinder/Jugendlichen (werden) oft zur Verteilung gedrängt und wenn sie dann nicht in eine gute, langfristige Einrichtung kommen, sind sie frustriert.“ Teilnehmer_in aus Bayern, S. 20

Weitere Infos zum Verfahren auch hier. All diese verschiedenen Schritte hat der BumF in seiner Umfrage berücksichtigt. In der Umfrage wurden die Kategorien „Unterbringung“, „Verfahrensdauer“, „Gesundheitsversorgung“, „Fachkräfte und Qualifizierungsmaßnahmen“, „Prüfung der Verteilfähigkeit“, „Beteiligung der Minderjährigen“, „Verhalten der Minderjährigen zur Verteilung“, „Informationsweitergabe“, „Bildungszugang und Spracherwerb“, „Asylantragsstellung und Registrierung“ erfasst.

Mängel in allen Kategorien

In fast allen Kategorien werden Mängel festgestellt. Die Beteiligung der Minderjährigen am Verfahren lässt in vielen Fällen zu wünschen übrig. Die Unterbringung erfolgt häufig in Strukturen, die nicht kindgerecht sind, die vorläufige Inobhutnahme, dauert länger, als sie sollte (eigentlich nur sieben Tage), die Fachkräfte verfügen über zu wenig spezifisches Fachwissen. Die Verfahren dauern lange, mit langen Übergangszeiten, die für die Minderjährigen vielfach verlorene Zeit ist, da der Schulbesuch, Vormundschaftsbestellung etc. meist erst nach der Umverteilung stattfinden. Das verzögert die Asylantragsstellung, d.h. es dauert auch länger bis sich für die jungen Menschen eine Perspektive auftut.

„Asylantragsstellung erfolgt erst nach Bestellung des Amtsvormunds. Da dies sehr lange dauert, verlieren die Minderjährigen wichtige Zeit im Antragsverfahren, insbesondere, wenn sie zeitnah volljährig werden “ Teilnehmer/in aus Hessen, S. 27

Dabei sind auch Faktoren, wie Abschluss des Asylverfahrens vor der Volljährigkeit und Familiennachzug betroffen. Die Situation ist in allen Bundesländern verschieden, d.h. Eine Ungleichbehandlung ist vorprogrammiert. Grundsätzlich gibt es aber Mängel in allen Bundesländern.
Der BumF sieht vielfache Handlungsbedarfe, um diese Schwierigkeiten zu beheben.

Jugendarbeit braucht Wissen über die Lebenssituationen junger Menschen

Derzeit befinden sich ca. 52.000 UMFs in der Obhut von Jugendämtern. Für die Jugendarbeit ist es wichtig auch über ihre Situation und die Hürden, mit denen sie konfrontiert sind Klarheit zu haben. Denn sie beeinflussen wesentlich die Lebenssituation dieser jungen Menschen. Schließlich tauchen sie unter Umständen mit diesen Erfahrungen in der Jugendarbeit auf. Fachwissen schadet hier also nicht.
Gerade wenn man bedenkt, dass Jugendliche vielfach nicht in dem Maße an Entscheidungen beteiligt werden, wie sie es eigentlich sollten (und das ist auch bei begleiteten Minderjährigen so).

Hier können die Strukturen der Jugendarbeit einen wichtigen Freiraum bieten um Empowerment und Wertschätzung zu erfahren.

Hier können die Strukturen der Jugendarbeit einen wichtigen Freiraum bieten, um Empowerment und Wertschätzung zu erfahren.

Hier nochmal die Studie zum Download.

Der Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (BumF) besteht seit 1998. Er setzt sich für die Rechte von Jugendlichen ein, die ohne sorgeberechtigte Begleitung nach Deutschland kommen.