Kultur ist Leben

Das Leben ist vielfältig – Jugendarbeit kennt diese Vielfalt und bejaht sie. Hip Hopper machen genauso Musik wie die Leute von der Blasmusik, Sprayer und Sprayerinnen aller möglichen Nationen verehren Bansky, zur Juze-Disco oder zum Theaterworkshop kommen Jens, Murat und Goran ebenso wie Amina, Mila und Zoe. Und sie alle haben ein Recht darauf, teilzuhaben am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. An dem Ort, an dem sie leben, egal, woher sie kommen.

Und was hat das eigentlich mit Menschenrechten zu tun? Ganz einfach: Artikel 27 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte besagt, dass jede/r das Recht hat, am kulturellen Leben frei teilzunehmen und sich an den Künsten zu erfreuen.

Das Recht, am kulturellen Leben teilzunehmen, ist keine Nebensächlichkeit

Teilhabe an Kultur und Kunst und das Kreativ-Sein jedes Einzelnen werden also auf globaler Ebene als essentiell betrachtet und nicht als nebensächlich. Denn die Fähigkeit sich selbst auszudrücken gehört zum Wesen des Menschen – nicht nur in Sprache, sondern auch mit Bildern, Bewegungen, Klängen oder anderen Darstellungsformen. Jugendarbeit macht Angebote dafür.

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So schreibt man „Kultur“ auf Dari – die Varietät des Persischen, die man in Afghanistan und Pakistan spricht. Auch im Iran gibt es Volksgruppen, die Dari sprechen.

Künstlerische Ausdrucksformen funktionieren oft unabhängig von Sprache. Sie sind besonders leicht zugänglich und gemeinschaftsstiftend. In einer Band mitzuspielen,

Teilhabe an Kultur ist Empowerment

gemeinsam ein Wandbild zu gestalten, im Team ein Fest auf die Beine zu stellen – all das sind intensive Gemeinschaftserlebnisse, die verbinden. Sie sind die beste Grundlage für Freundschaft. Und für Selbstbewusstsein: „Ich kann was!“ – auch dieses Gefühl vermitteln kulturelle Aktivitäten. Gerade für Kinder und Jugendliche mit Fluchterfahrung, die ihren Platz im neuen Leben erst wieder suchen und finden müssen, ist das eine ganz wesentliche Erfahrung. Teilhabe an Kultur ist sehr oft Empowerment.

Das Recht auf kulturelle Teilhabe birgt dazu noch einen schönen und wichtigen (Neben-)Effekt. Wenn kulturelles Leben vielfältig ist, steckt darin auch immer ein „Ach, so machst du das?!“. So ein unmittelbares Aha-Erlebnis macht neugierig, kann den Horizont enorm erweitern und helfen, sich selbst in der Welt zu verorten. Ob es um Kleidung geht, um Musik, Gefühle, Familie oder Feste, es gibt immer mehr als eine Art, das Leben zu leben. Gute Jugendarbeit bietet allen, die wollen, Gelegenheiten, mitzugestalten, und zeigt jeden Tag: Es geht auch anders – aber so geht es auch!