Kommunale Jugendarbeit ist gefordert

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Flucht und Zuwanderung sind gerade für die Kommunen ein großes Thema. So lautete der diesjährige Schwerpunkt auf der Landestagung der Kommunalen Jugendarbeit „Jugendarbeit in der Einwanderungsgesellschaft“ – und stieß auf große Resonanz: die Tagung war ausgebucht, der Rittersaal des Schlosses Hirschberg fast bis auf den letzten Platz gefüllt.

MR Peter Nitschke vom Bayerischen Sozialministerium und Matthias Fack, Präsident des Bayerischen Jugendrings unterstrichen zu Beginn die Bedeutung und die Fachkenntnis der Jugendarbeit im Bereich Integration. Matthias Fack wies angesichts der aktuellen Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks, die von fast 10 Prozent mehr vertriebenen Menschen weltweit ausgehen, auf die weiterhin große Dringlichkeit der Flüchtlingsthematik hin: „Man kann nicht sagen, dass sich da irgendetwas beruhigt hat.“ Er ermutigte die Jugendarbeit, ihre gute Arbeit in diesem Bereich fortzuführen.

Lothar Kaseder vom Jugendamt Passau, ehemaliger langjähriger Jugendpfleger, ging in seinem Vortrag davon aus, dass Vereine und Verbände auf Dauer von der aktuellen Zuwanderung profitieren können und richtete einen Aufruf an die Kommunalpolitik: Es sei von großer Bedeutung, dass Städte, Märkte und Gemeinden sich strukturiert auf diese Herausforderung vorbereiten. So wurde in Passau im vergangenen Jahr eine große Abteilung für den Bereich Flucht aufgebaut.

Kommunen müssen sich strukturiert auf diese neue Herausforderung vorbereiten

Derzeit sind dort etwa 70 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge dauerhaft in Obhut genommen. Außerdem wurde ein sogenanntes Integrationsteam aus drei Personen gegründet, die für die Gemeinschaftsunterkünfte zuständig sind. Entgegen vieler Berichte reißt in Passau der Strom an jungen Flüchtlingen nicht ab, täglich kommen ca. 15 junge Menschen an. In der Stadt gibt es einen Pool von 300 ehrenamtlichen Helfer/-innen. Auch wirtschaftlich passiert einiges, der Markt der Bildungträger wächst und neue Stellen entstehen. Konkrete Projekte der Jugendarbeit in Passau sind z.B. ein regelmäßiger Kaffee-Treff, ein Musikförderprojekt oder ein Fest der Kulturen. Immer wieder wird zum Spieleabend und zum offenen Fußballtreff eingeladen.

Insgesamt stellte Kaseder einen großen Bedarf fest, interkulturelle Kompetenz zu schulen. Hier sei auch die Jugendarbeit am Zuge, es müssten neue Formate entwickelt werden. Er unterstrich hierbei allerdings auch die Notwendigkeit, ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen zu entlasten.

Dr. Hubertus Schröer vom Institut für Interkulturelles Qualitätsmanagement beschrieb die Konsequenzen der interkulturellen Öffnung für Kommunen und die Jugendarbeit. Integration sei immer eine Herausforderung auf Dauer. Dabei führe Gleichbehandlung nicht automatisch zu Gleichheit bzw. Gleichberechtigung oder auch nur der Empfindung von Gleichheit. Interkulturelles Handeln sei immer auch lernendes Handeln – wichtige Gedanken für ein pädagogisch reflektiertes Agieren.

Interkulturelle Qualifizierung der Jugendarbeit läuft

Manina Ott stellte das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ des Bayerischen Jugendrings und seine verschiedenen Förderformate vor. Helmut Spiegler, Kommunaler Jugendpfleger der Stadt Straubing und Ansprechpartner in der Projektregion Straubing für „Flüchtlinge werden Freunde“, berichtete, dass es aktuell in den sieben Projektregionen viel darum gehe, Strukturen aufzubauen und Vernetzung herzustellen. Gleichzeitig würden Mitarbeiter/-innen durch interkulturelle Trainings qualifiziert, so auch in Straubing. Auch eine Zukunftswerkstatt sei geplant, die sich an Jugendliche über alle sozialen Milieus hinweg richtet. Spiegler betonte auch die Bedeutung der Helferkreise, die eine gute Mittlerfunktion gerade zu jugendlichen Geflüchteten in Gemeinschaftsunterkünften übernehmen könnten.

Jugendarbeit politisiert sich über das Thema Flucht

Es sei überall in der Jugendarbeit viel Aktivität zu beobachten, nachhaltige Konzepte seien in der Entstehung, berichtete Manina Ott, die auf Landes- und Bundesebene in verschiedenen Gremien im Austausch zum Thema steht. Jugendarbeit politisiere sich nochmals stärker anhand der Debatten um Flucht und Vertreibung. Die Jugendarbeit stehe vor einer großen, aber auch spannenden Aufgabe.