Just Dance! Angebote für die Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten

© KJR München-Stadt

Oft sind es Einrichtungen der OKJAder Offenen Kinder- und Jugendarbeit, also etwa Jugendzentren,Jugendclubs, Jugendhäuser oder mobile Angebote, die junge Geflüchtete zuerst erreichen. Die LOK-Arrival ist eine Freizeitstätte in der Bayernkaserne in München, die sich explizit an geflüchtete Kinder und Jugendliche richtet.  Ihre Erfahrungen hat Jennifer Sykora, Leiterin der LOK-Arrival,  in einer  Arbeitshilfe zur Arbeit mit jungen Geflüchteten in der OKJA zur Verfügung gestellt. Bestimmte Tipps haben wir nochmals rausgezogen, weil sie uns besonders wertvoll in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten erscheinen:

Was für Angebote eignen sich? Was gilt es zu beachten?

  • Das Wichtigste ist es, die geflüchteten Personen als Expert/-innen selbst miteinzubeziehen, welche Angebote sie sinnvoll finden.
  • Angebote um den Arbeitsmarkt zu öffnen, eignen sich hervorragend: z.B. Wie schreibe ich einen Lebenslauf, Bewerbungstraining etc.
  • Mit begleiteten Kindern und Jugendlichen aus städtischen Unterbringungen lassen sich auch längerfristige und inhaltlich aufeinander aufbauende Projekte planen.
  • Falls personell möglich, die geflüchteten Jugendlichen direkt in der Unterbringung abholen. Hierbei empfiehlt es sich mit visuellem Anschauungsmaterial (z.B. Plakat mit den wichtigsten Angeboten der jeweiligen Freizeitstätte) den Jugendlichen aufzuzeigen, was sie erwartet. Die meisten kennen das Konzept der OKJA nicht.
  • Wünschenswert sind kostenlose Angebote. Falls Kosten entstehen, bitte zuvor mit der Unterbringungseinrichtung abklären. Mobilität ist oft ein Problem (MVV-Tickets bei Ausflügen stellen).
  • Bei Gruppenaktionen wird empfohlen, die verschiedenen Ethnien zu mischen, damit Vorurteile abgebaut werden können. Missverstände entstehen häufig durch weitergegebene Vorurteile, die man im Kontakt miteinander oft ausräumen kann.
  • Für konkrete Aktionen in den Freizeitstätten sind einfache Plakate und Flyer (Ort, Datum, Aktion) mit Bildern und Text in Englisch am sinnvollsten. Gute Erfahrung haben wir auch mit Teilnahmelisten gemacht.
  • Niederschwellige Angebote planen, die zeitlich nicht zu lange angesetzt sind und bei denen Sprache nicht im Vordergrund steht.
  • Unbegleitete Minderjährige dürfen den Bezirk Oberbayern nur mit einer Genehmigung verlassen, deshalb sind Ausflüge im Stadtgebiet zu empfehlen.
  • 28 Prozent der in München untergebrachten Geflüchteten sind weiblich. Neben gemischten und heterogenen Aktionen sind bei den Mädchen besonders Musik-, Tanz-, Kreativ-, Koch- und Schminkangebote beliebt (z.B. Armbänder knüpfen, T-Shirts bemalen, Nagelstudio, Tanzunterricht, kochen, backen etc.).
  • Kochangebote kommen sehr gut bei den Jugendlichen an (kein Schweinefleisch, Ramadan beachten, bestimmte Lebensmittel erklären und probieren lassen). Am beliebtesten sind Gerichte aus den Herkunftsländern.
  • Sportturniere und -programme aller Art können gut umgesetzt werden. Außerdem ist Fitnesstraining oft sehr gefragt.
  • Kreativangebote werden gerne besucht (auch von Jungs!). Da die Jugendlichen sehr wenig besitzen, freut es sie, wenn ein „Produkt“ hergestellt wird.
  • Computerangebote und Internetzugang sind sehr beliebt, da das oft die einzige Möglichkeit ist, mit Familien und Bekannten in der Heimat Kontakt aufzunehmen. Aus diesem Grund ist das Handy der wichtigste Gegenstand und sollte auf keinen Fall abgenommen werden!
  • Die Jugendlichen freuen sich über Einladungen zu Festen in der Einrichtung oder im Stadtteil.
  • Kulturelle Angebote wie Theater oder Oper finden großen Anklang.
  • Fahrradreparatur-Workshops und Fahrradkurse werden mit großem Interesse angenommen. Wichtig ist hierbei, das Thema Haftung vorher abzuklären.
  • Gerne auch mal entspannen und nichts tun. Interesse an ihrem Herkunftsland, einfache deutsche Wörter lernen sowie Brett- und Kartenspiele (z.B. Schach, Dame, Uno, …) sind eine gute Möglichkeit, in Kontakt miteinander zu kommen.
  • Angebote mit Musik aus den Herkunftsländer sind sehr beliebt. Die Musik bietet eine gute Erinnerungsmöglichkeit und ist als kulturelles Gut einfach „mitzunehmen“.
  • Angebote, die wir als „typisch“ für Mädchen oder Jungen betrachten, sind bei Geflüchteten oft nicht so kategorisiert (z.B. Ballett).

Die Tipps sind ein Auszug aus der Arbeitshilfe „Zur Arbeit mit jungen Geflüchteten in der OKJA“. Herausgeber ist der Kreisjugendring München-Stadt.