Junge Flüchtlinge mitgestalten lassen

© Foto | Kreisjugendring München-Land

Die sieben Projektregionen sind wichtige Knotenpunkte des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“. Diese Seite begleitet das Engagement in ganz Bayern und insbesondere in den Projektregionen und zeigt auf, welche Projekte vor Ort entstanden sind und weiterhin entstehen. Heute geht es um die Projektregion Oberbayern. Hier ist der Kreisjugendring München-Land Vertreter des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“.

Foto | privat

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Lena Berger, Referentin der Geschäftsführung, erzählt von den zahlreichen Aktivitäten im Landkreis und von der Entwicklung, die der Kreisjugendring selbst zum Thema Flüchtlinge durchgemacht hat.

 

 

Was war die Motivation, sich als Projektregion zu bewerben?

Wir fanden die Idee des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“ sehr interessant und wollten gerne beim BJR als übergeordnetem Träger mitwirken. Denn gerade die Idee, sich zu vernetzen, um sich gegenseitig zu bereichern, ist schön, da man gemeinsam in diesem Themenfeld sehr viel mehr erreichen kann.

Mit wem seid ihr bereits vernetzt?

Wir sind als Kreisjugendring in 28 Kommunen im Landkreis München aktiv und haben hier seit vielen Jahren Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit. In jeder Gemeinde sind wir mit deswegen schon seit Jahren mit Politik und Gesellschaft bestens vernetzt. Das gilt auch für die Arbeit mit jungen Geflüchteten.

Was kann Jugendarbeit in Bezug auf Flüchtlinge leisten?

Die Kinder- und Jugendarbeit hat zum Ziel, die personalen und sozialen Fähigkeiten wie beispielsweise das Selbstbewusstsein, die Eigenverantwortlichkeit oder die Kooperationsfähigkeit von Jugendlichen zu fördern und persönlichkeitsentwickelnd zu wirken. Jede/r Jugendliche kann sich den individuellen Interessen entsprechend mit seinen oder ihren Stärken einbringen und mitgestalten. Daran knüpft auch die Arbeit der Jugendverbände an. Diese wichtigen Erfahrungen sind auch für junge Geflüchtete relevant und interessant und ermöglichen es ihnen, sich selbst auszuprobieren, eigene Fähigkeiten zu erkennen und auszubauen, sich in Gruppen zu erleben und letztendlich auch ein selbstbewusster Teil der Gesellschaft zu sein.

Das heißt, ihr habt bereits Zugang zu jungen Flüchtlingen?

Foto | KJR München-Land

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Ja, zum einen sind in zwei unserer Einrichtungen derzeit insgesamt rund 150 junge Geflüchtete untergebracht. Dort bieten wir in Zusammenarbeit mit vielen Ehrenamtlichen, Vereinen und Verbänden bildungs- und freizeitpädagogische Maßnahmen an, z. B. Deutschkurse, Hausaufgabenbetreuung, Theater- und Tanzprojekte, einen Lauftreff oder Slackline-Kurse, bei denen die Jugendlichen ihre Stärken, Fähigkeiten und Interessen ausprobieren und erweitern können. Aber auch in vielen Jugendzentren haben wir mit jungen Flüchtlingen zu tun, da viele unserer Häuser natürlich auch von jungen Menschen mit Fluchterfahrung besucht werden. Unsere Angebote werden gut angenommen und wir versuchen, sie noch weiter zu öffnen. Daneben sind auch für unsere Mitarbeiter-/innen und Jugendverbandsvertreter/-innen weitere Veranstaltungen und Fortbildungen geplant.

In der Bewerbung zur Projektregion schreibt ihr, dass ihr die Selbstwirksamkeit und Selbstständigkeit von jungen Flüchtlingen stärken wollt, was ist denn damit gemeint?

Wir wollen junge Flüchtlinge nicht „nur“ beschäftigen, sondern ihnen, wie allen anderen Jugendlichen auch, Möglichkeiten aufzeigen, wie sie mitgestalten und mitwirken können und dass sie selbstverständlich auch schon als junge Menschen Handlungs- und Gestaltungsspielräume haben und selbst etwas bewirken können. Ein Jugendlicher hat beispielsweise nach dem gemeinsamen Bau eines Instruments aus seiner Heimat wieder ganz viel neues Selbstbewusstsein bekommen und strahlt viel Positives und Hoffnung aus, seit er das Instrument gebaut hat und darauf spielen kann.

Was ist fürs nächste Jahr geplant?

2015 und davor ging es uns vor allem darum, erstmal eine Haltung und einen Zugang zum Thema zu finden. Da haben wir auch selbst eine Entwicklung durchgemacht, von der Haltung „Damit haben wir wenig zu tun“ bis hin zu „damit müssen wir uns verstärkt auseinandersetzen“. In diesem Jahr steht ganz klar das praktische Engagement im Vordergrund, auch wenn wir uns natürlich weiterhin weiterbilden möchten und werden.