Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft

© KJR Nürnberg

Jugendarbeit kann einen alternativen Raum anbieten. Auch und ganz besonders für Geflüchtete, die oft einem ganz anderen Stress-Level ausgesetzt sind als junge Menschen, die hier geboren sind. So ein Stress-Level kann auch dann entstehen, wenn man vielleicht gar nicht soviel tun kann, außer hoffen und warten. Dann dreht sich der Stress eben um die Zukunft: Kann ich hierbleiben? Bekomme ich Asyl? Was, wenn nicht? Was passiert, wenn ich 18 Jahre alt werde?

Das sind Fragen, die die Jugendarbeit nicht unbedingt beantworten kann. Aber sie kann zuhören, zerstreuen und junge Menschen mit anderen jungen Menschen zusammenbringen. Was Jugendarbeit mit Geflüchteten noch alles leistet, darüber haben sich Bruni Schmidt, Geschäftsführerin KJR Nürnberger Land und Sandra Härtl, Projektmitarbeiterin Flüchtlinge werden Freunde unterhalten.

Übrigens: Der KJR Nürnberger Land ist zusammen mit dem KJR Nürnberg Stadt unsere Projektregion Mittelfranken.

Bruni Schmidt: Warum braucht es Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Sandra Härtl: Kinder und Jugendliche haben große Ressourcen, wenn es um Kontakt- und Beziehungsaufbau sowie Anpassung geht. Jugendarbeit bietet die Chance, diese Ressourcen zu nutzen und ein vorurteilsfreies Miteinander zu unterstützen, das zur Normalität wird. Zudem hat Jugendarbeit einen Bildungsauftrag. Sie schafft Räume für Jugendliche, in denen sie sich entwickeln und entfalten können und ihre eigenen Werte und Haltungen bilden.

Geflüchtete Jugendliche sind ein Teil unserer Gesellschaft und brauchen diese Entfaltungsräume genauso wie alle anderen.

Sie bereichern die Jugendarbeit durch ihre Persönlichkeiten. Jugendarbeit wiederum kann durch ihre Leichtigkeit, ihre Ressourcen- und Lösungsorientierung als Gegenpol zu alltäglichen Herausforderungen für Jugendliche dienen. Gerade Geflüchtete haben häufig durch traumatisierende Erlebnisse oder auch durch das mühsame Ankommen in einer „neuen Welt“ mit verschiedenen Belastungen zu kämpfen und benötigen diese ausgleichenden Momente. Jugendarbeit ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft. Geflüchtete sind Teil unserer Gesellschaft und müssen damit selbstverständlich einbezogen werden.

Bruni Schmidt: Was nimmst Du persönlich mit?

Sandra Härtl: Dass die Jugendarbeit mit Geflüchteten eine ebenso große Herausforderung darstellt, wie die Integrationsarbeit im Allgemeinen. Sie braucht Zeit, Geduld, viel Verständnis und nochmal Zeit. Aber sie lohnt sich, bzw. es ist unabdingbar, wenn wir als Pädagog_innen unseren Anteil an einer toleranten Gesellschaft in einem gelingenden Miteinander leisten wollen.

Jugendarbeit bietet unglaubliche Chancen, um Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit zusammenzubringen,

Sie bietet unglaubliche Chancen, um Menschen in all ihrer Unterschiedlichkeit zusammenzubringen,Vorurteile abzubauen und voneinander zu lernen. Dabei ist es wichtig, alle mit ins Boot zu nehmen, Einheimische wie auch Geflüchtete, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen, ihnen Herausforderungen schmackhaft zu machen und ihr Tun wertzuschätzen. Kreativität, Offenheit und Flexibilität sind Tugenden der Jugendarbeit und unsere stärksten Ressourcen, die es auch in der Arbeit mit Jugendlichen jeglicher Herkunft zu nutzen gilt. Ich habe es erlebt, dass Jugendarbeit mit Geflüchteten eingefahrene Systeme wiederbelebt und bereichert. Neue Gruppen werden gegründet, neue Aktionen gestartet, wertvolles Miteinander geschaffen. Die anfänglichen Herausforderungen werden so zu Bereicherungen für Teilnehmer_innen und Mitarbeiter_innen.

Bruni Schmidt: Was war Dein persönliches Lieblingsprojekt?

Sandra Härtl: Girls Only – Von mutigen Mädchen und Vielfalt, die gefeiert werden darf . Unter diesem spannenden Motto trafen sich 20 Mädchen aus dem Nürnberger Land auf der Edelweißhütte. Der Kreisjugendring, unterstützt vom Ökumenischen Verein für Flüchtlinge, Asylsuchende und Migration, hatte zu einem Wochenende für Mädchen mit und ohne Fluchthintergrund eingeladen. In ihren sieben Muttersprachen – türkisch, deutsch, arabisch, kurdisch, persisch, spanisch und rumänisch – formulierten die Mädchen ihre Wünsche. „Ich wünsche mir Freiheit! “ oder „Ich wünsche mir, dass wir alle gut zueinander sind, auch wenn wir verschieden sind und uns noch nicht kennen!“ oder „Ich wünsche mir einfach Spaß zu haben und nicht an Schweres zu denken“.