Jeder Mensch hat was Gutes

Karssli ist seit zwei Jahren in Deutschland, studiert soziale Arbeit und ist Jugendintegrationsbegleiter (Jib). Für das Studium der sozialen Arbeit hat er sich entschieden, weil er schlichtweg begeistert war vom ehrenamtlichen Engagement der Jugendarbeit. Karssli ist ein weltoffener und grundsympathischer Mensch, der nicht nur fließend Deutsch sondern auch Fränkisch spricht. Wir haben uns mit ihm getroffen, um über die Fortbildung zur/m Jugendintegrationsbegleiter_in zu sprechen, die wir auch dieses Jahr anbieten, und über seine Erfahrungen in einem neuen Land.

Was bedeutet es für Dich Jugendintegrationsbegleiter zu sein?

Es war einfach sehr cool mit in der Gruppe der Jugendintegrationsbegleiter_innen zu sein. Weil jede_r mit seiner/ihrer Erfahrung und seiner/ihrer Weltperspektive da war. Und danach hatten wir die Möglichkeit unsere Erfahrungen direkt an die Leute zu geben. Wir waren in einer Schule, haben unsere Kultur erklärt und woher wir kommen. Dann waren wir an der Fachhochschule und auch bei Student_innen der sozialen Arbeit. Hier waren die Themen Religion und religiöse Vielfalt und das war auch richtig toll.

Weil die Leute hören ja von uns, aber keiner spricht mit uns.

Weil die Leute hören ja von uns, aber keiner spricht mit uns.
Wenn wir die ersten Schritte gehen und sagen, da sind wir, ihr könnt eure Fragen stellen, ihr könnt uns persönlich kennenlernen, dann sind das ja tolle Schritte, damit die Ängste abgebaut werden. Und persönlich habe ich einfach die Erfahrung gemacht wie es ist in einem fremden Land anzukommen und ich weiß von den gegenseitigen Ängsten. Die abzubauen finde ich wichtig.

Verstehst Du Dich als Brückenbauer?

Ja, weil ich merke an jedem Gespräch, an jedem Workshop mit Deutschen, egal ob sie ehrenamtlich oder Student_innen, Schüler_innen, Arbeiter_innen sind, wenn wir unsere Kultur präsentieren und schon nach ein paar Minuten, wie sagt man?

Bricht das Eis?

Ja, ich finde es einfach am Schönsten, wenn wir selbst präsent sind und selbst für uns sprechen. Die Menschen haben uns einfach als Mensch vor Augen, von dem sie davor nur gehört haben oder den sie nur auf der Straße gesehen haben.

Was hast Du für Projekte bisher gemacht? 

Ich studiere ja selber soziale Arbeit und war dann an der FH bei Student_innen der sozialen Arbeit. Etwa für das Seminar zur religiösen Vielfalt. Da habe ich erzählt wie man miteinander umgeht und habe ich über unsere Religion erzählt, wie man hier respektvoll miteinander ist. Also auch wie zum Beispiel der Kontakt mit Muslimen supergut läuft. Im Sommer will ich so ein Projekt mit den Eltern von Geflüchteten machen. Weil das ist ein sehr wichtiges Thema, es gibt ja sehr viele Angebote, aber nicht immer kommen genügend. Das ist ein Vermittlungsproblem und

man muss auch den Eltern erklären was da in der Jugendarbeit läuft

man muss auch den Eltern erklären was da in der Jugendarbeit oder woanders läuft und auch was Jugendarbeit eigentlich ist. Ich finde die Freizeitaktivitäten ja richtig toll, aber man legt nicht in jeder Kultur so viel Wert darauf. Wenn man mit den Eltern redet, können die auch ihre Kinder anders motivieren, eben  weil sich Kinder und Jugendliche hier auch kennenlernen, die sonst vielleicht nicht miteinander sprechen.

Bist Du angekommen?

Ja, ich bin sehr dankbar, dass ich am Anfang so viel Unterstützung von Ehrenamtlichen und auch von meiner Gastfamilie bekommen habe. Da habe ich viel gelernt, wie das hier läuft, was die Kultur hier ist. Ich weiß, wie schwierig das ist, wenn es diese Unterstützung nicht gibt und deshalb versuche ich auch anderen zu helfen. Denn es gibt Leute, die gar keine Unterstützung haben oder die es in diesem Land einfach sehr schwer haben. Ich und auch unsere Gruppe der Jib, wir wollen unsere Erfahrungen mitgeben, motivieren.

Wir sind ja auch geflüchtet und können so den neuen Mut machen.

Wir sind ja auch geflüchtet und können so den neuen Mut machen.

Warum sollte man die Jib-Qualifzierung mitmachen?

Für mich selbst war es eine große Hilfe. Das braucht man, um in Deutschland zu leben. Und es hat mir auch geholfen mit bestimmten Situationen umzugehen, etwa mit Konflikten umzugehen. Jib 2018 wird wieder ein ganz tolles Projekt sein! Denn wir haben von der ersten Fortbildung gelernt, wir haben sie ausgewertet und geschaut, wie kann es am besten sein.

Hast Du einen bestimmten Wunsch//Botschaft?

Ich wünsche mir, dass man nicht so schnell Vorurteile hat. Also wenn man auf der Straße läuft und Flüchtlingen begegnet. Vielleicht fühlt man sich nicht so wohl, weil man den Menschen nicht kennt, aber deswegen darf man nicht urteilen.

Mindestens muss man mit den Menschen reden oder diskutieren.

Mindestens muss man mit den Menschen reden oder diskutieren. Am Anfang, wenn wir unterwegs waren, haben wir gemerkt, die Leute schauen uns komisch an, aber keiner hat mit uns kommuniziert. Aber schon ein kleines Gespräch kann viel ändern. Ich wünsche mir auch von der Jugendarbeit, dass sie auch die Eltern anspricht, wenn wenig Teilnehmer_innen kommen oder eben auch direkt die Geflüchteten und natürlich kann man uns Jib fragen. Wir sind sehr gute Ansprechpartner_innen, denn wir kennen beide Seiten.

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