Helfen beim Ankommen

© KJR Augsburg-Land, Marcella Schwab

Das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ wird getragen von sieben Projektregionen in ganz Bayern. Heute geht es um die Projektregion Schwaben; hier sind der Stadtjugendring Augsburg, der Kreisjugendring Augsburg-Land und der Kreisjugendring Aichach-Friedberg Vertreter des Aktionsprogramms.

Der Fokus der Arbeit mit jungen Flüchtlingen im Landkreis und in der Region hat sich seit den Anfängen verändert: Nachdem zunächst die Unterstützung junger Geflüchteter und ihrer Familien bei den ersten Schritten in Deutschland im Vordergrund stand, geht es nun hauptsächlich darum, jungen Menschen dabei zu helfen, wirklich anzukommen und Anschluss zu finden.

Dafür leisten Jugendverbände einen sehr wichtigen Beitrag: sie ermöglichen den jungen Flüchtlingen positive Erlebnisse in der Gruppe, bieten vielfältige Gelegenheiten, sich selbst auszuprobieren, die eigenen Stärken zu entdecken und zu erleben, Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu erfahren.

Jugendverbände ermöglichen es, die eigenen Stärken zu entdecken und zu erleben, Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu erfahren

Gerade für junge Menschen, die aufgrund ihrer Flucht aus ihren Heimatländern eine Zeit großer Unsicherheit hinter sich haben, ist das eine wichtige Erfahrung. Denn in der Schule machen Viele oft kaum positive Erfahrungen, dort stehen zumindest anfangs eher die Defizite im Vordergrund.

Jugendverbände müssen dazu jedoch dauerhaft ihre Strukturen anpassen oder neue schaffen. Das findet in Augsburg auch tatsächlich statt, es gibt eine starke Bereitschaft, sich zu öffnen. So fördert etwa die Bayerische Sportjugend Augsburg-Stadt im Rahmen des Projekts „Spiel mit“ Aktivitäten von Sportvereinen zur Integration junger Menschen mit Fluchterfahrung sowie von Kindern und Jugendlichen mit besonderen Bedarfen. Verschiedene Vereine haben Sportflächen, Trainer/-innen und Equipment für zusätzliche Sportangebote bereitgestellt – auch gefördert durch „Flüchtlinge werden Freunde“. Auch die JDAV Augsburg oder die Assyrische Jugend Augsburg engagieren sich für junge Flüchtlinge. Die Evangelische Jugend hat einen Workshop für Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung zum Umgang mit der Spraydose veranstaltet, gemeinsam gestalteten sie eine Mauer am Pfarrbüro einer Augsburger Gemeinde in der Innenstadt.

Die Projektregion unterstützt und motiviert, wenn die ersten organisatorischen Hürden auftauchen

Allerdings arbeiten alle Jugendverbände in Augsburg und den benachbarten Landkreisen komplett ehrenamtlich, was gerade zu diesem Thema einen großen Beratungs- und Informationsbedarf mit sich bringt. Die Projektregion unterstützt und berät die Engagierten in ihrer Arbeit. Das bedeutet auch, zu motivieren, wenn einmal die ersten organisatorischen Hürden auftauchen oder alles nicht so rund läuft wie erhofft. Manchmal kann man einen Jugendlichen, der hierher geflüchtet ist, eben nicht einfach mit auf ein Zeltlagernehmen. Dann heißt es, aufzuklären und zu vermitteln.

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© KJR Augsburg-Land

Um ein Zeichen für ein friedliches kulturelles Miteinander zu setzen, veranstaltet der Kreisjugendring Augsburg-Land mit seinen Mitgliedsverbänden auch dieses Jahr wieder das interkulturelle „Mühlenfest“ in Königsbrunn als ein großes, buntes Begegnungsfest für neue und alteingesessene Mitbürger/-innen mit viel Musik, internationalen Speisen und Getränken, Spielen und Aktionen. Das Spielmobil des Kreisjugendrings besucht Flüchtlingsunterkünfte und bringt für Kinder und Jugendliche ein bisschen Farbe und Abwechslung in den eintönigen Alltag.

Junge Flüchtlinge wollen ihrer neuen Heimat auch etwas zurück geben: Das zeigt der Stadtjugendring Augsburg mit einer Sozialaktion, bei der Jugendgruppen und junge Geflüchtete gemeinsam einen Tag lang in ihren Stadtvierteln soziale Projekte umsetzen.

Weiterbildung ist ein weiterer Arbeitsschwerpunkt in der Projektregion Schwaben. In Jugendleiterschulungen werden interkulturelle Kompetenzen vermittelt, es gibt Workshops mit externen Experten zum Thema Rassismusprävention, so etwa ein Argumentationsseminar zum Thema „Rassismus und Verteilungskämpfe“ in

Weiterbildungen für Ehrenamtliche vermitteln interkulturelle Kompetenzen und Argumentationssicherheit

in Kooperation mit der DJO – Assyrischen Jugend, der Alevitischen Jugend und der Islamischen Jugend. Damit bekommen Verantwortliche in den Jugendorganisationen, die sich klar gegen Rassismus und Ausgrenzung einsetzen, mehr Handlungs- und Argumentationssicherheit. Im November wird es einen gemeinsamen Kongress zur Qualifizierung Ehrenamtlicher der Jugendringe Augsburg-Land, Aichach-Friedberg und Augsburg-Stadt geben, der dem Schwerpunkt „Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten“.gewidmet ist. Auch die Mitarbeiter/-innen in den offenen Jugendtreffs werden fortgebildet. Da diese Einrichtungen von jungen Flüchtlingen sehr stark genutzt werden, ist die Vermittlung von Hintergrundwissen, insbesondere zum Umgang mit Traumatisierten, besonders wichtig.