Gekommen, um zu bleiben?

© BJR

Eindrücke vom DBJR-Fachtag

Am 31.5.2016 fand der Fachtag „Ankommen und Integration gemeinsam gestalten“ des DBJR in Berlin statt. Vertreter/-innen von Jugendverbänden und Jugendringen waren eingeladen gemeinsam über das Themenfeld zu diskutieren. Manina Ott, Projektkoordinatorin für „Flüchtlinge werden Freunde“ hat sich vor Ort ein Bild gemacht.

Bleiben oder gehen? Das Begriffsrepertoire erweitern
Einen ersten fachlichen Impuls gab Andreas Bierod, Geschäftsführer der Maltesern der Erzdiözese in Paderborn und ehemaliger Delegiert im DBJR Hauptausschuss. Er führte weitere Begriffe in die Diskussion ein, die über die gängigen Gegenüberstellungen von Flucht und Migration und/oder guter und schlechter Bleibeperspektive hinausreichen. Bierod argumentierte, dass es für die Integration besonders wichtig sei, ob ein Mensch mit Bleibewille komme, also ob er oder sie den Wunsch hege, seine Zukunft in Deutschland zu gestalten. Oder ob der Heimkehrwille stärker sei, also der Wunsch, irgendwann wieder in die Heimat zurückzukehren. Weiter betonte Bierod, dass die Zielgruppe der begleiteten Minderjährigen besonders groß sei.

„Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge machen lediglich drei Prozent der Geflüchteten aus“,

„Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge machen lediglich drei Prozent der Geflüchteten aus“, so Bierod weiter, „gerade die Jugendarbeit muss die Zielgruppe der begleiteten Minderjährigen stärker in den Blick zu nehmen.“ Als zentrale Aufgaben in der Jugendarbeit mit jungen Flüchtlingen zählte er folgende auf:

– Politische Bildung nach innen
– Eintritt für eine „Willkommenskultur“ nach außen
– Integration junger Geflüchteter in die Gesellschaft

Jugendarbeit muss junge Geflüchtete abholen
Da die Jugendverbandarbeit auf einer „Komm-Struktur“ nicht auf einer „Hol-Struktur“ basiere, sei das Thema der Integration eine große Herausforderung. Denn junge Geflüchtete müssen sich hier noch vermehrt angesprochen fühlen. Hier gilt es infrastrukturell nachzudenken,

Wie kommen begleitete Jugendliche aus Gemeinschaftsunterkünften zur Jugendarbeit?

denn wie kommen begleitete Jugendliche aus Gemeinschaftsunterkünften zur Jugendarbeit? Zudem verblieben Jugendverbandsgruppen oft unbewusst im eignen Milieu. Türen zu öffnen, heißt also auch die eigenen Räume auf Ausschlusskriterien zu überprüfen. Denn: „Jungsein verbindet mehr, als Kulturen trennen.“

200 Fragebogen an die Jugendarbeit
Im Anschluss präsentierte Christian Weis, Referent für Grundlagenarbeit im BJR die Ergebnisse einer Umfrage, die der DBJR im Vorfeld des Fachtages bei den Jugendverbänden und Jugendringen durchgeführt hatte. Knapp 200 Fragebögen wurden ausgefüllt, drei Viertel der Fragebögen wurden von Jugendverbänden ausgefüllt, die restlichen zu etwa gleichen Teilen von Kreis-, Stadt- und Landesjugendringen.

Jugendarbeit ist aktiv
Erste Ergebnisse zeigen, dass 80 Prozent der Teilnehmenden in der Arbeit mit jungen Geflüchteten aktiv sind. Mangelnde personelle Ressourcen sind einer der Hauptgründe für mangelndes Engagement. Die Hauptzielgruppe der Angebote sind junge Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften. Eine weitere große Zielgruppe sind die unbegleiteten minderjährige Flüchtlinge. Über die Bandbreite der Angebote sagte Christian Weis „sie sind so vielfältig, wie die Jugendverbandsarbeit auch ist.“

Was braucht die Jugendarbeit?
Ein letzter Aspekt der Umfrage lief unter der Überschrift „Was wir brauchen“. Folgende Bedarfe wurden deutlich: personelle Ressourcen, Qualifizierungen, Vernetzung (insbesondere auf kommunaler Ebene), Informationen für junge Geflüchtete zur Jugendverbandsarbeit.

Vernetzen und sich austauschen
Am Nachmittag konnten sich die Teilnehmer/-innen über die Methode World Café und einen Open Space austauschen. Vertreter/-innen, die ehrenamtlich aktiv waren, saßen neben Hauptamtlichen. Bundes-, Landesebene, lokale Ortsgruppe saßen an einem Tisch, so dass vielfältige und angeregte Diskussionen stattfinden konnten.

Repolitisierung als Chance
Zum Abschluss gab es eine Podiumsdiskussion mit Vertreter/-innen des DBJR Vorstandes, aus Bundesverbänden,aus Landesjugendringen und IDA e.V. Klares Plädoyer am Ende dieses Fachtages war, dass die Arbeit mit jungen Flüchtlingen eine Chance für die Jugendverbände sei sich zu „repolitisieren“. Zum einen würden in Verbänden wieder Diskussionen über zentrale Positionen geführt, die es in dieser Intensität schon lange nicht mehr gab, zum anderen würde auch die öffentliche Debatte eine stärkere Positionierung der Jugendverbände „herausfordern“.

Der DBJR hat außerdem eine neue Broschüre zum Thema Ankommen erarbeitet, die einen sehr guten Überblick über das Asylverfahren und die Besonderheiten bei unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen gibt. Hier findet ihr sie zum Download. Die Ergebnisse der Umfrage des DBJR sind online nachzulesen.