Die Pfadi-Kartoffel gegen Hetze

Pfadfinder tragen eine Fahne mit dem Logo der Aktion "Auf die Plätze gegen Hetze"

© VCP

Kartoffeln, das sind nicht nur schmackhafte Knollen, das ist auch eine Bezeichnung für  sogenannte Biodeutsche. Und das, obwohl die Kartoffel eigentlich ein Kolonialprodukt ist. Eine ganz besondere Rolle spielt die Kartoffel beim Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, und zwar als Vorurteilbekämpferin. Über die Kartoffeln und ihre Rolle in der Kampagne des VCP „Auf die Plätze gegen Hetze“ haben wir mit Lena Simosek vom VCP gesprochen:

Wieso braucht es die Kampagne „Auf die Plätze gegen Hetze?“

Rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen finden weiter den Weg in die Gesellschaft. Das spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen der AfD oder der FPÖ in Österreich wieder. Hassparolen gegen Geflüchtete, Politiker_innen oder Journalist_innen wurden auch mit Pegida lauter. Wir wollen uns aktiv gegen Diskriminierungen und Vorurteile positionieren.

Du hast gesagt, dass Anfeindungen gegen Geflüchtete zugenommen haben. Habt ihr das auch im Verband gespürt und wenn ja, wie?

Eher im Gegenteil. Seit 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, haben viele Stämme versucht zu helfen. Man hat Kinder zu Gruppenstunden und Fahrten eingeladen, Begegnungscafés veranstaltet und vieles mehr. Auch auf unserem Bundeslager hatten wir einige geflüchtete Jugendliche unter den Teilnehmenden. Schade ist, dass es für solche Aktionen viele bürokratische Hürden gibt.

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Wie kamt ihr auf die Idee mit Gemüse gegen Vorurteile anzukämpfen?

In einer Telefonkonferenz zu dem Heftchen kam Fabian aus unserer Projektgruppe mit der Idee an. Obst und Gemüse sind gut zu illustrieren und eignen sich gut dazu, Vielfalt zu visualisieren. Die deutsche Pfadi-Kartoffel, der Hauptcharakter in dem Heftchen, hat natürlich auch ironischen Charakter. Sie kann mit Deutschland assoziiert werden (nicht umsonst werden Menschen deutscher Herkunft gerne als Kartoffeln bezeichnet, Anm. d. Red.), dabei kommt sie eigentlich aus Südamerika.

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Welche Aktionen sind mit der Kampagne verbunden?

Ihren Auftakt hatte die Kampagne auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin, wo zum ersten Mal das Kartoffel-Heftchen verteilt wurde. Außerdem gab es noch einen Workshop und eine Podiumsdiskussion.  Nachdem wir den inhaltlichen Schwerpunkt unserer Bundesversammlung entsprechend gestaltet hatten, gab es auf dem VCP-Bundeslager verschiedenste Workshops zu Themen wie Rechtsextremismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiebildung. Wir freuten uns sehr über die zahlreichen interessierten Teilnehmer_innen. Außerdem entstand eine Arbeitshilfe, mit der sich Gruppen vor Ort mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auseinandersetzten können. Auf dem VCP-Blog werden weiter Ideen für Gruppen veröffentlicht. Zur Bundestagswahl haben wir z.B. nochmals verschiedene Anregungen und Gruppenstundenideen geliefert. Wer uns von seinen Aktivitäten eine Rückmeldung mit Bildern und einen kleinem Text zuschickt, bekommt im Austausch den Badge bzw. Aufnäher zur Kampagne.

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Was für Reaktionen habt ihr bisher bekommen?

Wir haben viel positives Feedback bekommen. Das Kartoffel-Heftchen kommt gut an. Leider reden die Leute oft mehr über Kartoffelsalat als über die Inhalte der Kampagne. Aber neben Kartoffelsalat- und -gratin gab es auch schon eine Gruppe, die sich durch die Kampagne ermutigt gefühlt hat, an einer Demonstration gegen Rechts teilzunehmen, in Pfadi-Kluft. Es gab Gruppen, die einen Stand beim Stadtfest gestaltet haben, und wir haben eben auch Rückmeldungen dazu bekommen, wie Gruppen mit der Handreichung arbeiten.

Wer kann mitmachen?

Jede_r kann und sollte mitmachen, wenn es darum geht, sich gegen Menschenfeindlichkeit und für Toleranz einzusetzen!

Wo bekomme ich die Heftchen?

Die Arbeitshilfe und auch das Kartoffel-Heftchen kann man auf unserer Internetseite bestellen.