Die Erde ist nicht zu eng….

© Yasin Rahmati

Yasin Rahmati, im Vorstand der heimaten-Jugend, hat eine Woche im Bayerischen Jugendring ein Praktikum gemacht. Er unterstützte unsere Projektkoordinatorin Manina Ott, begleitete sie auf Termine und Besprechungen. Wir haben ihn am Ende der Woche gebeten, einen Blogartikel zu schreiben über die Dinge, die er in seinem Herz bewegt, was für ihn Jugendarbeit bedeutet und was er sich wünscht, von der Jugendarbeit, Politik und der Gesellschaft:

Yasins Blick auf Jugendarbeit

Mein Name ist Yasin Rahmati. Ich bin im Vorstand von heimaten-Jugend und bin seit 20 Monaten in Deutschland.

Ich war erst drei Tage in Deutschland, als ich Marianne Seiler, die Unterstützerin von heimaten-Jugend, über meinen Cousin kennengelernt habe. Damals habe ich eine gute Erklärung auf meiner Muttersprache von meinem Cousin bekommen, darüber was heimaten ist und was heimaten macht.

An meinem siebten Tag in Deutschland habe ich eine Gruppe von der Erstaufnahmeeinrichtung Bayernkaserne eingesammelt (natürlich mit der richtigen Erlaubnis) und wir sind zusammen mit anderen Leuten von heimaten nach Lenggries in eine Jugendherberge gefahren. So bin ich in einen schönen Jugendverband mit vielen netten Leute reingekommen.

Jetzt möchte ich euch, so gut ich kann, schildern, was Jugendarbeit aus meiner Sicht ist:

Zum Beispiel rede ich mit fünf Personen aus verschiedenen Ländern schon seit fast drei Monaten über heimaten-Jugend und nehme sie zu verschiedenen Sachen mit. Aber warum erkläre ich so lange? Ist das (die Jugendarbeit) so schwer zu verstehen?

1. Ich muss darauf achten, zu verstehen, was sie gerne machen. Ich kann dann überlegen, wo ich sie mitnehmen kann, z.B. zu einem Seminar, zu Sitzungen oder Freizeitveranstaltungen. Dabei muss ich auch auf mein Verhalten achten: ich mache Vorschläge und sage Ideen, höre aber viel zu, um zu verstehen, was ihnen wichtig ist.

2. Es ist wichtig: Jugendarbeit ist keine Pflicht. Es geht um das einzelne Interesse von jedem (wer was mag und wer wo gut reinpasst).

3. Vorstand kann jeder sein. Wichtig ist vor allem, dass man viel für die Mitglieder macht. Es heißt nicht, dass man „höher“ als die anderen ist, sondern dass man mehr miteinander machen kann.

4. Ich sage immer, dass es nicht wichtig ist in welchem Format man etwas macht. Es muss z.B. nicht immer ein Seminar sein. Egal welcher Jugendverband mit welchen Zielen es ist, es ist immer wichtig, dass es allen gut gefällt und dass sie weiter machen möchten.

5. Bei Treffen kann man Ideen und Vorschläge sammeln. Es gibt Unterstützung, dass sich die Jugendlichen selbst organisieren können, z.B. auch von KJRs und BJR.

6. Es kommen immer im Alltag unangenehme Sachen, Nachrichten und Probleme vor. Dann ist wichtig von den Leiter/-innen Unterstützung zu haben. Vielleicht kann auch der BJR helfen.

Klettern, diskutieren, zusammensein

Ich habe selbstständig im Oktober 2016 ein Seminar am Schliersee organisiert, obwohl ich da noch nicht im Vorstand war. Aber ich habe selbst beobachtet, wie wichtig und nützlich es ist, zu unterstützen. Das Seminar war über Bildung, Jugendarbeit und Asylverfahren, weil das Themen sind, die für viele interessant und wichtig sind. Es waren zwei Referent/-innen da: Anna, sie hat über Bildungsmöglichkeiten in Deutschland gesprochen und Ruzbeh vom Jugendmigrationsdienst der AWO. Gemeinsam mit Anna habe ich über Jugendarbeit gesprochen.

Ich bin mit der Beratung von Marianne zu Manina (Projektkoordinatorin Flüchtlinge werden Freunde beim BJR) gekommen und habe meine Idee gesagt, weil ich Unterstützung bei der Finanzierung brauchte und natürlich Beratung.

Es ist sehr wichtig, dass man als Mitglied im Jugendverband BJR und KJR kennenlernt, also die Strukturen der Jugendarbeit, um zu verstehen, was man dort bekommen kann und mehr Möglichkeiten zu haben. Das habe ich auch bei meinem Seminar vorgestellt.

Was die Schulen nicht anbieten können (manche), sind z.B. besondere Sportarten wie Klettern.

Dazu gab es im Sommer 2016 auch ein schönes Projekt. Eine Gruppe von jungen Leuten von heimaten-Jugend und eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen bayerischen Städten hat sich getroffen. Fünf Tage haben wir zusammen verbracht und waren klettern, das hat Ulli organisiert (von heimaten e.V.), wir haben gekocht und uns einfach kennengelernt. Was ich nie vergessen werde, ist was uns ein 12-jähriger Junge aus Deutschland gesagt hat. Nämlich, dass er anderen Leuten auch sagen will, dass man keine Angst haben soll vor Geflüchteten. Andere müssen das auch wissen, weil er es selber verstanden hat, weil er mit uns gelebt, gekocht und geredet hat.

Wünsche an die Jugendarbeit

Ich wünsche mir von der Jugendarbeit:

Das was wir in der Jugendarbeit entwickeln, weiter zu unterstützen. Also z.B. im Jugendleiterkurs und vielleicht Unterstützungen für Finanzierungen für Mitglieder und coole Ideen vorschlagen.

Als ein Zuwanderer will ich sagen, dass es in der Jugendarbeit, z.B. bei heimaten-Jugend viele Leute gibt, die viel Erfahrung haben und schon viele Projekte organisiert haben. Aber wenn dann jemand eine Ablehnung bekommt oder es so ein großes Problem gibt, dann ziehen sie sich zurück.

Probleme kann auch ein Jugendlicher aus Deutschland haben

Probleme kann auch ein Jugendlicher aus Deutschland haben, wenn es z.B. in der Familie oder in der Schule schwierig ist. Auch dann muss Jugendarbeit helfen, damit die Menschen da bleiben. Deswegen ist Jugendarbeit für alle Jugendlichen wichtig.

Die Erde hat Platz für alle

Von den Politikern wünsche ich mir, dass sie sich in uns (also Flüchtlinge) hineinversetzen und sich vorstellen, wie sich der Alltag hier anfühlt. Ich fühle mich nur bei meiner Schule und heimaten-Jugend wohl!! Warum fühle ich mich nur dort wohl und nicht in der ganzen Gesellschaft, z.B. auf der Straße oder im Café etc.? Ich weiß, dass es auch vielen anderen hier so geht. Die Erde ist nicht zu eng für alle!!

Unser Recht soll sein, dass wir weiter lernen können. Dass wir nicht nur eine Ausbildung machen dürfen, sondern auch weiter zur Schule oder Universität gehen (z.B. wenn man gute Noten hat oder einen Beruf lernen will, für den man studieren muss), ohne uns um unseren Aufenthalt Sorgen zu machen.

Als Geflüchteter brauche ich die Rechte wie ein Deutscher. Egal woher man kommt.

Unser Recht soll sein, dass wir weiter lernen können. Ich möchte weiter in die Schule gehen, lernen, studieren und heiraten. Das Leben in Deutschland will ich für mein Leben. Ich möchte auf alle Fälle meine Arbeitserlaubnis.

Vielleicht kann es auch noch mehr Unterstützung für unsere Vorstände geben, wie z.B. einen Preis für ihre Arbeit?  So dass sie einen guten Arbeitsplatz haben können und weitermachen.

Ich möchte auch noch weitere Leute reinbringen in heimaten-Jugend. Heimaten-Jugend ist ein Haus voll von Freundlichkeit, Spaß und guten Aktivitäten.

© Yasin Rahmati

Ich suche auch Kontakte zu Deutschen, die mit uns etwas unternehmen möchten. heimaten-Jugend ist offen für alle, nicht nur für Geflüchtete!!!