Die eigenen Privilegien checken

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Wer sich mit Jugendarbeit mit Geflüchteten auseinandersetzt, muss sich auch mit Rassismus beschäftigen. Anke Zimmermann, Projektmitarbeiterin von Flüchtlinge werden Freunde und Fachfrau im Bayerischen Jugendring für Bildungskonzepte gegen Rassismus und Diskriminierungen mit Schwerpunkt auf Flucht, gibt im Folgenden einen Einblick, warum es unerlässlich ist, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, wenn man im Themenfeld Flucht unterwegs ist.

Anstieg von Feindseligkeiten

Anfeindungen gegenüber geflüchteten Menschen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auch Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sehen sich häufig mit Hass oder gar Gewalt konfrontiert. Besonders auffällig ist derzeit im Diskurs zum Thema Flucht der antimuslimische Rassismus. Rassismus war und ist kein Randphänomen der Gesellschaft und ist auch alles andere als „ein Problem der Jugend“. Allerdings kann gerade die Jugendarbeit Lösungsansätze und -strategien aufzeigen, die übertragbar sind. Die Angebote der Jugendarbeit sprechen viele Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung an, für die es anderweitig kaum Beteiligungsmöglichkeiten gibt. In der Jugendarbeit erfahren diese Menschen, dass ihre Meinung zählt, dass sie ganz selbstverständlich dazugehören, mitgestalten dürfen – ein klarer Kontrapunkt zur Ungleichbehandlung, Abwertung und Perspektivlosigkeit in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Rassismuskritische Jugendarbeit

Gerade deshalb sind rassismuskritische Jugendarbeit und fortwährende Sensibilisierung für das Thema wichtig. Rassismuskritisch zu sein heißt immer, einen kritischen und klaren Blick für die eigenen Privilegien zu haben oder zu entwickeln. Nur dann wird deutlich, wo es nicht so weit her ist mit gleichberechtigter Teilhabe oder Chancengleichheit. Jugendarbeit kann sicher nicht für alle Probleme geeignete Lösungen liefern, aber sie kann eigene Konzepte und Ideen entwickeln und vor allem mit geeigneten Worten kritische Fragen stellen.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht. Sie heißt, eigene Denkmuster und Verhaltensweisen ebenso zu hinterfragen wie die eigene Sprache, denn Worte schaffen Realitäten. Welche abwertenden und diskriminierenden Bezeichnungen sind schon gefallen für Menschen mit Fluchterfahrungen? In den sozialen Netzwerken? Im öffentlichen Raum? Im Freundes- und Familienkreis?

Hartnäckig und wertschätzend bleiben

Das bleibt nicht ohne Folgen. Hier braucht es viele kleine Taten, etwa gezieltes Widersprechen, wenn menschenverachtend gesprochen wird, und Einstehen für einen wertschätzenden Umgang miteinander. Hier kann jede_r im eigenen Umfeld anfangen, die richtigen Worte zur richtigen Zeit finden und verbreiten. Wichtig ist auch der beständige Hinweis auf die vielen positiven Begebenheiten, auf positive Geschichten, die erzählt werden wollen und noch viel mehr erzählt werden müssen.