Dann spielen die plötzlich Schach miteinander

© SJR Coburg

Flüchtlinge werden Freunde gibt es seit 2015. Seitdem ist viel passiert, in der Jugendarbeit und in der Gesellschaft. Hier auf dem Blog sammeln wir die positiven Geschichten aus der Jugendarbeit mit Geflüchteten und machen weiter Mut, Freundschaften mit Menschen zu schließen, die es im Kaltland gerade besonders schwer haben. Wir beschreiben Beispiele aus der Jugendarbeit oder unterhalten uns mit Menschen, die hier gute Erfahrungen des Miteinanders gemacht haben. Etwa mit den Geschäftsführer_innen Oliver und Christine Völker des Stadtjugendrings Coburgs:

Warum braucht es Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Oliver Völker: Ich finde die Frage müsste heißen, braucht es Jugendarbeit?

Dieses Gesonderte gibt es bei uns nicht mehr, aber die Jugendarbeit ist so wichtig wie schon lange nicht mehr.

Dieses Gesonderte gibt es bei uns nicht mehr, aber die Jugendarbeit ist so wichtig wie schon lange nicht mehr. Jugendliche stehen heute ganz anderen Herausforderungen gegenüber, gerade in der Schule und dem damit verbundenen Leistungsdruck. Die Jugendarbeit kann hier eine echte Alternative sein, die wieder Raum für das Eigene schafft und die Jugendlichen auch einfach mal machen lässt.

Christine Völker: Ich finde Jugendarbeit muss für alle da sein, ob das jetzt junge Menschen mit Fluchterfahrung, Migrationshintergrund oder einer Behinderung sind. Die Gesellschaft wird vielfältiger und Jugendarbeit muss hier offen sein.

Vernetzen, vernetzen, vernetzen

 Der Markt der Möglichkeiten ist eines eurer Vorzeigeprojekte: wie habt ihr ihn vorbereitet?

Christine: Wer macht eigentlich was für Geflüchtete? Wo gibt es schon Angebote? Wer ist dafür ansprechbar etc. Das waren so die Fragen im Vorfeld, deswegen ging es erstmal um regionale und örtliche Vernetzungsarbeit. Wir haben mit der Stadt Coburg kooperiert, die Gemeinden im Landkreis angeschrieben und sie eingeladen mit ihren Neu-Bürger_innen teilzunehmen. Besonders wichtig war, dass wir Demokratie Leben und den Vorsitzenden des Sportverband Coburg mit im Planungsteam hatten. Der Austausch mit dem Bezirksjugendring Oberfranken, mit verschiedenen Gemeinden und Jugendringen, etwa Bamberg und Forchheim war für uns ebenfalls wichtig, um das Thema in den oberfränkischen Bereich zu streuen.

Oliver: Die Kontaktaufnahme mit den Unterkünften und den Geflüchteten in Coburg und Umgebung waren maßgeblich, um den Markt überhaupt bekannt zu machen. Da ging es darum zu informieren, dass die Geflüchteten eine Stunde vor Beginn des Marktes von Ehrenamtliche mit Bussen an ihren Unterkünften abgeholt wurden und darüber im Vorfeld auch informiert wurden. Wir waren also Wochen vorher in den Unterkünften aktiv, sind mit Ehrenamtlichen vor Ort, haben Flyer verteilt, um die Teilnahme für die Geflüchteten möglichst problemlos zu gestalten und Lust auf den Markt zu machen.

Christine: Beim Markt der Möglichkeiten sitzen plötzlich Leute zusammen, die haben sich nie vorher gesehen und spielen zusammen Schach. Das war besonders schön zu sehen, dass es sich so durchmischt hat und eben kein exklusiver Tag nur für Geflüchtete war, sondern ein Tag des Miteinanders.

Das Interview ist eine gekürzte Fassung eines Beitrages für die Dokumentation: Flüchtlinge werden Freunde, die vor. im November erscheinen wird.