Alle Artikel in: Fragen und Antworten

Was ist Antisemitismus?

Antisemitismus ist die Bezeichnung für die Feindschaft gegenüber Menschen jüdischen Glaubens und die Feindschaft gegenüber Menschen, die als Jüdinnen und Juden identifiziert werden. Antisemitismus tritt in unterschiedlichen Erscheinungsformen seit der Antike auf und erlebte seinen grausamen Höhepunkt im 20. Jahrhundert durch den millionenfachen Mord an Jüdinnen und Juden in der Diktatur des Nationalsozialismus. Oftmals zeigt sich Antisemitismus nur in verdeckter Form, getarnt als Israel-Kritik oder in diversen Weltverschwörungsideologien mit antisemitischem Hintergrund. Antisemitismus ist eine tragende Säule rechter Ideologien Der Begriff Antisemitismus bezeichnet heute alle historischen Erscheinungsformen der Judenfeindschaft, obwohl er ursprünglich erst um 1879 auftrat und eine neue Form einer rassistisch begründeten Ablehnung von Juden etablierte. Er funktioniert heute als politisches, ökonomisches, soziales und kulturelles Vorurteil auf Basis einer rassistischen Tradition. Antisemitismus ist auch eine der tragenden Säulen extrem rechter Ideologien, Bewegungen und Parteien auf der ganzen Welt. Es gibt antisemitische Vorurteile allerdings auch im Bereich des religiösen Extremismus. Weiterlesen: Was ist Rassismus.

Achtung Rassismus!

Wer Jugendarbeit mit Geflüchteten macht, kommt um die Beschäftigung mit Rassismus nicht herum. Sei es, weil Geflüchtete sich diskriminiert fühlen und ihr Herz bei Euch ausschütten. Sei es, weil ihr mit der Situation konfrontiert werdet,  unabsichtlich verletzend oder unterstellend zu sein. Und klar, es ist auch kein schönes Thema, vor allem weil sich das Erscheinungsbild von Rassismus verändert hat, quasi modern geworden ist. Wir kommen aber nicht drumrum Strukturen, Denkweisen und Handlungen zu überdenken, wenn wir Betroffenen helfen wollen. Es ist nicht was es ist Rassismus verneint die Gleichwertigkeit der Menschen. Er ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher „Rassen“ basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Dabei werden Gruppen von Menschen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe und wirken dabei als eine Form Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF). Rassismus legitimiert die eigene gesellschaftliche Machtposition Eine privilegierte Gruppe konstruiert ein „Wir“, das eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert.  Das „Wir“ hat die …

© BJR_Egloffstein

Was sind Klimaflüchtlinge?

Klimaflüchtlinge sind Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen, weil ihnen die Klimaveränderungen die Lebensgrundlage entzieht (z.B. Dürre, Überschwemmungen, Naturkatastrophen). Die Schätzungen, wie viele Menschen weltweit von dieser Situation betroffen sind, gehen weit auseinander. Das UNHCR (Flüchtlingskommission der UN) geht von 24 Millionen Menschen aus. Das Internationale Rote Kreuz spricht von 500 Millionen Betroffenen. Der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Deutschlands schätzt, dass bis heute ca. 25 bis 60 Millionen Menschen ihre Heimat wegen Klimaveränderungen verlassen mussten. Die Klimakommission der UN (UNFCCC) rechnet damit, dass bis 2050 rund 150 Millionen Menschen wegen klimatischer Veränderungen fliehen werden. Die Angaben und Schätzungen sind sehr unterschiedlich, da manchmal auch von Umwelflüchtlingen, Klimaflüchtlingen oder Katastrophenflüchtlingen gesprochen wird. Zudem gibt es mehrere direkte oder indirekte Gründe, die dazu führen, dass Menschen fliehen. Dass nur das Klima „schuld“ ist, bleibt schwierig nachzuweisen. Flucht ist immer global: Gleichzeitig schreitet der Klimawandel voran und führt dazu, dass immer mehr Menschen nicht mehr in ihrer Heimat leben können. Dass immer mehr Menschen zu uns kommen, hat aber auch etwas mit unserem Lebensstil zu tun und damit, …

Kreisdiagramm, das die drei Dimensionen von Diversity aufzeigt: innere, äußere, situationsbedingte

© Andrea Schmidt

Was bedeutet Diversity?

Die Begriffe Diversity, Diversität und Heterogenität werden oft überschneidend verwendet. Worin unterscheiden sie sich? – Hier werden die Konzepte voneinander unterschieden, wenn auch nicht abschließend definiert. Dabei ist allerdings immer auch darauf zu achten, in welchen Kontexten die Begriffe benutzt und mit welchen gedanklichen Schwerpunkten sie verbunden werden. „Diversity“ bedeutet im Englischen „Vielfalt“ oder „Verschiedenheit“. Der Diversity-Ansatz kommt aus der amerikanischen Wirtschaftsforschung und ist ursprünglich auf Unternehmenskultur bezogen. Im Deutschen wird Diversity meist mit einem umfassenden Konzept der Organisationsentwicklung in Verbindung gebracht. Es geht darin um die Anerkennung von Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und den wertschätzenden Umgang damit. Als Orientierung dazu, um welche Unterschiede es sich handelt, dient heutzutage das Diversity-Kreismodell „Four Layers of Diversity“ (“Vier Schichten von Diversity”) von Dr. A. Rowe und Dr. L. Gardenswartz. Diversity Management als Konzept der Unternehmensführung beschäftigt sich mit der Analyse von Strukturen, Personalprozessen und der Veränderung der Organisationskultur. Bestehende Verfahren, Regelungen und Richtlinien werden dabei im Hinblick auf ihre Angemessenheit und Durchlässigkeit für Mitarbeitende mit unterschiedlichen Voraussetzungen, Merkmalen und Talenten hin untersucht und gegebenenfalls angepasst. Ziel …

© Kommunale Jugendarbeit Straubing-Bogen

Aufwandsentschädigung für Geflüchtete?

Geflüchtete, die Leistungen nach § 2 des Asylbewerberleistungsgesetzes (AsylbLG) beziehen, können eine steuerfreie Aufwandsentschädigung gemäß § 3 Nr. 26 a des Einkommensteuergesetzes (EStG) erhalten. Auch hier gilt es, hinsichtlich der Anrechnung von Einkommen und Vermögen (§7 AsylbLG) das SGB XII entsprechend anzuwenden. Denn im § 82 SGB XII ist geregelt, dass derartige Bezüge oder Einnahmen bis zu einem Betrag von 200 € monatlich nicht als Einkommen zu berücksichtigen sind. Das bedeutet, auch Geflüchtete können Aufwandsentschädigungen in diesem Rahmen erhalten und den durch ehrenamtliche Tätigkeit erworbenen Betrag bis zu 200 Euro behalten. Fazit: Beträge bis zu 200 Euro monatlich werden nicht auf das Einkommen oder die Sozialleistungen angerechnet und stehen auch jungen Geflüchteten zu.

Führungszeugnis für junge Geflüchtete?

  Im Hinblick auf erweiterte Führungszeugnisse ist klarzustellen, dass für Geflüchtete keine erweiterten Führungszeugnisse angefordert werden können. Die Voraussetzungen des § 72a SGB VIII können damit gar nicht erfüllt werden. Einige Verbände lassen sich, wenn die jungen Flüchtlinge z.B. ehrenamtlich im Verband tätig sind, Selbstverpflichtungserklärungen unterzeichnen. Die Geflüchteten bestätigen damit, dass keine Vorstrafen vorliegen und verpflichten sich dazu, den Träger/die Einrichtung zu informieren, wenn Verfahren anstehen.

© Foto | BJR Bildredaktion Mellon

Was heißt eigentlich Schutzquote?

Die Schutzquote wird mit einer Prozentzahl angegeben. Sie errechnet sich aus der Anzahl an Anerkennungen des Flüchtlingsstatus, der Asylberechtigung (oder eines subsidiären Schutzstatus) und wird ins Verhältnis zu allen gestellten Asylanträgen gestellt. Die Schutzquote wird für die Gesamtzahl aller Anträge aus allen Herkunftsländern errechnet sowie für einzelne Herkunftsstaaten. Diese Zahl ist für das Bundesministerum für Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausschlaggebend, um die Herkunftsländer mit guter Bleibeperspektive und mit schlechter Bleibeperspektive zu bestimmen.

Was ist eine Projektregion?

Unter Projektregion werden im Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ die Jugendringe und –verbände verstanden, mit denen eng zusammengearbeitet wird. Sie gestalten vor Ort Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten. Projektregion kann ein einzelner Kreis- oder Stadtjugendring (wie z.B. in Coburg, Regensburg oder München-Land) sein, oder ein Zusammenschluss von mehreren Jugendringen (z.B. SJR Straubing und SJR Straubing-Bogen), oder auch von Jugendringen und Jugendverbänden (z.B. in Unterfranken: BezJR Unterfranken, BDKJ, ELJ, SJR Schweinfurt). In jedem bayerischen Regierungsbezirk gibt es eine solche Projektregion. Hier geht es zur Auflistung der Projektregionen.

Versicherung kein Thema?

Sind jugendliche Flüchtlinge versichert, wenn sie an Angeboten der Jugendarbeit teilnehmen? Ja. Für alle Aktivitäten der Jugendringe gilt der bestehende Versicherungsschutz. Für die bayerischen Stadt-, Kreis- und Bezirksjugendringe gilt also das Rahmenpaket des BJR und zwar unabhängig davon, welche Personengruppen an den Maßnahmen teilnehmen. Damit sind Flüchtlinge im Versicherungsschutz einbezogen und zwar zu den gleichen Konditionen wie alle anderen Teilnehmer/-innen. Anders gestaltet sich das Thema „Versicherung“  bei den Jugendverbänden. Hier ist entscheidend, wie deren Versicherungsbedingungen lauten. Sie müssen im Einzelfall überprüft werden. Einige Jugendverbände sind hier schon aktiv geworden, so hat etwa der Bayerische Landes-Sportverband (BLSV) eine spezielle Sportversicherung geschaffen, die für alle  Mitgliedsvereine des BLSV gilt. Abgedeckt sind etwa Unfall- und Haftpflichtschäden im Rahmen der aktuellen Sportversicherung. Damit sind Flüchtlinge, die  Sportangebote wahrnehmen, versichert. Nachzulesen ist die „Sportversicherung für Flüchtlinge“ in der Pressemitteilung des BLSV.

© Foto | Hermandad CC BY 2.0

Unbegleitet, begleitet?

In der öffentlichen Wahrnehmung sind die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge im Fokus der Aufmerksamkeit. Doch diese machen nur acht bis zehn Prozent der Gesamtzahl der Jugendlichen und Kinder aus, die nach Bayern flüchten. Das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ des BJR beschäftigt sich mit beiden Gruppen. Schließlich sind alle jungen Flüchtlinge erstmal Kinder und Jugendliche und damit, nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz, ebenso Zielgruppe der Jugendarbeit.