Alle Artikel in: Aus der Jugendarbeit

© DITIB Jugend

Ein Bild sagt mehr…

Ein Schnappschuss hat immer etwas Flüchtiges, Spontanes. Oft fängt er einen sehr persönlichen Moment ein. Der DITIB Landesjugendverband Südbayern (zuständig für die Bezirke Oberbayern, Niederbayern und Schwaben) hat mit einem Fotowettbewerb zur Arbeit mit jungen Geflüchteten solche besonderen Momente gesammelt. Denn in vielen Gemeinden engagieren sich Jugendgruppen des Verbands regelmäßig für geflüchtete Jugendliche. Sie besuchen Wohnheime oder Erstaufnahmeeinrichtungen und verbringen dort Zeit mit den Altersgenossen. Sie spielen zusammen,  begehen während des Ramadans mit ihnen das abendliche Fastenbrechen und bringen gute Laune, Freude, Offenheit vorbei. Eigentlich keine große Sache, nichts, was man groß bewerben und dokumentieren würde. Oder? Doch! Das dachte sich der Landesverband Südbayern und rief dazu auf, genau diese Momente im Bild einzufangen. 32 Fotos von Jugendgruppen gingen daraufhin ein; die Gruppen, von denen die drei Siegerfotos stammen, wurden Ende Mai im Rahmen des großen Fastenbrechens der DITIB Südbayern geehrt. Am Fastenbrechen der Islamischen Religionsgemeinschaft DITIB Südbayern, dem Erwachsenenverband und der DITIB Jugend Bayern wurde im Beisein zahlreicher Gäste (Konsulare verschiedener Nationen, Politiker/-innen, Vertreter/-innen der Kirchen und weitere Ehrengäste)  die Flüchtlingsarbeit geehrt. Es waren …

© Sella Design

Neun Jahre Ungewissheit

Mein Name ist Arbion Gashi. Ich bin 22 Jahre alt, studiere „Philosophy and Economics“ an der Universität Bayreuth und bin seit über zwei Jahren der Vorsitzende der Kommission Integration und Interkulturelle Arbeit des Bayerischen Jugendrings. Und ich bin ein Geflüchteter. Aber der Reihe nach. Hier möchte ich versuchen, einen Teil meiner Geschichte zu erzählen und dabei auch über die Jugendarbeit sprechen, die mich seit langem geprägt hat und das bis heute tut. Auf die Jugendarbeit und ihre Rolle komme ich im zweiten Teil zu sprechen, weil ich hier nun einen Einblick in mein Leben als Geflüchteter geben möchte. Flucht aus dem Kosovo Ich wurde im September 1994 in Pristina, der Hauptstadt des Kosovo geboren. Mit einem Jahr verlor ich meinen Vater. Drei Jahre später, 1998, mussten meine Mutter und ich aus unserer Heimat, dem Kosovo, fliehen. Grund dafür war der sich anbahnende Krieg, dem langjährige Konflikte zwischen ethnischen Serben und Albanern im Balkan vorausgegangen waren. Als albanische Minderheit, im damals noch zum jugoslawischen Serbien gehörenden Kosovo, waren wir direkt bedroht. Wir flohen nach Deutschland, dem …

Drei Blüten vor blauem Himmel

Wir sind alle vielfältig – deal with it!

Jede/r von uns ist anders, hat unterschiedliche Erfahrungen, Hintergründe, Vorlieben und Bedürfnisse. Diese Vielfalt ist es, die uns alle eint. Schließlich haben wir alle Träume, brauchen Sicherheit, Akzeptanz, Liebe und möchten uns entwickeln. Unser Fokus ist jedoch (zu) oft auf die Unterschiede gerichtet – mit einer destruktiven Wirkung. Eine Alternative dazu bietet der Diversity-Ansatz. Elisa Skowron, Referentin Diversity und Projektbetreuung „Flüchtlinge werden Freunde“ des Kreisjugendrings München-Land hat ein Plädoyer verfasst, das aufzeigt, warum es unabdingbar ist, sich mit Diversity auseinanderzusetzen. Warum soll ich mich mit Diversity beschäftigen? Es geht auch ohne! Ja, natürlich geht es ohne den Diversity-Ansatz. Man muss sich dann aber die Frage stellen, welche Gruppen von Jugendlichen oder Kindern schließe ich dadurch aus? Wie professionell ist dann meine Arbeit? Trage ich dadurch ungewollt und unbewusst zur strukturellen Diskriminierung bei? Gesellschaftliche Vielfalt ist da – deal with it Alle Kinder und Jugendlichen sind einzigartig, sie unterscheiden sich durch ihr Aussehen, ihr biologisches und soziales Geschlecht, ihre physischen, psychischen und geistigen Fähigkeiten, ihre sexuelle Orientierung, ihre Herkunft und Sprache, ihre kulturellen und religiösen Wurzeln, …

Julia Zimmermann, Jugendzentrum Weiden

© Julia Zimmermann

Abschiebung oder Integration?

Julia Zimmermann, Mitarbeiterin im Jugendzentrum Weiden, beschreibt, was die Angst vor Abschiebung konkret für die Jugendarbeit mit Geflüchteten bedeutet und welche Herausforderung diese Umstände auch für die eigene Glaubwürdigkeit darstellen. Bereits auf der NEU:DENK2017 hat Julia ihre Stimme für junge Geflüchtete erhoben. Wir sind dazu aufgerufen, die jungen Menschen Teil unseres Alltags werden zu lassen „Die Jungs in meiner Klasse geben seit einem, eineinhalb, zwei Jahren ihr Bestes. Um hier Fuß fassen zu können. Um nicht mehr auf Hilfe angewiesen zu sein, sondern um ihr Leben selbstbestimmt und in Eigenverantwortung führen zu können. Und auf einmal geht das nicht mehr. Weil sie keine Ausbildung machen dürfen. Keine Genehmigung dafür bekommen, eine Vollzeitstelle anzunehmen. Abgeschoben werden sollen.“ Dies sind die Worte einer Lehrerin aus Neustadt über ihre Schüler bei einer Kundgebung am 2. Juni 2017. Allesamt kommen sie aus Ländern, in denen Krieg, Terror, Angst und Tod herrschen. Eines dieser Länder ist Afghanistan. Aus diesem Land kommt Karim. Seit zwei  Jahren lebt er hier in Weiden und hat hier ein Zuhause gefunden. Doch jetzt soll auch …

© Förderverein Albert-Schweitzer-Schule Weiden

Gesehen: Bufdi(s) in der Bayerischen Sportjugend

Die Bayerische Sportjugend hat früh junge Geflüchtete in ihre Sportangebote eingebunden und damit einen wichtigen Grundstein zur Integration gelegt. Jetzt hat sie auch den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug , eine Initiative der Bundesregierung, umgesetzt. Finn Delius, persönlich begeisterter Bufdi der Bayerischen Sportjugend schildert seine persönlichen Erfahrungen des Jahres 2016. Ein Jahr Bufdi in der Bayerischen Sportjugend Knapp über ein Jahr ist es her, dass die Bayerische Sportjugend den Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BFDmF) einführte. Nicht nur für mich war es ein Jahr voller Erlebnisse und prägender Erfahrungen, die ich durch meine soziale Arbeit mit Flüchtlingen sammeln durfte. 27 Freiwillige werden momentan für die Zusammenarbeit mit Flüchtlingen in verschiedensten Sportvereinen in ganz Bayern eingesetzt. Neben vielerlei sportlichen Aktivitäten stehen bei der Arbeit mit den Flüchtlingen Sprachkurse, Hausaufgabenbetreuung oder die Begleitung beim Einkaufen und Behördengängen im Mittelpunkt. Ziel ist es, den Geflüchteten eine Stütze zu bieten und sie bei ihren ersten Schritten durch den Zusammenhalt und die Gemeinschaft eines Vereins zu stärken. Sport macht Spaß und ist gesund Seit Mitte Januar 2016 betreue ich nun junge Erwachsene beim Kooperationspartner …

Burgkirchen und Burghausen fahren nach Berlin

Unterwegs in Berlin waren vom 29. Oktober bis 4. November 2016 19 Jugendliche und junge Geflüchtete aus Burgkirchen und Burghausen.  Hannes Schwankner, Dipl. Sozialpädagoge vom Jugendbüro Burghausen hat die Bildungsfahrt organisiert und war mit vor Ort. Ziel dieser Fahrt war zum einen, die bundesdeutsche Hauptstadt kennenzulernen, zum anderen, durch gemeinsame Aktivitäten gelebte Integration von Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft unter besonderen Bedingungen zu praktizieren. Berlin bot sich dabei für die 19 Jugendlichen und fünf Betreuer/-innen wie ein Geschichtsbuch zum Durchblättern und Lesen an: Berlin – damals und heute, politisch, sozial und kulturell mit den Epochen 1933-1945, 1945-1989, 1989 bis 2016. Auf dem Programm standen dabei das Brandenburger Tor, die KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen („Wie können Menschen anderen Menschen nur so etwas Grausames antun?“, fragte Noori, ein 18jähriger Jugendlicher aus Afghanistan, „auch in meinem Land passiert Schreckliches durch Taliban-Terror, aber solche Lager gab es bei uns nicht!“),  das geplante interreligiöse Berliner „House of One“ für drei monotheistische Religionen – Christentum, Judentum und Islam –, das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnisses Hohenschönhausen, der Tränenpalast, Berlin-Kreuzberg, ein Moscheebesuch, Bundestag, Bundesrat und Bundeskanzleramt sowie zum Abschluss …

© KJR München-Stadt

Just Dance! Angebote für die Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten

Oft sind es Einrichtungen der OKJA– der Offenen Kinder- und Jugendarbeit, also etwa Jugendzentren,Jugendclubs, Jugendhäuser oder mobile Angebote, die junge Geflüchtete zuerst erreichen. Die LOK-Arrival ist eine Freizeitstätte in der Bayernkaserne in München, die sich explizit an geflüchtete Kinder und Jugendliche richtet.  Ihre Erfahrungen hat Jennifer Sykora, Leiterin der LOK-Arrival,  in einer  Arbeitshilfe zur Arbeit mit jungen Geflüchteten in der OKJA zur Verfügung gestellt. Bestimmte Tipps haben wir nochmals rausgezogen, weil sie uns besonders wertvoll in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten erscheinen: Was für Angebote eignen sich? Was gilt es zu beachten? Das Wichtigste ist es, die geflüchteten Personen als Expert/-innen selbst miteinzubeziehen, welche Angebote sie sinnvoll finden. Angebote um den Arbeitsmarkt zu öffnen, eignen sich hervorragend: z.B. Wie schreibe ich einen Lebenslauf, Bewerbungstraining etc. Mit begleiteten Kindern und Jugendlichen aus städtischen Unterbringungen lassen sich auch längerfristige und inhaltlich aufeinander aufbauende Projekte planen. Falls personell möglich, die geflüchteten Jugendlichen direkt in der Unterbringung abholen. Hierbei empfiehlt es sich mit visuellem Anschauungsmaterial (z.B. Plakat mit den wichtigsten Angeboten der jeweiligen Freizeitstätte) den Jugendlichen aufzuzeigen, was sie …

Hilfe Haltung Handwerkszeug

Gerade in der Arbeit mit jungen Geflüchteten ist eine Qualifizierung der Fachkräfte und der Ehrenamtlichen ein großes Thema. Ein Thema, dem sich die Jugendbildungsstätte Unterfranken  mit ihrem Programm „Hilfe, Haltung, Handwerkszeug“ widmet.  Die Qualifizierungsreihe arbeitet mit dem Expertenpool Fluchtperspektive zusammen, so dass in der Regel Geflüchtete die Angebote schulen. In Modulen werden in jeweils drei Stunden verschiedene Aspekte der Arbeit mit jungen Geflüchteten adressiert. So geht es zum Beispiel um das Thema Kultur, das immer wieder als Referenzpunkt in der Arbeit mit jungen Geflüchteten auftaucht, aber nur ein Teilaspekt von dem widerspiegelt, was Mensch-Sein, Unterschiede und Miteinander ausmachen. Im Modul Kultur geht es also darum, dass wir alle Prägungen haben und dass Differenz oder Unterschiede uns vor Herausforderungen stellen, aber längst nicht unüberwindbar sind. Die anderen Module bearbeiten die Themen Verständigung, Religion und Integration. Ergänzt wird der Themenkomplex  von einer mobilen Beratung. Das kostenlose Angebot von „Hilfe, Haltung, Handwerkszeug“ kann im Raum Unterfranken von Fachkräften der Jugendarbeit und Ehrenamtlichen aus der Arbeit mit geflüchteten Jugendlichen wahrgenommen werden.  

Bildungschancen für junge Geflüchtete

160 Personen nutzten die Chance, sich über Ausbildungs- und Bildungschancen für junge Geflüchtete zu informieren. Veranstaltet wurde der Abend von der Jugendinfo tip. Zielgruppe waren Personen, die ehrenamtlich oder hauptberuflich mit jungen Geflüchteten (bis 26 Jahre) arbeiten, sowie junge Geflüchtete. Die Veranstaltung wurde vom Stadtjugendring Augsburg organisiert, einer Projektregion von Flüchtlinge werden Freunde. Einen guten Job zu finden, in dem man aufgeht, der einem Freude bereitet und der relevant dafür ist, seinen Lebensunterhalt einmal selbstständig bestreiten zu können, ist ein Lebensziel, welches wohl jede/r von uns kennt und erreichen will. Chancen und Möglichkeiten Doch welche Chancen und Möglichkeiten haben junge Geflüchtete in Bayern eine Ausbildung zu erhalten und diesem Lebensziel ein Stück weit näher zu kommen? An welche Einrichtungen und Projekte können sie sich wenden, um Unterstützung beim Zugang zu Sprachförderung, Ausbildung und Studium zu erhalten? Der Informationsabend „Bildungschancen für junge Geflüchtete“, der am Dienstag, den 07.03.2017, in der Stadtbücherei-Zentrale Augsburg von der tip-Jugendinformation des Stadtjugendring Augsburg in Kooperation mit Tür an Tür e.V. im netzwerk4A veranstaltet wurde, sollte zur Beantwortung dieser Fragen einen ersten …

Mehr Austausch gewünscht

Grenzenlos ist eine offene Jugendgruppe der djo-Deutsche Jugend in Europa  für geflüchtete junge Menschen, die in Lindau am Bodensee ihr neues Zuhause gefunden haben. Den Namen haben sich die Jugendlichen selbst überlegt.  Er steht dafür, dass man durch Gemeinschaft Grenzen überwinden kann. Bevor 2015 sehr viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, gab es kaum ehrenamtliche Initiativen in diesem Bereich. Daher hatten die Jugendlichen nur wenige Freizeitmöglichkeiten in Lindau am Bodensee. Einige junge Studentinnen, die sich in der dortigen Flüchtlingshilfe engagierten, gründeten 2012 die djo Jugendgruppe „Grenzenlos“. Heute setzt sie sich verstärkt für die Möglichkeit der gesellschaftlichen Teilhabe der Jugendlichen ein. Gemeinsam lernen und lachen Als 2015 viele Jugendliche zu uns nach Deutschland fanden, von denen viele ohne ihre Eltern unterwegs waren, kamen zahlreiche offene, motivierte und lebensfrohe junge Menschen, die die Gruppe zu dem machten, was sie heute ist: ein Rahmen, in dem alle Mitglieder sie selbst sein und ihre Kultur ausleben können. Es wird gemeinsam gelernt, gelacht und diskutiert. Es entstehen Ideen für neue Projekte. Im Laufe der Zeit haben die Mitglieder gewechselt, da sich …