Alle Artikel in: Aus dem Bayerischen Jugendring

Worte schaffen Wirklichkeit

Die Delegierten der 152. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings forderten einen Perspektivwechsel in der Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und machten sich stark für die gesellschaftliche Teilhabe von jungen Geflüchteten. Wir haben hier nochmal wichtige Zitate aus dem Beschluss „Für ein Klima der Menschenfreundlichkeit“ gelistet. Der ganze Beschluss zum Nachlesen.  Wir wollen nicht mehr von Problemen sprechen, sondern von Herausforderungen, die es zu meistern gilt, und von Chancen, die wir gestalten können. Wir wollen keine Debatten mehr darüber ob wir uns eine vielfältige Gesellschaft leisten können. Sie ist Realität und muss als solche anerkannt werden. Worte schaffen Wirklichkeiten. Deshalb wollen wir, dass die Worte genutzt werden, die die Wirklichkeit schaffen, in der wir leben wollen. Und die Mut machen, diese auch zu gestalten. Solange Politik weiterhin Sprachbilder produziert, die von negativen Stereotypen und Ausgrenzung geprägt sind und diese Haltung in Gesetze gießt, hat Gesellschaft keine Chance, anders zu sprechen. Wir fordern, dass die Verwendung der Begriffe „gute Bleibeperspektive“ und „schlechte Bleibeperspektive“ aufgegeben wird. Wir fordern, die Einstufung von Ländern als „sichere Herkunftsstaaten“ aufzugeben. Wir fordern, dass …

Unser Problem heißt Alltagsrassismus

Anke ist direkt,  sehr engagiert, auch mal zornig und vor allem taff.  Und das muss sie auch sein. Denn seit 2018 ist Anke für Flüchtlinge werden Freunde für den Bayerischen Jugendring aktiv und berät die Jugendarbeit zum Thema Rassismus. Besonderes Merkmal: Anke pendelt täglich und hat in der Bahn immer einen Platz dank Klapp-Campingstuhl. Hier unterhalten wir uns über Möglichkeiten antirassistischer Jugendarbeit, ihre Wünsche für das Jahr 2018 und warum wir mehr positives Storytelling brauchen. Warum braucht es rassismuskritische Jugendarbeit? Rassismus ist kein Randphänomen unserer Gesellschaft. Und es ist auch kein Problem der Jugend. Aber Jugendarbeit kann Lösungsansätze und -strategien bieten, die übertragbar sind. Das macht rassismuskritische Jugendarbeit und eine fortwährende Sensibilisierung für das Thema so wichtig. Dabei sind wir erst am Anfang. Gesamtgesellschaftlich läuft es gerade wirklich mies, ich glaube aber, dass wir mit der Jugendarbeit am richtigen Punkt anknüpfen können, weil wir schon einiges richtig machen und weil wir das Potential haben Leute da abzuholen, wo sie andere nicht abholen können. Was macht die Jugendarbeit denn richtig? Schon eine ganze Menge, etwa indem …

Von einer, die auszog, Fragen zu stellen

Lea ist Referentin für Europäische Jugendpolitik im Bayerischen Jugendring und pendelt zwischen München und Brüssel. Sie hat in Brüssel das Europabüro des BJR aufgebaut, das u.a. jugendpolitische Interessenvertretung zum Ziel hat,  europäische Politik beobachtet und darüber berichtet. Klar ist, wer auf europäischer Ebene aktiv ist, kommt um die Themen Flucht und Asly nicht umhin oder besser geschrieben, hat schnell eine dezidierte Meinung dazu. Leas Meinung und Einschätzung gibt es hier im Interview: Wo begegnen Dir die Themen Flucht und Asyl? 2015 habe ich in Brüssel für den BJR angefangen  und unser Europabüro aufgebaut. Seitdem begegnet mir das Thema unablässig. Da ich selbst Projekte mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten gemacht habe, war und ist mir das Thema sehr bewusst. Ich fragte die Brüssler_innen in Parlament und Kommission direkt:“Wie wollt ihr junge Geflüchtete schützen und was können wir auf Europaebene für Sie tun?“ „Oh Lea, that´s a good question“ „Oh Lea, that´s a good question – but it´s not on the radar right now.” Erst wurden Lösungen im Bereich der Migrationspolitik verhandelt, dann festgestellt, dass die Umverteilung in …

© BJR_Egloffstein

Im interkulturellen Schrebergarten

Drei Jahre Flüchtlinge werden Freunde, das sind drei Jahre Jugendarbeit mit Geflüchteten. Jahre, in denen das Thema Flucht und alles was damit zusammenhängt auch die Mitarbeiter_innen des Bayerischen Jugendrings (BJR) beschäftigt hat und weiter beschäftigen wird. Denn Menschen, die fliehen sind ein gesellschaftliches Thema, das somit auch die Jugendarbeit in ihrer Ganzheit betrifft. Und genau das wollen wir zeigen,  indem wir mit  Menschen sprechen, die für zentrale Themen der bayerischen Jugendarbeit stehen. Zum Beispiel mit Jan, der den Themenkomplex Ökologie und Nachhaltigkeit im BJR vorwärts bringt. Wo begegnet Dir das Themenfeld Flucht und Asyl? In der Umweltbildung ist das Thema relativ früh aufgetaucht, spätestens als geflüchtete Menschen im Sommer 2015 bei uns in München am Bahnhof angekommen sind. Die sind dann als vermeintlich neue Zielgruppe in den Fokus der Jugendarbeit und auch der Umweltbildung geraten. Vermeintlich, weil es ja überwiegend nur neue Menschen waren, die aber mit Methoden der Jugendarbeit gut zu erreichen sind. Vermeintlich, weil es ja überwiegend nur neue Menschen waren, die aber mit Methoden der Jugendarbeit gut zu erreichen sind. Die Methoden …

Durch den inneren Wald in die Klarheit

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen) sind „Expert_innen in eigener Sache“. Weil sie wissen wie es sich anfühlt fremd zu sein und weil sie wissen wie man Brücken baut. Osama Albernawi lebt mit seinen Eltern und Geschwistern in Würzburg und studiert Physik. Die eigenen Grenzen kennen Unsere Werte bestimmen oft unsere persönlichen Grenzen. Meine Werte führen dazu, dass ich manche Grenzen ungern überschreite. Eine dieser Grenzen ist für mich, »Nein« zu sagen. Es geht mir einfach gegen den Strich, eine Bitte von einem Freund abzulehnen! Freunde sind immer füreinander da! Und somit überschreite ich meine Grenzen bzw. übersehe ich sie und vor allem übersehe ich meine Bedürfnisse. Es ist mir auch ein großes Anliegen, dass ich andere nicht enttäusche, obwohl ich weiß, dass mein »Nein« gar nicht immer als Enttäuschung betrachtet wird. Durch die Erfahrungen in der Summer School »JugendintegrationsbegleiterInnen« bin ich jetzt doch einbisschen anders geworden. Ich habe durch unterschiedliche Erfahrungen das »Neinsagen« gelernt. Ich habe durch unterschiedliche Erfahrungen das »Neinsagen« gelernt. Dort haben wir mit anderen an einem Projekt gearbeitet. Es war für mich sehr wichtig, …

Nutzt eure Macht!

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen), Begleiter_innen und Berater_innen für die Jugendarbeit sind „Expert_innen in eigener Sache“. So wie Moheeb Maktabi. Er ist seit zwei Jahren in Deutschland und studiert Informatik in Würzburg. Eigentlich wollte ich mit einem Studentenvisum nach Deutschland kommen, aber das ist abgelehnt worden. Deswegen musste ich nach Deutschland fliehen. Ich kann nicht verstehen, warum der Pass über die Chancen einer Person bestimmt. Was ist anders hier? Die Familienbeziehungen sind hier in Deutschland anders als in Syrien. Ich bin kein großer Familienfan, aber in Syrien sieht sich die Familie häufig, oft jede Woche. Man verbringt den ganzen Abend gemeinsam im Restaurant, raucht Shisha, wer Alkohol trinkt, trinkt Alkohol. Man verbringt den ganzen Abend gemeinsam. Das ist hier anders. Freunde in Syrien zu sein, bedeutet »brotherhood« (Brüderschaft). Bei uns gibt es keine Grenzen im Umgang unter Freunden. Was können wir voneinander lernen? Bei Fehlern der Mächtigen nicht zu schweigen! Und wenigstens zu versuchen aufzustehen und dagegen vorzugehen. Auch wenn es nicht klappt. Es wenigstens versuchen und nicht schweigen. Schweigen ist Gold – aber nicht in diesem …

Ich vermisse den Frieden

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen),  Begleiter_innen und Berater_innen für die Jugendarbeit. Sie sind „Expert_innen in eigener Sache“.  So wie Basel Asideh. Hier erzählt er über seine Erfahrungen. Als ich neu in Deutschland angekommen bin, hat sich die Kultur für mich wie ein Buch geöffnet. In jeder Lebensphase meiner Zeit hier konnte ich ein neues Kapitel dieses Buchs lesen und auch etwas Neues lernen. Bei jedem neuen Schritt, den ich gemacht habe, haben mich so viele tolle Menschen begleitet. Ich habe gelernt, wenn man offen ist, kommen genau die Menschen in dein Leben, die du in jenem Moment brauchst. Mit wem arbeitest du am liebsten? Ich liebe meine Arbeit und ich helfe Menschen gerne. Ich kann nicht sagen, ob ich mit Kindern, Jugendlichen oder älteren Menschen am liebsten arbeite. Ich kann mich einfach sehr gut mit anderen identifizieren unabhängig von Alter, Geschlecht, Religion oder Kultur. Wenn ich arbeite, gebe ich einfach viel Liebe; also Wertschätzung, Anerkennung und Leidenschaft. Das braucht aus meiner Sicht jeder. Was können wir voneinander lernen? Was mir in der deutschen Gesellschaft manchmal fehlt, ist …

Wir sind was wir tun…

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen), das sind eure Begleiter_innen für die Jugendarbeit. Denn sie sind  „Expert_innen in eigener Sache“. Weil sie wissen wie es sich anfühlt fremd zu sein und weil sie wissen wie man Brücken baut. Mohamed Dweidary ist einer von ihnen. Er ist 25 Jahre alt, hat in Syrien Jura studiert und bereitet sich momentan auf sein Studium in Deutschland vor. Mit wem arbeitest du am liebsten? Am liebsten arbeite ich mit Menschen, die ebenfalls migriert sind. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen können sie schneller und besser Verständnis für unsere Situation aufbauen. Was können wir voneinander lernen? Geduld! Alles braucht Zeit. Achtung vor Stereotypen! Nicht alle Deutschen sind … , nicht alle Geflüchteten sind … . Nicht alle Deutschen sind … , nicht alle Geflüchteten sind … . Es ist wichtig, andere Meinungen zu respektieren und zu akzeptieren. Und was religiöse Ansichten betrifft: Man sollte immer offen und verständnisvoll sein, damit wir uns nicht falsch verstehen. Ich mache die Dinge hier anders als in Syrien. Ich passe mich an die Situation an. An Deutschland schätze ich …

© Foto | Michaela Morosini

Rap & Lederhosen: die Refugee Rap Squad

Sie waren die Ersten auf der Bühne des Mitanand Open Airs. Die vier Jungs rappen auf Deutsch, Englisch, Wolof (Senegalesisch) und Französisch. In ihren Texten sprechen sie über das Warten auf Asyl, ihre Fluchterfahrung und ihre neue bayerischer Heimat. Die juna # 4.17 hat sich mit dem Thema Freiheit beschäftigt und die Refugee Rap Squad um ein Interview gebeten. Yaser, Ousmane (Laouzz), Timo und Bakr (DJ Baxter) sind ein Kollektiv geflüchteter Jugendlicher, die gerne Musik machen, und bilden zusammen das Refugee Rap Squad. Gerade haben die vier ihr erstes offizielles Musikvideo „Chill – kein Asyl“ veröffentlicht. Die Lederhosen und die Almlandschaft darin sollen auch symbolisieren, wie sehr sich die geflüchteten Freunde in ihrer neuen Heimat schon integriert fühlen. Und alles dafür tun, um in Deutschland bleiben zu dürfen –denn manchen von ihnen droht die Abschiebung. Yaser, Ousmane, Timo und Bakr, wie habt ihr euch kennengelernt? TIMO: Das war vor etwa drei Jahren bei einem Hip-Hop-Workshop an der Berufsschule in Kelheim, also Bakr, Ousmane und ich. Yaser kenne ich auch ungefähr so lange aus München. Dort …

© BJR | Frank Röthel

Wir waren Mitanand

Friedlich, bunt, mitanand – das war das  Mitanand Open Air am 9. September beim Jugendhaus Karlsfeld. Vor und hinter den Kulissen dieses ersten Festivals des Bayerischen Jugendrings war dieses Miteinander geprägt von gut gelaunter Offenheit und dem Spaß an der Begegnung. Miteinander reden, nicht übereinander Ein Zeichen für Integration und Offenheit, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wollte der BJR mit dem Mitanand setzen. Anerkennen und sichtbar machen, dass junge Geflüchtete längst bei uns angekommen sind, in der Jugendarbeit und in Bayern. Zeigen, was Jugendarbeit mit Geflüchteten alles leistet. Mit einem starken Gemeinschaftserlebnis Lust machen, weiterzugehen auf diesem Weg, der nicht immer eben ist und der vielleicht auch den einen oder anderen Frust bereit hält. Heraus kam eine Party, bei der das Vergnügen am Miteinander in der Luft lag. Bis spät in die Nacht. Mitanand Open Air am 9.9.2017 in Karlsfeld from Bayerischer Jugendring on Vimeo.   Unser riesengroßer Dank gilt …den vielen Helferinnen und Helfern, ohne deren Einsatz das Mitanand niemals möglich gewesen wäre, …den 19 Jugendorganisationen, die mit ihren Angeboten ganz viel Lebendigkeit und Miteinander …