Alle Artikel in: Aus dem Bayerischen Jugendring

Flüchtlinge sind Freunde

Vernetzungsveranstaltung am 15. März in der Luise Flüchtlinge sind Freunde; der Name ist Programm. Ein ganzer Tag, um sich zu vernetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen, die letzen Jahren Revue passieren zu lassen und sich über Praxis und Erfahrungen aus der Jugendarbeit mit Geflüchteten  auszutauschen. Die Projektregionen stellen an diesem Tag ihre Lieblingsprojekte bzw. Best-Practice vor. Ergänzt wird das Angebot durch Impulsvorträge und Beratungsangebote in den Bereichen Fördermittel, Rassismus und Sichtweisen von jungen Geflüchteten. Hier ist auch Raum, die eigenen Themen vorzustellen und sich mit anderen Teilnehmer_innen auszutauschen. Auszug aus dem Programm: 11:00 Uhr: Ankommen, gemeinsamer Imbiss 12:00 Uhr: Begrüßung und Impulsvorträge: Jugendpolitik und Flucht Ilona Schuhmacher, Mitglied des Landesvorstands des BJR Flucht ist jung, Manina Ott Projektkoordinatorin Flüchtlinge werden Freunde 13:00 Uhr Praxisgespräch 1 (Projektregionen) 14:30 Uhr Open Stage Teilnehmer_innen stellen sich und ihre Themen vor 15.15 Uhr Praxisgespräche Projektregionen 17.15 Uhr Erkenntnisse des Tages 17.30 Uhr Imbiss 18.00 Uhr Musik und gemütlicher Ausklang Die Veranstaltung findet in der Location Luise – The Cultfactory statt.  Die Luise ist eine Einrichtung des KJR Nürnberg-Stadt, eine …

Was ist Rassismus?

Rassismus negiert die Gleichwertigkeit der Menschen. Rassismus ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher Rassen basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Bei Rassenkonstruktionen werden Gruppen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe. Dabei hat die privilegierte Gruppe, die eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert, die Macht, ihre Definition und Zuschreibung als legitim durchzusetzen. Die Konstruktion eines „Wir“ gegen die „Anderen“ sichert denen, die zum „Wir“ gehören, Privilegien und den Ausschluss gleichberechtigter Partizipation der „Anderen“. In erster Linie dient Rassismus also der Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition einer Gruppe. Damit sind beim Rassismus unterschiedliche Handlungsebenen relevant: A. Ideologie oder Weltanschauung, die Ungleichwertigkeit legitimiert. Rassismus etabliert ein Deutungs- und Erklärungssystem, das die Höherwertigkeit der eigenen Gruppe der Abwertung der „Anderen“ (Minderwertigen/Feinde) gegenüberstellt. B. Individuelle oder kollektive Strategie und Praxis für rassistisches Handeln, um „die Anderen“ zu bekämpfen. Die Folgen für Betroffene sind auf der individuellen Ebene ebenso wie auf der Ebene der gesellschaftlichen …

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Die eigenen Privilegien checken

Wer sich mit Jugendarbeit mit Geflüchteten auseinandersetzt, muss sich auch mit Rassismus beschäftigen. Anke Zimmermann, Projektmitarbeiterin von Flüchtlinge werden Freunde und Fachfrau im Bayerischen Jugendring für Bildungskonzepte gegen Rassismus und Diskriminierungen mit Schwerpunkt auf Flucht, gibt im Folgenden einen Einblick, warum es unerlässlich ist, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, wenn man im Themenfeld Flucht unterwegs ist. Anstieg von Feindseligkeiten Anfeindungen gegenüber geflüchteten Menschen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auch Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sehen sich häufig mit Hass oder gar Gewalt konfrontiert. Besonders auffällig ist derzeit im Diskurs zum Thema Flucht der antimuslimische Rassismus. Rassismus war und ist kein Randphänomen der Gesellschaft und ist auch alles andere als „ein Problem der Jugend“. Allerdings kann gerade die Jugendarbeit Lösungsansätze und -strategien aufzeigen, die übertragbar sind. Die Angebote der Jugendarbeit sprechen viele Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung an, für die es anderweitig kaum Beteiligungsmöglichkeiten gibt. In der Jugendarbeit erfahren diese Menschen, dass ihre Meinung zählt, dass sie ganz selbstverständlich dazugehören, mitgestalten dürfen – ein klarer Kontrapunkt zur Ungleichbehandlung, Abwertung und Perspektivlosigkeit …

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Einfach Freund_innen

M anina Ott ist Koordinatorin für das Aktionsprogramm Flüchtlinge werden Freunde. Seit 2016 hielt sie in dieser Funktion Vorträge und beriet Menschen in der Jugendarbeit, koordinierte Veranstaltungen, Projekte und Fördergelder und entwarf auch neue Formate wie NEU:DENK, Mitanand Open-Air oder die Jugendintegrationsbegleiter_innen. Dabei kam sie viel herum und hatte reichlich Gelegenheit zu Gesprächen mit jungen Geflüchteten, Fachkräften, Ehrenamtlichen und Multiplikator_innen in der Jugendarbeit. Drei intensive Jahre Wenn ich an drei Jahre Flüchtlinge werden Freunde zurückdenke, denke ich an drei intensive Jahre. Intensiv zum einen, weil es tiefe inhaltliche Auseinandersetzungen gab, weil sich die politische und gesellschaftliche Gemengelage ständig veränderte, weil es immer wieder aufs Neue zu beantworten galt: Was heißt eigentlich Jugendarbeit mit Geflüchteten? Treffen wir die Bedürfnisse der Geflüchteten? Der Fachkräfte? Der Ehrenamtlichen? Intensive Jahre vor allem auch, weil ich so vielen verschiedenen Menschen begegnen durfte. Diese Begegnungen mit engagierten Menschen egal welcher Herkunft prägten meine Arbeit. Die vielen Stimmen, die in der vorliegenden Dokumentation von Flüchtlinge werden Freunde zu Wort kommen, bestärken mich in meiner Haltung und machen mir Mut. Denn sie zeigen, …

Warum bin ich Jib?

Letzte Woche ging die zweite Qualifizierung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in (Jib) zu Ende. Sie richtet sich an junge Leute mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund, die Lust haben Integrationsprozesse in der Jugendarbeit anzustoßen und zu begleiten. Einer von ihnen ist Saeid, der uns aufgeschrieben hat warum er dabei ist: Es gibt im Leben viel mehr als wir uns vorstellen können, Es gibt im Leben viel mehr als wir uns vorstellen können, Glück und Freude liegt für die Menschen in unterschiedlichen Bereichen, wie sie das Leben genießen und wie sie sich wohl fühlen können ist oft sehr verschieden. Manche haben für sich die Lösung gefunden und manche beschäftigen sich noch mit der Suche nach der Bedeutung des Lebens. Seit Jahrhunderten liegt die stärkste und effektivste Heilung für jeden Kummer und Sorgen der Menschen im Menschen selbst. Jeder Mensch ist wertvoll und braucht Zuneigung, Vertrauen, Empathie und Sicherheit. Ich habe all dies in meiner kurzen Zeit hier in Deutschland erlebt und es war mir oft unerklärlich. Als ich das erste Mal über dieses Programm gehört habe, konnte ich mir nicht vorstellen, …

Es ist kurzsichtig nur auf das Heute zu schauen

Gleichberechtigte Teilhabe, dafür setzt sich Hélène Düll täglich ein. Ob es um Inklusion von Menschen mit Einschränkungen geht oder um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Wir haben mit der Referentin für Integration, Inklusion und kulturelle Jugendarbeit im Bayerischen Jugendring ein Stück den Weg zurück und vorgeschaut und uns über Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit mit Geflüchteten und den Umgang mit Hindernissen unterhalten. Was hat sich Deiner Meinung nach in den letzten drei Jahren im Bereich Flucht und Asyl getan? Sehr viel. Jugendarbeit hat sich auf den Weg gemacht. Viele Jugendverbände und Jugendringe haben sich Gedanken gemacht, Projekte initiiert und sich informiert. Ich glaube, dass das Wissen zu dem Themenfeld insgesamt gestiegen ist und das Bewusstsein für die Notwendigkeit aktiv zu sein. Ich merke auch, dass es immer mehr gemischte Konzepte gibt, in denen Geflüchtete und auch Jugendliche mit Migrationshintergrund mitgedacht werden. Was glaubst Du braucht es damit Jugendarbeit hier nachhaltig wirken kann? Nachhaltigkeit fängt immer mit Strukturen an, also etwa bei der Qualifizierung. Hier wurden  sehr schöne Module entwickelt, zum Beispiel die Jugendintegrationsbegleiter_innen (JiB). …

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Von Europa für Bayern lernen

Zur Entstehungsgeschichte der Jugendintegrationsbegleiter_innen Herbst 2017, in einer bayerischen Jugendbegegnungsstätte. Elf junge Menschen, die ursprünglich aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Tunesien und Äthiopien stammen, halten strahlend ein buntes BJR-Zertifikat in den Händen. Sie haben erfolgreich die Fortbildung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in (Jib) absolviert. Ganz verschiedene Persönlichkeiten sind da versammelt. Sie alle eint der Wille, in ihrer neuen Heimat Bayern ihr Wissen im Integrationsprozess einzubringen. Doch was ist ein Jib? Doch was ist ein Jib? Und woher stammt die Idee dazu? → VORBILD ITALIEN Im April 2016 nahm eine Gruppe bayerischer Fachkräfte an der Studienreise des BJR „Young Migrants on the Move“ nach Neapel teil. Dort lernten sie das ihnen unbekannte Berufsbild der Kulturmediator_innen kennen. Kulturmediator_innen sind Vermittler_innen, etwa zwischen jungen Geflüchteten und Einheimischen. Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen oder am Tag der Ankunft in Italien, sie sind mehr als nur Dolmetscher_innen. Sie helfen Neuankömmlingen im unbekannten Land weiter. Und: Kulturmediator_innen haben immer selbst einen Migrationshintergrund. Durch diese Erfahrung bringen sie eine Kompetenz mit, die Einheimische nicht haben und die …

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Liebe Deine Nächsten und auch die Anderen

Sprachrohr sein und Nächstenliebe leben, das nehmen wir von Ilo mit, die wir als Mitglied des Landesvorstands des Bayerischen Jugendrings gebeten haben, mit uns einen Blick zurück zu werfen. Auf Jugendarbeit mit Geflüchteten in den letzten drei Jahren und auf das eigene Wirken und die eigene Haltung dadrin. Illona Schuhmacher ist eine (!)  Tausendsassa, die neben ihrer Arbeit als Grundsatzreferentin bei der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB), noch als Diakonin und Theaterpädagogin unterwegs ist und sich engagiert für die Bedarfe junger Geflüchteter einsetzt. Warum braucht es Jugendarbeit mit Geflüchteten? Ich bin ja Diakonin und damit muss ich das erstmal mit meinem Menschenbild erklären. Etwa mit den sieben Werken der Barmherzigkeit, die die Grundwerkzeuge der Diakonie sind. Darin gibt es das Werk „Fremde beherbergen“ und das ist für mich eine der Grundaufgaben des Christinnen-Seins, eben genau dieses „Fremde beherbergen“. Und schon bin ich mittendrin. Menschen, die Schutz suchen, müssen diesen Schutz gewährt bekommen, ohne wenn und aber. Und aus der Perspektive Jugendarbeit? Ich schreibe mir bewusst evangelische Jugendarbeit auf die Fahne, das ist für mich die …

Jeder Mensch hat was Gutes

Karssli ist seit zwei Jahren in Deutschland, studiert soziale Arbeit und ist Jugendintegrationsbegleiter (Jib). Für das Studium der sozialen Arbeit hat er sich entschieden, weil er schlichtweg begeistert war vom ehrenamtlichen Engagement der Jugendarbeit. Karssli ist ein weltoffener und grundsympathischer Mensch, der nicht nur fließend Deutsch sondern auch Fränkisch spricht. Wir haben uns mit ihm getroffen, um über die Fortbildung zur/m Jugendintegrationsbegleiter_in zu sprechen, die wir auch dieses Jahr anbieten, und über seine Erfahrungen in einem neuen Land. Was bedeutet es für Dich Jugendintegrationsbegleiter zu sein? Es war einfach sehr cool mit in der Gruppe der Jugendintegrationsbegleiter_innen zu sein. Weil jede_r mit seiner/ihrer Erfahrung und seiner/ihrer Weltperspektive da war. Und danach hatten wir die Möglichkeit unsere Erfahrungen direkt an die Leute zu geben. Wir waren in einer Schule, haben unsere Kultur erklärt und woher wir kommen. Dann waren wir an der Fachhochschule und auch bei Student_innen der sozialen Arbeit. Hier waren die Themen Religion und religiöse Vielfalt und das war auch richtig toll. Weil die Leute hören ja von uns, aber keiner spricht mit uns. …

Worte schaffen Wirklichkeit

Die Delegierten der 152. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings forderten einen Perspektivwechsel in der Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und machten sich stark für die gesellschaftliche Teilhabe von jungen Geflüchteten. Wir haben hier nochmal wichtige Zitate aus dem Beschluss „Für ein Klima der Menschenfreundlichkeit“ gelistet. Der ganze Beschluss zum Nachlesen.  Wir wollen nicht mehr von Problemen sprechen, sondern von Herausforderungen, die es zu meistern gilt, und von Chancen, die wir gestalten können. Wir wollen keine Debatten mehr darüber ob wir uns eine vielfältige Gesellschaft leisten können. Sie ist Realität und muss als solche anerkannt werden. Worte schaffen Wirklichkeiten. Deshalb wollen wir, dass die Worte genutzt werden, die die Wirklichkeit schaffen, in der wir leben wollen. Und die Mut machen, diese auch zu gestalten. Solange Politik weiterhin Sprachbilder produziert, die von negativen Stereotypen und Ausgrenzung geprägt sind und diese Haltung in Gesetze gießt, hat Gesellschaft keine Chance, anders zu sprechen. Wir fordern, dass die Verwendung der Begriffe „gute Bleibeperspektive“ und „schlechte Bleibeperspektive“ aufgegeben wird. Wir fordern, die Einstufung von Ländern als „sichere Herkunftsstaaten“ aufzugeben. Wir fordern, dass …