Alle Artikel in: Aus dem Bayerischen Jugendring

Warum bin ich Jib?

Letzte Woche ging die zweite Qualifizierung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in (Jib) zu Ende. Sie richtet sich an junge Leute mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund, die Lust haben Integrationsprozesse in der Jugendarbeit anzustoßen und zu begleiten. Einer von ihnen ist Saeid, der uns aufgeschrieben hat warum er dabei ist: Es gibt im Leben viel mehr als wir uns vorstellen können, Es gibt im Leben viel mehr als wir uns vorstellen können, Glück und Freude liegt für die Menschen in unterschiedlichen Bereichen, wie sie das Leben genießen und wie sie sich wohl fühlen können ist oft sehr verschieden. Manche haben für sich die Lösung gefunden und manche beschäftigen sich noch mit der Suche nach der Bedeutung des Lebens. Seit Jahrhunderten liegt die stärkste und effektivste Heilung für jeden Kummer und Sorgen der Menschen im Menschen selbst. Jeder Mensch ist wertvoll und braucht Zuneigung, Vertrauen, Empathie und Sicherheit. Ich habe all dies in meiner kurzen Zeit hier in Deutschland erlebt und es war mir oft unerklärlich. Als ich das erste Mal über dieses Programm gehört habe, konnte ich mir nicht vorstellen, …

Es ist kurzsichtig nur auf das Heute zu schauen

Gleichberechtigte Teilhabe, dafür setzt sich Hélène Düll täglich ein. Ob es um Inklusion von Menschen mit Einschränkungen geht oder um die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund oder Fluchterfahrung. Wir haben mit der Referentin für Integration, Inklusion und kulturelle Jugendarbeit im Bayerischen Jugendring ein Stück den Weg zurück und vorgeschaut und uns über Nachhaltigkeit in der Jugendarbeit mit Geflüchteten und den Umgang mit Hindernissen unterhalten. Was hat sich Deiner Meinung nach in den letzten drei Jahren im Bereich Flucht und Asyl getan? Sehr viel. Jugendarbeit hat sich auf den Weg gemacht. Viele Jugendverbände und Jugendringe haben sich Gedanken gemacht, Projekte initiiert und sich informiert. Ich glaube, dass das Wissen zu dem Themenfeld insgesamt gestiegen ist und das Bewusstsein für die Notwendigkeit aktiv zu sein. Ich merke auch, dass es immer mehr gemischte Konzepte gibt, in denen Geflüchtete und auch Jugendliche mit Migrationshintergrund mitgedacht werden. Was glaubst Du braucht es damit Jugendarbeit hier nachhaltig wirken kann? Nachhaltigkeit fängt immer mit Strukturen an, also etwa bei der Qualifizierung. Hier wurden  sehr schöne Module entwickelt, zum Beispiel die Jugendintegrationsbegleiter_innen (JiB). …

© BJR

Von Europa für Bayern lernen

Zur Entstehungsgeschichte der Jugendintegrationsbegleiter_innen Herbst 2017, in einer bayerischen Jugendbegegnungsstätte. Elf junge Menschen, die ursprünglich aus Syrien, Afghanistan, Kamerun, Tunesien und Äthiopien stammen, halten strahlend ein buntes BJR-Zertifikat in den Händen. Sie haben erfolgreich die Fortbildung zum_r Jugendintegrationsbegleiter_in (Jib) absolviert. Ganz verschiedene Persönlichkeiten sind da versammelt. Sie alle eint der Wille, in ihrer neuen Heimat Bayern ihr Wissen im Integrationsprozess einzubringen. Doch was ist ein Jib? Doch was ist ein Jib? Und woher stammt die Idee dazu? → VORBILD ITALIEN Im April 2016 nahm eine Gruppe bayerischer Fachkräfte an der Studienreise des BJR „Young Migrants on the Move“ nach Neapel teil. Dort lernten sie das ihnen unbekannte Berufsbild der Kulturmediator_innen kennen. Kulturmediator_innen sind Vermittler_innen, etwa zwischen jungen Geflüchteten und Einheimischen. Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen Ob beim Gang zum Arzt, beim Sprachenlernen oder am Tag der Ankunft in Italien, sie sind mehr als nur Dolmetscher_innen. Sie helfen Neuankömmlingen im unbekannten Land weiter. Und: Kulturmediator_innen haben immer selbst einen Migrationshintergrund. Durch diese Erfahrung bringen sie eine Kompetenz mit, die Einheimische nicht haben und die …

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Liebe Deine Nächsten und auch die Anderen

Sprachrohr sein und Nächstenliebe leben, das nehmen wir von Ilo mit, die wir als Mitglied des Landesvorstands des Bayerischen Jugendrings gebeten haben, mit uns einen Blick zurück zu werfen. Auf Jugendarbeit mit Geflüchteten in den letzten drei Jahren und auf das eigene Wirken und die eigene Haltung dadrin. Illona Schuhmacher ist eine (!)  Tausendsassa, die neben ihrer Arbeit als Grundsatzreferentin bei der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB), noch als Diakonin und Theaterpädagogin unterwegs ist und sich engagiert für die Bedarfe junger Geflüchteter einsetzt. Warum braucht es Jugendarbeit mit Geflüchteten? Ich bin ja Diakonin und damit muss ich das erstmal mit meinem Menschenbild erklären. Etwa mit den sieben Werken der Barmherzigkeit, die die Grundwerkzeuge der Diakonie sind. Darin gibt es das Werk „Fremde beherbergen“ und das ist für mich eine der Grundaufgaben des Christinnen-Seins, eben genau dieses „Fremde beherbergen“. Und schon bin ich mittendrin. Menschen, die Schutz suchen, müssen diesen Schutz gewährt bekommen, ohne wenn und aber. Und aus der Perspektive Jugendarbeit? Ich schreibe mir bewusst evangelische Jugendarbeit auf die Fahne, das ist für mich die …

Jeder Mensch hat was Gutes

Karssli ist seit zwei Jahren in Deutschland, studiert soziale Arbeit und ist Jugendintegrationsbegleiter (Jib). Für das Studium der sozialen Arbeit hat er sich entschieden, weil er schlichtweg begeistert war vom ehrenamtlichen Engagement der Jugendarbeit. Karssli ist ein weltoffener und grundsympathischer Mensch, der nicht nur fließend Deutsch sondern auch Fränkisch spricht. Wir haben uns mit ihm getroffen, um über die Fortbildung zur/m Jugendintegrationsbegleiter_in zu sprechen, die wir auch dieses Jahr anbieten, und über seine Erfahrungen in einem neuen Land. Was bedeutet es für Dich Jugendintegrationsbegleiter zu sein? Es war einfach sehr cool mit in der Gruppe der Jugendintegrationsbegleiter_innen zu sein. Weil jede_r mit seiner/ihrer Erfahrung und seiner/ihrer Weltperspektive da war. Und danach hatten wir die Möglichkeit unsere Erfahrungen direkt an die Leute zu geben. Wir waren in einer Schule, haben unsere Kultur erklärt und woher wir kommen. Dann waren wir an der Fachhochschule und auch bei Student_innen der sozialen Arbeit. Hier waren die Themen Religion und religiöse Vielfalt und das war auch richtig toll. Weil die Leute hören ja von uns, aber keiner spricht mit uns. …

Worte schaffen Wirklichkeit

Die Delegierten der 152. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings forderten einen Perspektivwechsel in der Auseinandersetzung mit dem Thema Flucht und machten sich stark für die gesellschaftliche Teilhabe von jungen Geflüchteten. Wir haben hier nochmal wichtige Zitate aus dem Beschluss „Für ein Klima der Menschenfreundlichkeit“ gelistet. Der ganze Beschluss zum Nachlesen.  Wir wollen nicht mehr von Problemen sprechen, sondern von Herausforderungen, die es zu meistern gilt, und von Chancen, die wir gestalten können. Wir wollen keine Debatten mehr darüber ob wir uns eine vielfältige Gesellschaft leisten können. Sie ist Realität und muss als solche anerkannt werden. Worte schaffen Wirklichkeiten. Deshalb wollen wir, dass die Worte genutzt werden, die die Wirklichkeit schaffen, in der wir leben wollen. Und die Mut machen, diese auch zu gestalten. Solange Politik weiterhin Sprachbilder produziert, die von negativen Stereotypen und Ausgrenzung geprägt sind und diese Haltung in Gesetze gießt, hat Gesellschaft keine Chance, anders zu sprechen. Wir fordern, dass die Verwendung der Begriffe „gute Bleibeperspektive“ und „schlechte Bleibeperspektive“ aufgegeben wird. Wir fordern, die Einstufung von Ländern als „sichere Herkunftsstaaten“ aufzugeben. Wir fordern, dass …

Unser Problem heißt Alltagsrassismus

Anke ist direkt,  sehr engagiert, auch mal zornig und vor allem taff.  Und das muss sie auch sein. Denn seit 2018 ist Anke für Flüchtlinge werden Freunde für den Bayerischen Jugendring aktiv und berät die Jugendarbeit zum Thema Rassismus. Besonderes Merkmal: Anke pendelt täglich und hat in der Bahn immer einen Platz dank Klapp-Campingstuhl. Hier unterhalten wir uns über Möglichkeiten antirassistischer Jugendarbeit, ihre Wünsche für das Jahr 2018 und warum wir mehr positives Storytelling brauchen. Warum braucht es rassismuskritische Jugendarbeit? Rassismus ist kein Randphänomen unserer Gesellschaft. Und es ist auch kein Problem der Jugend. Aber Jugendarbeit kann Lösungsansätze und -strategien bieten, die übertragbar sind. Das macht rassismuskritische Jugendarbeit und eine fortwährende Sensibilisierung für das Thema so wichtig. Dabei sind wir erst am Anfang. Gesamtgesellschaftlich läuft es gerade wirklich mies, ich glaube aber, dass wir mit der Jugendarbeit am richtigen Punkt anknüpfen können, weil wir schon einiges richtig machen und weil wir das Potential haben Leute da abzuholen, wo sie andere nicht abholen können. Was macht die Jugendarbeit denn richtig? Schon eine ganze Menge, etwa indem …

Von einer, die auszog, Fragen zu stellen

Lea ist Referentin für Europäische Jugendpolitik im Bayerischen Jugendring und pendelt zwischen München und Brüssel. Sie hat in Brüssel das Europabüro des BJR aufgebaut, das u.a. jugendpolitische Interessenvertretung zum Ziel hat,  europäische Politik beobachtet und darüber berichtet. Klar ist, wer auf europäischer Ebene aktiv ist, kommt um die Themen Flucht und Asly nicht umhin oder besser geschrieben, hat schnell eine dezidierte Meinung dazu. Leas Meinung und Einschätzung gibt es hier im Interview: Wo begegnen Dir die Themen Flucht und Asyl? 2015 habe ich in Brüssel für den BJR angefangen  und unser Europabüro aufgebaut. Seitdem begegnet mir das Thema unablässig. Da ich selbst Projekte mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten gemacht habe, war und ist mir das Thema sehr bewusst. Ich fragte die Brüssler_innen in Parlament und Kommission direkt:“Wie wollt ihr junge Geflüchtete schützen und was können wir auf Europaebene für Sie tun?“ „Oh Lea, that´s a good question“ „Oh Lea, that´s a good question – but it´s not on the radar right now.” Erst wurden Lösungen im Bereich der Migrationspolitik verhandelt, dann festgestellt, dass die Umverteilung in …

© BJR_Egloffstein

Im interkulturellen Schrebergarten

Drei Jahre Flüchtlinge werden Freunde, das sind drei Jahre Jugendarbeit mit Geflüchteten. Jahre, in denen das Thema Flucht und alles was damit zusammenhängt auch die Mitarbeiter_innen des Bayerischen Jugendrings (BJR) beschäftigt hat und weiter beschäftigen wird. Denn Menschen, die fliehen sind ein gesellschaftliches Thema, das somit auch die Jugendarbeit in ihrer Ganzheit betrifft. Und genau das wollen wir zeigen,  indem wir mit  Menschen sprechen, die für zentrale Themen der bayerischen Jugendarbeit stehen. Zum Beispiel mit Jan, der den Themenkomplex Ökologie und Nachhaltigkeit im BJR vorwärts bringt. Wo begegnet Dir das Themenfeld Flucht und Asyl? In der Umweltbildung ist das Thema relativ früh aufgetaucht, spätestens als geflüchtete Menschen im Sommer 2015 bei uns in München am Bahnhof angekommen sind. Die sind dann als vermeintlich neue Zielgruppe in den Fokus der Jugendarbeit und auch der Umweltbildung geraten. Vermeintlich, weil es ja überwiegend nur neue Menschen waren, die aber mit Methoden der Jugendarbeit gut zu erreichen sind. Vermeintlich, weil es ja überwiegend nur neue Menschen waren, die aber mit Methoden der Jugendarbeit gut zu erreichen sind. Die Methoden …

Durch den inneren Wald in die Klarheit

Die Jib (Jugendintegrationsbegleiter_innen) sind „Expert_innen in eigener Sache“. Weil sie wissen wie es sich anfühlt fremd zu sein und weil sie wissen wie man Brücken baut. Osama Albernawi lebt mit seinen Eltern und Geschwistern in Würzburg und studiert Physik. Die eigenen Grenzen kennen Unsere Werte bestimmen oft unsere persönlichen Grenzen. Meine Werte führen dazu, dass ich manche Grenzen ungern überschreite. Eine dieser Grenzen ist für mich, »Nein« zu sagen. Es geht mir einfach gegen den Strich, eine Bitte von einem Freund abzulehnen! Freunde sind immer füreinander da! Und somit überschreite ich meine Grenzen bzw. übersehe ich sie und vor allem übersehe ich meine Bedürfnisse. Es ist mir auch ein großes Anliegen, dass ich andere nicht enttäusche, obwohl ich weiß, dass mein »Nein« gar nicht immer als Enttäuschung betrachtet wird. Durch die Erfahrungen in der Summer School »JugendintegrationsbegleiterInnen« bin ich jetzt doch einbisschen anders geworden. Ich habe durch unterschiedliche Erfahrungen das »Neinsagen« gelernt. Ich habe durch unterschiedliche Erfahrungen das »Neinsagen« gelernt. Dort haben wir mit anderen an einem Projekt gearbeitet. Es war für mich sehr wichtig, …