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Konzertbesucher_innen applaudieren

© BJR | Frank Roethel

Wir waren Mitanand

Friedlich, bunt, mitanand – das war das  Mitanand Open Air am 9. September beim Jugendhaus Karlsfeld. Vor und hinter den Kulissen dieses ersten Festivals des Bayerischen Jugendrings war dieses Miteinander geprägt von gut gelaunter Offenheit und dem Spaß an der Begegnung.

Miteinander reden, nicht übereinander

Ein Zeichen für Integration und Offenheit, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wollte der BJR mit dem Mitanand setzen. Anerkennen und sichtbar machen, dass junge Geflüchtete längst bei uns angekommen sind, in der Jugendarbeit und in Bayern. Zeigen, was Jugendarbeit mit Geflüchteten alles leistet. Mit einem starken Gemeinschaftserlebnis Lust machen, weiterzugehen auf diesem Weg, der nicht immer eben ist und der vielleicht auch den einen oder anderen Frust bereit hält. Heraus kam eine Party, bei das Vergnügen am Miteinander in der Luft lag. Bis spät in die Nacht.

Unser riesengroßer Dank gilt

…den vielen Helferinnen und Helfern, ohne deren Einsatz das Mitanand niemals möglich gewesen wäre,
…den 19 Jugendorganisationen, die mit ihren Angeboten ganz viel Lebendigkeit und Miteinander auf das Gelände zauberten,
…den vielen Künstlern und Künstlerinnen, die uns mit ihrer Musik begeistert haben,
…unseren Kooperationspartnern, dem Kreisjugendring Dachau und der gemeindlichen Jugendarbeit Karlsfeld für die immer gute Zusammenarbeit
…und nicht zuletzt allen Besucher_innen, geflüchtet oder nicht, die an diesem Tag so unerhört entspannt gezeigt haben, wie diese Gesellschaft sein könnte.

Beschilderte Vielfalt

Partystimmung trotz Nieselregens mit Rainer von Vielen

Die Jugendintegrationsbegleiter_innen bieten ihre Übersetzungskünste an

Großer Zulauf beim Tanzworkshop der Pfadfindergruppe Dolabani von der Assyrischen Jugend Augsburg

Den ganzen Tag was los im Zelt der Begegnung

Feiner Hip Hop von der Refugee Rap Squad

JUZ im Kleinen: viele Spiele zum Ausprobieren beim Stadtjugendring Augsburg

Wollen wir sofort wieder hören: die Nürnberger Band Yohto

Armbänder aus Paracord knüpfen mit dem Willkommen in München-Team des KJR München-Stadt

Nass und zufrieden: Matthias Fack, BJR-Präsident und Michael Voss, Vizepräsident

Jesper Munk mit seelenvollem Sound

Die KLJB rief zum Actionpainting, voilà: das große Mitanand-Kunstwerk

Junge Geflüchtete aus Afghanistan zeigten beim KJR Augsburg-Land, wie man Lenkdrachen baut

Rockten das Mitanand bis spät in die Nacht: Headliner Django 3000

 

Pinnwand mit verschiedenen Bildern, eine Hand zeigt darauf

Schreib mich auf Arabisch

Seit Sommer 2017 läuft die Qualifizierungsreihe zum/zur Jugendintegrationsbegleiter_in (JIB), bei der  junge Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund zu Begleiter_innen für die Jugendarbeit ausgebildet werden. Ein Schwerpunkthema im Jahr 2017 von Flüchtlinge werden Freunde. Die Teilnehmer_innen sind zwischen 19 und 29 Jahren alt, viele studieren und haben gute Deutschkenntnisse. Und es sind Menschen, die motivieren können und wollen. Deshalb sind sie auch beim Mitanand Open Air mit dabei.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir machen eine kleine Kalligrafie-Aktion: Die JIBs schreiben die Namen der Besucher_innen in verschiedenen Alphabeten und gestalten daraus kleine Karten zum Mitnehmen. Außerdem ist ein Quiz geplant: wir haben uns Fragen ausgedacht, die die Vielfalt der verschiedenen Herkunftsgesellschaften abbilden und Stereotype relativieren oder, besser noch, verändern helfen sollen.

Was ist das Besondere der Jugendintegrationsbegleiter_innen?

Die Teilnehmer_innen kommen aus verschiedenen Kontexten und lernen in der Summer School u.a. Strukturen und verschiedene Träger und Einrichtungen der Jugendarbeit kennen, haben ein Antirassismustraining hinter sich, lernen etwas über interkulturelle Kommunikation usw. Die Fortbildung befähigt sie, Jugendarbeit immer dann kompetent zu begleiten, wenn es um das Thema Integration geht. In  der Ausbildung geht es vor allem darum, eigene Ideen zu entwickeln und  so später persönliche Erfahrungen und fachliche Expertise in die Jugendarbeit einzubringen.

Die Summer School findet in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring München Land und der Jugendbildungsstätte Unterfranken statt.

Schatten von zwei Personen, die sich umarmen

© Daniel Stricker | pixelio

Wie wohl fühlst du dich in Deutschland?

Junge Geflüchtete stehen im Zentrum des Mitanand Open Air. Sie sind in unserer Gesellschaft angekommen und wollen aktiver Teil davon sein. Ein Verband, der genau dafür steht, in dem sich Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung gemeinsam engagieren, ist die heimaten-Jugend.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir wollen ins Gespräch kommen mit den Besucher_innen, Gelegenheit zum Austausch über das Zusammenleben anbieten, über unsere Arbeit informieren. Viele haben Fragen an Geflüchtete, aber kaum Gelegenheiten, sie zu stellen. Dafür wollen wir da sein, zuhören, offen ins Gespräch gehen. Außerdem werden wir an unserem Stand Statements sammeln zu verschiedenen Fragen, z.B. „Wie wohl fühlst du dich in der Gesellschaft?“ und die Antworten von Deutschen und Geflüchteten auf Pinnwänden  gegenüber stellen.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Wir sind seit ein junger Verband, seit 2013 Mitglied im Kreisjugendring München-Stadt. Bei uns sind Migranten, geflüchtete und deutsche Jugendliche gemeinsam aktiv. Wir organisieren z.B. Seminare, etwa über das Bildungssystem, Jugendarbeit und Asylverfahren, weil das Themen sind, die für viele interessant und wichtig sind. Aber auch gemeinsame Unternehmungen wie Freizeiten, bei denen Kinder und Jugendliche, auch aus verschiedenen bayerischen Städten, zusammenkommen, mehrere Tage miteinander verbringen, kochen, klettern, sich einfach kennenlernen. Dabei unterstützt uns Heimaten e.V., dessen Mitglieder aus dem Irak, Afghanistan, Syrien, Sierra Leone, Somalia, Ugand, der Türkei, Deutschland und Österreich kommen, viele von ihnen mit eigenen Erfahrungen als Flüchtlinge und Migranten. Sie engagieren sich u.a. in den Bereichen interkultureller Dialog, Inklusion und Identität, politische Partizipation.

 

 

© Clemens Mirwald | Pixelio

Film ab in Regensburg – und auf dem Mitanand

Auch der Stadtjugendring Regensburg ist mit dabei auf dem Mitanand Open Air und zeigt, was in Regensburg in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten läuft.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir zeigen einen Film zum Thema Heimat, der gemeinsam mit einer Jugendwohngruppe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge gestaltet wurde. Er erzählt von Traditionen in den Heimatländern der Jugendlichen und stellt diese humorvoll dem deutschen Alltag gegenüber. Im Rahmen der Vorführung wird es auch möglich sein, Jugendliche aus dem Video kennenzulernen.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Wir sind Ansprechpartner für die Projektregion Oberpfalz im Aktionsprogramm Flüchtlinge werden Freunde und haben unter Anderem eine Kampagne gegen Diskriminierung in der Jugendarbeit initiiert. Dafür haben wir eine Selbstverpflichtung für Jugendverbände entworfen und einen Anti-Rassismus-Koffer, der bei uns angefordert werden kann und der mit verschiedenen pädagogischen Materialien auch für die Arbeit mit jungen Geflüchteten bestückt ist. Auch eine interkulturelle Sportnacht in Regensburg haben wir mit organisiert. Gemeinsam mit dem Fußballverein SV Sallern haben wir im Sommer 2017 einen Graffiti-Workshop mit Geflüchteten veranstaltet, bei dem das Vereinsheim verschönert wurde. Im Oktober 2017 wird unsere Aktion Stammtischkämpfer in Zusammenarbeit mit der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus stattfinden, bei der es Infos für Multiplikator_innen der Jugendarbeit geben dazu wird, wie man rechten Stammtischparolen begegnen kann.

 

 

Ein Mitanand-Kunstwerk für alle

Das Mitanand Open Air ist mehr als ein Musikfestival. Es lebt von den Angeboten der Jugendarbeit. Mit dabei ist auch die Landesstelle der Katholischen Landjugend.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir bieten Actionpainting an und haben unseren KULTURbeutel dabei, der als Gesprächseinstieg dient. Im KULTURbeutel sind Zettelchen mit Anregungen und Fragen, etwa: „Was hältst Du von Integration?“ Sie dienen dazu ins Gespräch zu kommen. Fürs Actionpainting haben wir einen Schwung Leinwände dabei und jede Menge Farbe und Pinsel. Wer Lust hat, kann an einem Bild anfangen und dann reihum die anderen Leinwände bepinseln. Quasi ein Mitanand-Kunstwerk schaffen.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Wir reden mit Politiker_innen über Asyl, Flucht und Integration. Unsere Ortsgruppen helfen ehrenamtlich bei der Integration von Geflüchteten auf dem Land, zum Beispiel durch Sprachkurse, gemeinsame Kochabende. Wir haben zwei Werkbriefe zum Thema Asyl und Integration veröffentlicht, die dieses Engagement genau beleuchten. Die Werkbriefe enthalten zahlreiche Methoden für Gruppenstunden vor Ort  und sind eine praktische Arbeitshilfe für Jugendleiter_innen von Ortsgruppen, Pfarrämtern etc..

Mädchen klettert an runder Kletterscheibe

© Jugendfreizeitstätte Planet 'O'

Singen, Slacklinen, Posen

Nicht nur Konzerte erleben, sondern selbst mitmachen, Jugendarbeit erleben, ins Gespräch kommen, lachen! – auch das wird das Mitanand Open Air.  Denn viele Organisationen der Jugendarbeit bringen ihre Angebote live aufs Festivalgelände. Auch die Jugendfreizeitstätte Planet ‚O‘ des Kreisjugendring München-Land ist mit dabei. Der Kreisjugendring ist gleichzeitig auch Anlaufstelle für das Aktionsprogramm Flüchtlinge werden Freunde in der Projektregion Oberbayern.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir bringen eine Slackline mit und eine Kletterscheibe, die sich dreht und kippt, für alle, die Lust auf sportliche Aktivität haben. Wer sich schon mal warm singen und tanzen will, für den haben wir eine Playstation 3 dabei mit SingStar und Guitar Hero. Freizeitangebote, bei denen jede/r mitmachen kann und die wir auch in der Jugendarbeit mit Geflüchteten zum Einsatz bringen. Und unsere Polaroid-Fotobox, in der man sich fürs Erinnerungsfoto vom Mitanand sogar noch schnell mit unseren mitgebrachten Accessoires stylen kann.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?

Wir wollen Menschen zusammen bringen, Kennenlernen und Gemeinschaftserlebnisse in einer freundschaftlichen, entspannten Atmosphäre ermöglichen. Deshalb organisieren regelmäßig gemeinsames Fußballspielen für Jugendliche und junge Geflüchtete, ein Mütter-Café, bei dem Frauen mit und ohne Fluchterfahrung zusammen kommen und sich austauschen können, und Feste wie z.B. gemeinsames Fastenbrechen und Weihnachtsessen.

Auf ein Winterschnitzel mit Teresa Reichl

Teresa Reichl ist nicht nur eine begnadete Slammerin, die unter anderem bei den U 18 ganz vorne mit dabei war, sondern auch engagierte Lehramtsstudentin und authentische Niederbayerin. Teresa bietet einen offenen Workshop zum Slammen beim Mitanand Open Air an. Wir haben sie auf der Durchreise zu einem Slam in München getroffen:

Warum slammst Du?

Ich habe einen halben Slam aus Versehen gesehen, dann habe ich gesagt, das mach ich irgendwann auch mal, das ist cool. Und dann haben mich zwei Freundinnen einfach angemeldet.  Zwei Tage davor habe ich eine Email erhalten, in der ich schon im Line-Up stand. Dann war ich kurz wütend und anschließend habe ich einen Text geschrieben.

Kann man slammen lernen?

Ja! Also ein Grundinteresse oder Talent sollte schon da sein, aber man kann einfach Workshops geben, um in das Denken reinzukommen (eini zu kämma!) und seinen eigenen Stil zu finden. Das kann man alleine auch. Das dauert aber viel länger.

Was macht ihr beim Workshop beim Mitanand?

Normalerweise biete ich solche Workhops  auch für Schulklassen an. Dann mache ich am Anfang ein paar Lockerungsübungen, damit man vom Schulalltag wegkommen. Das auch klar ist, dass ich nicht in der Funktion als Lehrerin da bin. Wir machen kleine Schreibübungen. Man zieht zum Beispiel zwei Nomen, da wird dann ein Wort draus. Dann hat man da irgendwie Winterschnitzel oder so und dann muss man darüber in zwanzig Minuten was schreiben. Das trägt man dann vor. So kann man das langsam ausweiten, schauen was interessiert eine/n? Über was will man eigentlich schreiben? Der Plan ist, dass jeder am Schluss einen Text hat.

Funktioniert das auch für Menschen, die nicht so gut Deutsch sprechen?

Ja, es gibt auch Programme für Geflüchtete. Poetry kann ja auch ein Sprachrohr sein, die möchten sich ja auch ausdrücken und dann ist das cool, wenn jemand hinter Dir steht und Tipps gibt oder Dir die Bedeutung von weiteren Wörtern mitgibt. Das wird cool glaube ich. Ich freue mich schon (frei mi scho!).

Hast Du ein Rezept gegen Lampenfieber?

Also, wenn Lampenfieber nicht übermäßig ist, ist es eigentlich was gutes. Man konzentriert sich dann einfach mehr. Wenn man öfter auf die Bühne geht, kommt auch die Routine. Ich bin dann eher ganz still vor dem Auftritt, was dann auch alle verwirrt, weil das normalerweise nicht so meine Art ist. Ich finde Lampenfieber beim Theaterspielen zum Beispiel schlimmer, weil man ja auch auf alle anderen schauen muss. Wenn jetzt mein Gegenüber seinen Text vergisst, habe ich ein Problem. Beim Poetry Slam hat man seinen Text entweder in der Hand und kann ablesen und wenn man wirklich wirklich nervös ist, dann soll man auch ablesen. Oder man macht es auswendig und hat den Text in der hinteren Hosentasche. Wenn man einen Texthänger hat, schaut man halt schnell aufs Blatt.

Was ist Mitanand für Dich?

Ich finde es cool, dass es mitanand und nicht miteinander heißt. Und ich finde es einfach schön, dass das einfach jede/r hinkommen kann. Und das ist ja auch spannend für mich, weil ich nicht weiß wer jetzt beim Slammen dabei ist. Das können ja alle sein, elfjährige bis Senior_innen. Ich freu mich schon voll!

 

Vielen Dank, dass Du dabei bist Teresa!

 

 

 

 

© KJR München-Stadt

Armbänder und Schlüsselbänder knüpfen…

Das Mitanand Open Air lebt von der Beteiligung der Jugendarbeit. Und dieses Programm ist bunt und vielfältig. Mit dabei ist auch das Willkommen in München Team (WiM) des Kreisjugendrings München-Stadt.

Was macht ihr auf dem Mitanand?
Wir bieten einen Paracord Stand an. Hier können die Festivalteilnehmer_innen aus Fallschirmleine Armbänder und Schlüsselanhänger anfertigen.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?
Wir machen klassische mobile Jugendarbeit, die sich an junge Geflüchtete in München richtet. Wir etablieren Angebote in Unterbringungseinrichtungen, also wir bringen  Sport, Musik, Tanz, Kreatives und Handwerkliches zu den Jugendlichen.
Träger ist der Kreisjugendring München-Stadt. WiM soll jungen Geflüchteten als Sprachrohr ihrer Belange dienen und ihnen neue Räume eröffnen. Wir wollen junge Menschen darin bestärken, ihre Leben so selbstbestimmt wie möglich zu gestalten.

 

 

 

 

Buttons, Transparente und Diskussionen

Zahlreiche Jugendverbände sowie Jugendringe unterstützen das Mitanand Open Air.  Wir stellen euch die einzelnen Akteure vor. Heute die Sozialistische Jugend Deutschlands – Die Falken.

Was macht ihr beim Mitanand?
Wir wollen mit den Festivalteilnehmer_innen vor Ort in einen Austausch gehen. Also über Fluchtursachen diskutieren, über Entwicklungsländer, sichere Herkunftsländer  und wo wir selbst ansetzen können. Außerdem haben wir eine Buttonmaschine dabei. Wir geben die Möglichkeit, Schilder und Transparente vor Ort mit den eigenen politischen Botschaften zu gestalten.

Was macht ihr in der Jugendarbeit mit Geflüchteten?
Wir sind ein Jugendverband mit langer Tradition. Wir organisieren Zeltlager, Freizeiten, Seminare und Aktionen. Hier können Jugendliche für sich und andere Politik machen. Dabei treten wir für eine solidarische Gesellschaft ein und positionieren uns gegen Abschiebungen und für ein Bleibrecht für alle. Auf unsere Zeltlager nehmen wir seit vielen Jahren Geflüchtete mit. Wir müssen sie nicht „integrieren“. Ihre Teilnahme ist für uns selbsverständlich.

 

 

 

Ausatmen, Kaffee trinken, Selbermachen…

Eindrücke aus der Summer School der Jugendintegrationsbegleiter_innen

Miteinander statt übereinander reden, ist das Credo hinter der Idee der Qualifizierungsreihe zum/r Jugendintegrationsbegleiter_in. Und das Herzstück von Flüchtlinge werden Freunde.

Letzte Woche vom 11. bis 18. August waren die Teilnehmer_innen der Summer School für die Jugendintegrationsbegleiter_innen zu Gast auf der Burg Schwaneck, aber auch zu Besuch im Bayerischen Jugendring und bei LOK Arrival in der Bayernkaserne. Am Donnerstag, 17. August, sind wir zu Besuch. Erst mal die Informationen  sacken lassen, zur Ruhe kommen und dann eigene Ideen entwickeln, das war das Thema am Ende dieser Woche. Eine Woche voller Input und Wissen liegt hinter den elf Teilnehmer_innen. Alle von ihnen haben Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund. Im Gruppenraum, dem Turmzimmer der Burg, hängen die Ergebnisse der letzten Tage.

In den vergangenen Tagen ging es ganz viel um das Thema Diversity, Vielfalt. Aber auch um den starken Wunsch vieler Menschen nur Ihresgleichen um sich zu haben.

Diskutieren, Ideen austauschen, kreativ Arbeiten

„Ich bin total begeistert und glücklich mit dieser Gruppe, es sind so tolle Leute“ sagt Maria Prahl, Trainerin von Working between Cultures.  Maria ist eine von vier Trainerinnen, die die Fortbildung begleiten. Mit im Team sind weitere Pädagog_innen der Jugendbildungsstätte Unterfranken und der Burg Schwaneck.

„Die erste Hälfte der Woche ging es sozusagen ums Einatmen, also ganz viel Input. Jetzt  im zweiten Teil der Woche können wir auch mal ausatmen und uns überlegen, was wir aus dieser ganzen Woche mitnehmen.“ Maria begleitet alle Termine der Ausbildung und ist Ansprechpartnerin für die Gruppe. Heute hat die Gruppe gemeinschaftlich Ideen diskutiert, was jede/r selbst anbieten möchte, um Geflüchtete in die Gesellschaft und die Jugendarbeit reinzuholen. Jetzt ist eine halbe Stunde Kaffeepause. Der Großteil ist schon aus dem Raum geschlüpft, um sich in der Küche der Burg hinzusetzen und miteinander zu plaudern. Man spürt, dass sich hier schon eine Gemeinschaft gebildet hat. Die Stimmung ist offen und entspannt.

Kaffeetrinken mit den Teilnehmer_innen

„Ich möchte die Hilfe, die ich erfahren habe, weitergeben“

„Ich möchte die Hilfe, die ich erfahren habe, weitergeben, “ sagt Melaku, 31, der seit 19 Monaten in Deutschland lebt. „Mir hat ein Bekannter von dem Projekt erzählt und ich wollte konkret wissen, wie das Leben für Flüchtlinge hier in Deutschland ist und ob ich mit meinen eigenen Erfahrungen etwas beitragen kann,“ ergänzt Maeva, 22 Jahre alt. Auch Zabi, 21,  der über einen Kurs an der LMU von der Summer School erfahren hat, macht klar: „Ich bin auch ein Flüchtling, ich möchte helfen, ich weiß, dass bei vielen Geflüchteten die Informationen darüber, was man tun kann, wie man sich integrieren kann, gar nicht unbedingt ankommen. Das ist meine Motivation. Da kann man ja was machen.“

Melaku, Maeva und Zabi in der Küche der Burg

Auch am Nebentisch berichten die Teilnehmer_innen gerne von ihren Erfahrungen und Ideen. „Also ich habe ein wenig Erfahrung mit Flüchtlingen und Migration. Ich habe mich sehr gefreut, dass es geklappt hat. Wenn ich jetzt hier teilnehme, kann ich noch mehr helfen. Dieses Projekt ist für mich ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich weiß jetzt was ich machen möchte: nach meinem Biomedizin-Studium in einer internationalen Organisation wie Ärzte ohne Grenzen oder der WHO arbeiten.“ Nour, 26, ist begeistert von der Summer School. Neben ihr sitzt Ahmad, 28 Jahre alter Künstler: „Ich finde diese Fortbildung sehr interessant, denn auch die Deutschen können hier was lernen und ich habe das ganz spannend gefunden, hier miteinander zu diskutieren. Ich finde das toll. So bekommt man auch neue Ideen und über die eigene Meinung kann man nochmal ein wenig nachdenken.

Nour und Ahmad

Zurück im Seminarraum geht es weiter mit der eigenen Perspektive. Was können wir hier machen? Wie können wir Menschen erreichen und helfen? Und auch wir kehren zum Schreibtisch zurück. Danke für die schöne Zeit bei Euch!

Mit der Summer School qualifiziert der Bayerische Jugendring in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring München Land und der Jugendbildungsstätte Unterfranken junge Menschen mit Flucherfahrung zu Begleiter_innen für die Jugendarbeit: immer dann, wenn es um das Thema Integration geht. Ziel ist, dass die Teilnehmer_innen ihre eigenen Ideen entwickeln und ihre Expertise in die Jugendarbeit einbringen.