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Drei Jahre Flüchtlinge werden Freunde in Unterfranken

Rückblick, Fazit, Ausblick, das verspricht die Dokumentation des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde des Bezirksjugendrings Unterfranken, die ihr hier nachlesen könnt. Es geht um Herausforderungen, Erfahrungen und Erfolge der Jugendarbeit aus Unterfranken. Erfrischend unprätentiös und lebensnah. So startet die Publikation mit einem Rückblick, wie etwa im Sommer der Spontanität (2015) die Jugendarbeit mit bewundernswerter Offenheit den vielen jungen Geflüchteten entgegenkam. Wie dann im Jahr 2016 der Gegenwind in der Gesellschaft wieder etwas frostiger wurde und Jugendarbeit es auch ganz viel mit den Themen Hate Speech, Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zutun bekam. Viel Platz haben auch die neuen Projekten und Initiativen der unterfränkischen Jugendarbeit, etwa der Expert*innenpool Fluchtperspektive,  das Qualifzierungsangebot „Lautstärker“ und natürlich die neue Fachstelle Jugendarbeit & Migration, die eine von sechs Fachstellen in Bayern ist und das Thema Flucht weiterhin in und an die Jugendarbeit bringt.

 

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Ich bin doch nicht privilegiert….

Manchmal sind gesprochene Worte so gut und wichtig, dass man sie nochmal lesen will. Wie etwa die Worte von Nicola Hieke, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle Bayern gegen Rechtsextremismus (LKS) für den Fachtag „Hinsehen und Handeln – Rassismus und Islamfeindschaft in der Jugendarbeit“, der am Wochenende in Nürnberg 40 Teilnehmer_innen mit Infos und Perspektiven auf Rassismus versorgte. Auch weil Nicola anschaulich das Prinzip des „White Privileges“ erklärt, ohne erhobenen Zeigefinger. Für euch ihre kurze, pointierte Begrüßung, warum wir auch besten Herzens nicht frei von Rassismus sind:

__Anfang__

Mein Name ist Nicola Hieke,

ich bin von der LKS Bayern gegen Rechtsextremismus, einer Einrichtung des Bayerischen Jugendrings und möchte Sie/Euch alle hier im Namen der Veranstaltenden herzlich willkommen heißen. Der Fachtag ist auf Wunsch des Landesvorstands des Bayerischen Jugendrings entstanden. Mit dem Ziel, sich auch in den eigenen Reihen mit Rassismus oder aber mit Rassismus in den eigenen Reihen, also in der Jugendarbeit auseinanderzusetzen.

[…]

Was ist das eigentlich? Rassismus? Wie funktioniert Rassismus oder welche Funktion hat er? Was oder wer ist rassistisch? Bin ich rassistisch? Ich möchte im Folgenden das Thema kurz aus meiner eigenen, einer weißen Perspektive ansprechen. Im Bereich der rassismuskritischen Arbeit fällt häufig der Begriff des sog. „White Privileg“ – weißer Privilegien. Ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass diesem Begriff mit sehr viel Emotion und Abwehrhaltung begegnet wird. Auch im Freundeskreis.

„Ich bin doch nicht privilegiert, bin doch selber arbeitslos…

„Ich bin doch nicht privilegiert, bin doch selber arbeitslos oder komm grad so über die Runden, kann mir in München auch kaum noch die Wohnung leisten. Ich gehör doch nicht zu den oberen Zehntausend …“, etc.

Aber darum geht es nicht. Der Begriff beschreibt zum einen vielmehr einen Zustand der „Nicht-Diskriminierung“ aufgrund von ethnischen, religiösen und anderen Zuschreibungen, die für viele andere Bürger_innen der Alltag und nicht die Ausnahme ist. Es bedeutet, ich kann hier durch die Straßen laufen ohne dabei für mein vermeintlich fremdes Aussehen anders behandelt zu werden.

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Wenn ich mich bewerbe und gar nicht erst zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werde, dann liegt das vermutlich daran, dass meine Bewerbung schlecht war, meine Qualifikationen nicht ausreichen, andere interessanter waren oder – vielleicht – noch daran, dass ich eine Frau bin. Es liegt aber sicherlich nicht an meinem Nachnamen. Es gibt mehrere Studien und wissenschaftliche Experimente, die nachweislich belegen, dass Bewerber_innen mit ausländisch klingenden Nachnamen schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben und trotz gleicher oder gar besserer Qualifikation gar nicht erst eingeladen werden. Dieselbe Situation am Wohnungsmarkt.

Wenn ich mit meinem Freund unterwegs bin, dann fragt mich niemand ob ich mir den selbst ausgesucht habe oder ob ich zwangsverheiratet wurde. Wenn ich auf Partys neue Leute kennenlerne, werde ich manchmal gefragt wo ich herkomme. Gerade in anderen Gegenden in Deutschlands kommt es vor, dass dann jemand sagt. „Aus München?

Du klingst gar nicht so bayrisch.“

Du klingst gar nicht so bayrisch.“ Mir hat aber noch nie jemand gesagt, dass ich sehr gut Deutsch spreche und ich wurde auch noch nie mit Aussagen konfrontiert wie: Aus München? Nee, das mein ich gar nicht… Wo bist du denn wirklich her?“

Vermutlich habe ich diese Frage aber leider bereits vielen Menschen selbst gestellt, die genau wie ich von hier sind. Das war dann sicherlich nicht böse und keinesfalls rassistisch gemeint. Das bedeutet aber nicht, dass diese Frage nicht rassistisch ist. Dem Gegenüber wird dadurch vielleicht ein Gefühl des Nicht-Hierher-Gehörens, Nicht-Dazugehörens vermittelt. Und das geschieht häufig. Ich selber habe derartige Erfahrungen noch nie gemacht.

Was weiße Privilegien zudem meint, ist das ich von diesem System profitiere. Egal ob bewusst und beabsichtigt, oder nicht.

__Ende__

Die Rede wurde leicht gekürzt und redaktionell bearbeitet. Die Veranstaltung „Hinsehen und Handeln – Rassismus und Islamfeindschaft in der Jugendarbeit“ war eine Kooperationsveranstaltung des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde, Dialog für Demokratie und der LKS.

 

 

 

 

Frauen auf der Flucht

Mädchen, junge Frauen und überhaupt Frauen, die fliehen,  gelten als eine besondere Risikogruppe. Sie sind oft von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen (das reicht von Grenzverletzungen bis sexuellen Übergriffen) und haben auch oft sehr spezifische Fluchtgründe, dazu zählt furchtbarerweise, dass systematische Vergewaltigungen als Kriegswaffe eingesetzt werden.

Die Delegierten der 154. Vollversammlung des Bayerischen Jugendrings haben deswegen zuletzt ein ganzes Paket an Forderungen entworfen, um die Situation von  Mädchen und Frauen  zu verbessern. Hier Auszüge der Forderungen, die vor allem die Verantwortung der EU deutlich machen.

Ausgang: Fluchtursachen sind auch geschlechtsspezifisch

[…] Insbesondere Mädchen und Frauen erleben auf der Flucht häufig geschlechtsspezifische Gewalt und Entwurzelung. Sie sind sowohl in den Herkunftsländern als auch auf der Flucht selbst sowie in den Ankunftsländern zahlreichen Gefahren und Herausforderungen ausgesetzt. Darüber hinaus sind sie von speziellen Fluchtgründen betroffen. Dazu gehören beispielsweise (massive) sexualisierte, geschlechtsbezogene Gewalt und systematische Vergewaltigung, die nach wie vor als Kriegswaffen eingesetzt werden, außerdem zählen hierzu auch Genitalverstümmelung, Zwangsheirat oder Ehrenmorde. Allerdings wird die geschlechtsspezifische Verfolgung nach wie vor allzu oft im europäischen Asylverfahren nicht anerkannt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Deshalb fordern wir:

  • Im Asylverfahren müssen europaweit geschlechtsspezifische Fluchtgründe anerkannt werden, da insbesondere Mädchen und Frauen häufig Opfer von sexualisierter Gewalt sind.
  • Die Agrar- Handels- und Fischereipolitik der EU muss so gestaltet werden, dass sie die einheimische Wirtschaft von Schwellen- und „Entwicklungsländern“ nicht schädigt. Gerade Frauen sind in diesen Ländern die Hauptakteure der Entwicklung.

Europa: Frauenrechtlicher Handlungsbedarf der EU-Flüchtlingspolitik

[…] Vermehrt zeigt sich, dass eine menschenwürdige Behandlung von Geflüchteten in den EU-Randstaaten nicht gewährleistet ist. Humanitäre Visa der EU für die Kernfamilie sind eine Möglichkeit, eine lebensbedrohliche, traumatisierende und teure Flucht zu verhindern. Könnte ein schutzsuchender Mensch einen solchen Visa-Antrag stellen, wäre eine legale Einreise möglich. Momentan ist durch den Europäischen Gerichtshof geregelt, dass ein solches humanitäres Visum von einem Mitgliedsstaat nicht verpflichtend ausgestellt werden muss.

Deshalb fordern wir:

  • Die Entscheidungsgremien der EU müssen sich für sichere und legale Fluchtwege einsetzen.
  • Verpflichtende humanitäre Visa in den EU-Staaten für Schutzsuchende müssen geschaffen werden, um legal in einen Mitgliedsstaat einzureisen. Hierzu gilt es den Visakodex und dessen Kriterien zu überarbeiten, um die Chancen auf die Gewährung des Visums aus humanitären Gründen zu erhöhen. [1]
  • Die Dublin-III-Verordnung muss abgeschafft werden und es müssen neue Regelungen geschaffen werden, die an die Möglichkeiten der EU-Staaten angepasst sind, damit eine sinnvolle und tragfähige Verteilung möglich wird. So kann auch verhindert werden, dass das Dublin-Verfahren scheitert und sich als Folge viele Geflüchtete in Europa illegal aufhalten.
  • Im Asylverfahren braucht es mehr Mitsprache durch die Asylsuchenden. Dies gilt besonders für Mädchen und Frauen, da ihre Situation – wie bereits mehrmals erwähnt – eine besondere ist. So kann z. B. durch präferierte Weiterreisestaaten der asylsuchenden Person (z.B. auf Grund von Beziehungen oder Sprachkenntnissen) u.a. eine Integration deutlich erleichtert werden.
  • Das Asylverfahren muss transparent, verständlich und nachvollziehbar sein. Eine Entscheidung ist zeitnah zu gewährleisten, ohne dass die Qualität des Verfahrens relativiert wird.
  • Der Familiennachzug muss erleichtert werden, da die Familie für die Integration im Einreiseland eine wichtige und tragende Rolle spielt. Quoten lehnen wir ab.
  • Die „Istanbul-Konvention zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Mädchen und Frauen“ ist vorbehaltlos in allen EU-Mitgliedsstaaten zu ratifizieren. [2]

Angleichung der Standards

Leider ist die Aufnahme von Geflüchteten in der EU keine Selbstverständlichkeit. Einzelne Länder lehnen die Aufnahme generell ab und beteiligen sich nicht an gemeinsamen Lösungen. Besonders betroffen sind weibliche Flüchtlinge. […]

Deshalb fordern wir:

  • Der Schutz von Geflüchteten ist als gemeinsame europäische Aufgabe aller Mitgliedstaaten zu sehen. Es braucht ein neues solidarisches System.
  • Die Situation der Frauenrechte ist in den EU-Mitgliedsstaaten sehr unterschiedlich. Die Rechte von Frauen und Mädchen müssen in den Mitgliedsstaaten angeglichen werden. Frauenrechte sind Menschenrechte.
  • Die Standards des Asylverfahrens in den Mitgliedsstaaten sind zu vereinheitlichen. Frauenspezifische Fluchtgründe, wie sexualisierte Gewalt im Herkunftsland (Familie, staatliche Organisationen wie Polizei oder Militär), Missbrauch, Menschenhandel und Gewalt generell sind als Fluchtgründe anzuerkennen.
  • Eine neue gerechte Verteilung der Geflüchteten auf die EU-Mitgliedsstaaten (Verteilungsschlüssel), die die unterschiedlichen gesellschaftlichen, sozialen und finanziellen Ausgangslagen der Aufnahmeländer berücksichtigt. Hier gilt es sozial gerechte Kriterien für die wirtschaftlich unterschiedlich starken Mitgliedstaaten zu entwickeln.
  • Geflüchtete Menschen und im besonderen Mädchen und Frauen brauchen ein Recht auf Beteiligung und Mitbestimmung. Selbstorganisationen von Geflüchteten gilt es durch Förderprogramme zu unterstützen. Ihre Expertise sollte in Beratungs- und (Entscheidungs-)prozesse der europäischen Gremien (Kommission, Rat, Parlament) einfließen.
  • Die Qualifizierung und berufliche Förderung von geflüchteten Frauen und die schulische Bildung von Mädchen gilt es besonders in den Blick zu nehmen, damit sie bei uns ihr Leben eigenständig in die Hände nehmen können und, falls sie zurückkehren, Kompetenzen für den (Wieder-)Aufbau des Herkunftslandes mitbringen.

Europa nach außen

Herkunftsländer

Die EU hat nicht nur innerhalb ihrer Grenzen eine große Verantwortung, sondern auch außerhalb. Durch ihr politisches Wirken in der Welt hat sie einen großen Einfluss darauf, ob Frauen und Mädchen in ihren Heimatländern ihre Rechte wahrnehmen können. Sie sollen in ihren Herkunftsländern ein sicheres, selbstbestimmtes und unversehrtes Leben führen können. Dies ist sowohl ein wichtiges Ziel für die Bekämpfung von Fluchtursachen, als auch für die Situation von Rückkehrerinnen in ihre Heimat. Die Emanzipation wäre nicht nur für die Mädchen und Frauen selbst ein Fortschritt, sondern auch für die Gesellschaft, in der sie leben. In Ländern, in denen Mädchen und Frauen Zugang zu Bildung, Besitzrechten etc. bekommen, ist die Wirtschaftsleistung deutlich gestiegen.

Deshalb fordern wir:

  • In der Entwicklungszusammenarbeit soll die finanzielle Unterstützung direkt an zivilgesellschaftliche Initiativen gehen und sie in ihrer Struktur vor Ort unterstützen. Gelder an Regierungsinstitutionen kommen häufig nicht bei den Bedürftigen an.
  • An Staaten, die Menschen- bzw. Frauenrechte verletzen, dürfen keine Infrastrukturgelder gezahlt werden.
  • Sanktionen der EU dürfen nicht die Zivilbevölkerung treffen, sondern müssen auf Regierungen abgestimmt sein.
  • Es dürfen keine finanziellen Anreize an Regierungen für die Rücknahme von Geflüchteten gegeben werden.
  • Existenzanreize vor Ort müssen direkt an Rückkehrerinnen bezahlt werden.

II. Flüchtlingslager innerhalb und außerhalb der EU

Die Situation von geflüchteten Frauen ist besonders in den Flüchtlingslagern außerhalb der EU prekär. Mädchen und Frauen, die aus ihren Herkunftsländern fliehen, bleiben oft in Flüchtlingslagern im Umfeld ihrer Heimat. Ihre geschlechtsspezifischen Schutzbedürfnisse werden in den Lagern meistens nicht berücksichtigt. Mädchen und Frauen sollten in den Flüchtlingslagern Schutz finden und nicht weiteren Traumatisierungen ausgesetzt werden. Jede Form der Gewalt, Ausbeutung und Menschenhandel auf der Flucht ist nicht hinnehmbar.

Deshalb fordern wir:

  • Die EU muss ihre Verantwortung wahrnehmen und ihren Einfluss geltend machen, damit auch in den Flüchtlingslagern rund um die Fluchtländer die Bedürfnisse von Mädchen und Frauen berücksichtigt werden.
  • Die Anerkennung der besonderen Schutzbedürftigkeit von geflüchteten Mädchen und Frauen bei der Unterbringung in Flüchtlingslagern.
  • Eine geschlechtergetrennte Unterbringung für allein flüchtende Mädchen und Frauen sowie Schutzräume für Familien in den Flüchtlingslagern, auch außerhalb der EU.
  • Schutzräume für geflüchtete Mädchen und Frauen in Flüchtlingslagern, insbesondere in Libyen, wo die Situation für diese besonders kritisch und prekär ist.
  • Eine auf die Frauen und deren Bedürfnisse abgestimmte medizinische Versorgung in den Flüchtlingslagern mit weiblichen Fach- und Unterstützungspersonal, besonders während der Schwangerschaft und Entbindung.
  • Eine diskrete Zurverfügungstellung von Hygiene-Artikeln für geflüchtete Mädchen und Frauen auf der Flucht und in Flüchtlingslagern.

Auf dem Fluchtweg

Die EU muss bei der Sicherung ihrer Außengrenzen die Grenzkontrollen konform mit dem Völkerrecht und den Menschenrechten sowie den europarechtlichen Vorgaben ausgestalten. Artikel 1 der Charta der Grundrechte der EU schreibt die Unantastbarkeit der Menschenwürde für alle Menschen fest. Der Grundrechteartikel gilt sowohl an den EU-Außengrenzen, wenn Menschen dort ankommen, als auch, wenn Menschen u.a. im Mittelmeer in Seenot geraten. Besonders für Frauen und Kinder ist die Flucht auf dem Seeweg in mehrfacher Hinsicht ein Risiko, da sie auch hier der Gefahr von sexualisierter Gewalt, Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt sind.

Daher fordern wir:

  • Geflüchtete Menschen in Seenot sind zu retten. Sie dürfen nicht in Länder zurückgebracht werden, die keine rechtsstaatliche Klärung ihres Schutzstatus gewährleisten und eine menschenwürdige Behandlung versagen. Dies ist besonders für geflüchtete Mädchen und Frauen wichtig, denn sie sind häufig durch Inhaftnahme, Ausbeutung, Missbrauch, Gewalt und Menschenhandel gefährdet.
  • Die EU und ihre Mitgliedsstaaten müssen endlich Verantwortung für die Umsetzung der Grundrechte-Charta übernehmen. Die Rettung von Geflüchteten aus Seenot ist eine staatliche Aufgabe und kann nicht zivilgesellschaftlichen Initiativen überlassen werden.
  • Zivilgesellschaftliches Engagement für geflüchtete Menschen in Seenot darf auf keinen Fall von der EU und ihren Mitgliedstaaten kriminalisiert werden.

Den vollständigen Beschluss zum Nachlesen gibt es hier:

#YourVote #wählengehen #DeinEuropa

134 Teilnehmer_innen diskutierten am 6. April 2019 mit Europaabgeordneten über ihr Europa. Unter ihnen auch Schüler_innen, Engagierte aus der Jugendarbeit mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund. Denn wer #Europa gestalten will, muss auch die Perspektive derjenigen reinholen, die von Entscheidungen auf europäischer Ebene massiv betroffen sind, aber eben unter Umständen gar nicht wählen dürfen, wie zum Beispiel junge Geflüchtete.

Im Workshop von Manina Ott, Projektkoordinatorin Flüchtlinge werden Freunde, standen die Themen Flucht, Integration, Migration und Diskriminierungserfahrungen und Umgang mit LGBTQI im Vordergrund. Alles Anliegen, die den Teilnehmer_innen selbst am 💕 lagen und die sie erst in der Gruppe und anschließend mit Prof. Dr. Angelika Niebler (CSU) und Barbara Lochbihler (die Grünen) diskutierten.

Nicht wählen zu dürfen, aber dennoch bedacht zu werden, darum geht es auch in der Kampagne #YourVoteourfuture des European Council on Refugees and Exiles. Wer wählen darf, ist aufgefordet, ein menschenfreundliches, humanitäres und pro-europäisches Europa zu wählen. Eben in der Wahlentscheidung auch die mitzudenken, die marginalisiert sind, und unsere Stimmen brauchen.

Der Bayerische Jugendring (BJR) hatte in Kooperation mit der Bayerischen Staatskanzlei und dem Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in den Prinz-Carl-Palais zur Erstwähler_innenveranstaltung eingeladen.

 

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Beraten, lauschen, sich austauschen

Wiedersehen, weiterplanen, sich austauschen und Feedback für Projekte einholen. Das konnten die rund 60 Teilnehmer_innen am Freitag, 15. März in der Luise in Nürnberg. Ziel war es, mit der Jugendarbeit in diesem Themenfeld den Kontakt zu intensivieren, neue Ideen zu wirbeln und von den Erfahrungen der Anderen zu lernen.

Spickzettel für den Austausch untereinander

Wer bin ich? Was für Kompetenzen, Ideen bringe ich mit und wo brauche ich Austausch? Jede_r Besucher_in konnte sich auf einem kurzen Handzettel vorstellen und damit leichter das Gespräch mit anderen suchen.

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Illona Schuhmacher, aus dem Landesvorstand des Bayerischen Jugendrings, referiert über die Notwendigkeit das Thema Flucht wieder zurück in die Gesellschaft und die Jugendarbeit zu bringen. Sie verweist auf die Errungenschaften und Forderungen in diesem Themenfeld. Zum Beispiel unser Positionspaper: Für ein Klima der Menschenfreundlichkeit.

Manina Ott stellt aktuelle Zahlen zu Geflüchteten vor und zeigt auf, dass es nach wie vor  in der Mehrheit junge Leute unter 30 Jahren sind, die zu uns kommen und dass sie damit  eine wichtige und selbstverständliche Zielgruppe der Jugendarbeit bleiben werden.

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Am Nachmittag auf der Open Stage stellen sich Teilnehmer_innen und ihre Projekte vor. Hier die Crew Kommunale Jugendarbeit Eichstätt, die unter anderem ein Filmprojekt und ein Theaterprojekt in den letzen Jahren auf die Beine gestellt hat.

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Und auch die Projektregionen stellen am Nachmittag in Kleingruppen ihre Best-Practice vor. Hier steht ein Fotoprojekt im Mittelpunkt.

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Rundherum entspannte und bereichernde Atmosphäre für alle Teilnehmer_innen und es beweist ganz nebenbei: #FlüchtlingesindFreunde! Weitersagen!

 

 

#YourVoteOurFuture

Niemand hat einen höheren Preis bezahlt als die Männer, Frauen und Kinder, die in unseren Gewässern ertrinken oder denen Folter und Ausbeutung in ihren Heimatländern droht. Sie werden unter unmenschlichen Bedingungen an unseren Grenzen festgehalten oder von unserem Boden aus zurück in den Krieg und die Verfolgung deportiert. Weder sie noch Millionen von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Europa werden bei den bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament wählen können. Die kommende Europawahl 2019 im Mai bietet dennoch eine Gelegenheit, die Zukunft europäischer Asyl- und Migrationspolitik zu verbessern, und auch die Anliegen von Geflüchteten einzubringen.

Der europaweiten Kampagne #YourVoteOurFuture von European Council on Refugees and Exiles (Ecre), setzt sich stark gegen die Populisten und Rechtsextremisten und mobilisiert progressive Wähler. Mit der Kampagne will ECRE sowohl Politikern_innen als auch die Bürger_innen Europas, die wählen dürfen, auf die momentane Asyl- und Migrationspolitik aufmerksam machen.

Um was geht es?

Botschaften der Kampagne sind:

  • Wir sind die Mehrheit! Studien der öffentlichen Meinung zeigen durchweg und in allen EU-Mitgliedstaaten, dass die Feindseligkeit gegenüber Migranten und Flüchtlingen ein Phänomen der Minderheiten ist.
  • Wir können gewinnen! Die Mehrheit der Europäer_innen ist bereit, Migranten und Flüchtlinge aufzunehmen und ihre Grundrechte zu respektieren; wenn diese Menschen wählen gehen, kann dies zur Realität werden.
  • Ein Erfolg wird die Politik ändern! Das Europäische Parlament (EP) hat eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Asyl- und Migrationspolitik der EU und hat gezeigt, dass es bereit ist, es anzuwenden.

Was hat das mit mir zu tun, was kann ich machen?

Du kannst zum Beispiel, Sharepics von ECRE nutzen und in den sozialen Medien verbreiten und mit #YourVoteoureFuture taggen. Auf den Sharepics sind Zitate von Personen, die nicht wählen dürfen, aber von der EU-Asyl- und Migrationspolitik am unmittelbarsten betroffen sind, eben Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund.

Oder Du machst Dein eigenes Sharepic und sendes ein Foto und Dein Zitat an ECRE. Hier geht es zu weiteren Infos.


ECRE ist eine paneuropäische Non-Profit-Organisation, die asylunterstützende Organisationen in 38 Ländern bündelt und die europäische Agenda hinsichtlich einer offenen Einwanderungspolitik zu beeinflussen sucht. Die Mission von ECRE besteht darin, die Rechte von Flüchtlingen, Asylsuchenden und anderen Vertriebenen in Europa und in der Außenpolitik Europas zu schützen und zu fördern.

#FlüchtlingesindFreunde

Vernetzungsveranstaltung am 15. März in der Luise

Flüchtlinge sind Freunde; der Name ist Programm. Ein ganzer Tag, um sich zu vernetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen, die letzen Jahren Revue passieren zu lassen und sich über Praxis und Erfahrungen aus der Jugendarbeit mit Geflüchteten  auszutauschen.

Bild von der Luise, die sich gegen Abschiebungen positionieren.

Die Projektregionen stellen an diesem Tag ihre Lieblingsprojekte bzw. Best-Practice vor. Ergänzt wird das Angebot durch Impulsvorträge und Beratungsangebote in den Bereichen Fördermittel, Rassismus und Sichtweisen von jungen Geflüchteten. Hier ist auch Raum, die eigenen Themen vorzustellen und sich mit anderen Teilnehmer_innen auszutauschen.

Auszug aus dem Programm:

11:00 Uhr: Ankommen, gemeinsamer Imbiss
12:00 Uhr: Begrüßung und Impulsvorträge:
Jugendpolitik und Flucht
Ilona Schuhmacher, Mitglied des Landesvorstands des BJR
Flucht ist jung, Manina Ott
Projektkoordinatorin Flüchtlinge werden Freunde
13:00 Uhr Praxisgespräch 1 (Projektregionen)
14:30 Uhr Open Stage
Teilnehmer_innen stellen sich und ihre Themen vor
15.15 Uhr Praxisgespräche Projektregionen
17.15 Uhr Erkenntnisse des Tages
17.30 Uhr Imbiss
18.00 Uhr Musik und gemütlicher Ausklang

Die Veranstaltung findet in der Location Luise – The Cultfactory statt.  Die Luise ist eine Einrichtung des KJR Nürnberg-Stadt, eine unserer Projektregionen. Hier haben in der Vergangenheit immer zahlreiche Projekte auch mit Geflüchteten stattgefunden, etwa der offene Treff „Geflüchtete und Freunde“ sowie Spieleabende und Turniere.

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Auf Dich, Menschlichkeit!

Warum stoßen wir miteinander an? Auf was trinken wir? Für was bist Du dankbar? Was verbindet uns Menschen? Wie gleich ist gleich?

Das sind nur einige der Impulsfragen, die die Macher_innen der Aktion „Auf dich, Menschlichkeit“ in den Köpfen hatten. Mit der Aktion zum Thema Menschlichkeit möchte der Kreisjugendring München-Land im Rahmen des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde auf Liebe, Offenheit, Mut und Dankbarkeit anstoßen. Denn schließlich philosophiert und diskutiert der Mensch gerne bei einem Getränk. Wie wäre es da mit ein paar Impulsen, die uns zum Menschlichsten zurückführen und eben nicht davon wegbringen?

Dazu haben sie vier Untersetzer und Aufkleber gebastelt, die in allen Jugendfreizeitstätten an der Theke ausliegen und auch in ausgewählten Lokalen in München. Auf den Seiten des KJR München-Land gibt es noch weitere Infos zur Aktion.

Was ist Rassismus?

Rassismus negiert die Gleichwertigkeit der Menschen. Rassismus ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher Rassen basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Bei Rassenkonstruktionen werden Gruppen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe. Dabei hat die privilegierte Gruppe, die eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert, die Macht, ihre Definition und Zuschreibung als legitim durchzusetzen. Die Konstruktion eines „Wir“ gegen die „Anderen“ sichert denen, die zum „Wir“ gehören, Privilegien und den Ausschluss gleichberechtigter Partizipation der „Anderen“. In erster Linie dient Rassismus also der Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition einer Gruppe. Damit sind beim Rassismus unterschiedliche Handlungsebenen relevant:

A. Ideologie oder Weltanschauung, die Ungleichwertigkeit legitimiert.

Rassismus etabliert ein Deutungs- und Erklärungssystem, das die Höherwertigkeit der eigenen Gruppe der Abwertung der „Anderen“ (Minderwertigen/Feinde) gegenüberstellt.

B. Individuelle oder kollektive Strategie und Praxis für rassistisches Handeln, um „die Anderen“ zu bekämpfen.
Die Folgen für Betroffene sind auf der individuellen Ebene ebenso wie auf der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen. weitreichend. Sie reichen von Diskriminierung, institutionellen und strukturellen Benachteiligungen, der Vorenthaltung von Rechten bis hin zur Unterdrückung.

C. Machtsystem (eine Herrschaftsform), das rassistische Praxis durchsetzt.
Ziel des Systems ist die Absicherung von Privilegien, der Machtausübung und Kontrolle sowie  des Ausschlusses der „Anderen“ von Teilhabe und Ressourcen. Diese Ebenen spielen ineinander und beeinflussen sich wechselseitig

Definition aus: Potential Vielfalt. Eine Arbeitshilfe zur Interkulturellen Öffnung der Jugendarbeit in Bayern, BJR, 2018.

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Die eigenen Privilegien checken

Wer sich mit Jugendarbeit mit Geflüchteten auseinandersetzt, muss sich auch mit Rassismus beschäftigen. Anke Zimmermann, Projektmitarbeiterin von Flüchtlinge werden Freunde und Fachfrau im Bayerischen Jugendring für Bildungskonzepte gegen Rassismus und Diskriminierungen mit Schwerpunkt auf Flucht, gibt im Folgenden einen Einblick, warum es unerlässlich ist, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, wenn man im Themenfeld Flucht unterwegs ist.

Anstieg von Feindseligkeiten

Anfeindungen gegenüber geflüchteten Menschen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auch Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sehen sich häufig mit Hass oder gar Gewalt konfrontiert. Besonders auffällig ist derzeit im Diskurs zum Thema Flucht der antimuslimische Rassismus. Rassismus war und ist kein Randphänomen der Gesellschaft und ist auch alles andere als „ein Problem der Jugend“. Allerdings kann gerade die Jugendarbeit Lösungsansätze und -strategien aufzeigen, die übertragbar sind. Die Angebote der Jugendarbeit sprechen viele Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung an, für die es anderweitig kaum Beteiligungsmöglichkeiten gibt. In der Jugendarbeit erfahren diese Menschen, dass ihre Meinung zählt, dass sie ganz selbstverständlich dazugehören, mitgestalten dürfen – ein klarer Kontrapunkt zur Ungleichbehandlung, Abwertung und Perspektivlosigkeit in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Rassismuskritische Jugendarbeit

Gerade deshalb sind rassismuskritische Jugendarbeit und fortwährende Sensibilisierung für das Thema wichtig. Rassismuskritisch zu sein heißt immer, einen kritischen und klaren Blick für die eigenen Privilegien zu haben oder zu entwickeln. Nur dann wird deutlich, wo es nicht so weit her ist mit gleichberechtigter Teilhabe oder Chancengleichheit. Jugendarbeit kann sicher nicht für alle Probleme geeignete Lösungen liefern, aber sie kann eigene Konzepte und Ideen entwickeln und vor allem mit geeigneten Worten kritische Fragen stellen.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht. Sie heißt, eigene Denkmuster und Verhaltensweisen ebenso zu hinterfragen wie die eigene Sprache, denn Worte schaffen Realitäten. Welche abwertenden und diskriminierenden Bezeichnungen sind schon gefallen für Menschen mit Fluchterfahrungen? In den sozialen Netzwerken? Im öffentlichen Raum? Im Freundes- und Familienkreis?

Hartnäckig und wertschätzend bleiben

Das bleibt nicht ohne Folgen. Hier braucht es viele kleine Taten, etwa gezieltes Widersprechen, wenn menschenverachtend gesprochen wird, und Einstehen für einen wertschätzenden Umgang miteinander. Hier kann jede_r im eigenen Umfeld anfangen, die richtigen Worte zur richtigen Zeit finden und verbreiten. Wichtig ist auch der beständige Hinweis auf die vielen positiven Begebenheiten, auf positive Geschichten, die erzählt werden wollen und noch viel mehr erzählt werden müssen.