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Mit Gemüse gegen Rechtspopulismus

Brokkoli, Aubergine und Kartoffel im Kampf gegen rechtspopulistisches Gedankengut – das gibt es in der Broschüre zur Kampagne „Auf die Plätze gegen Hetze“ des Verbandes Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder – VCP.

Entstanden ist das kleine Heftchen auf Grundlage des Beschlusses  „Auf gute Nachbarschaft“ der 46. Bundesversammlung, mit dem sich der VCP bewusst gegen jede Form von Diskriminierung und Rechtspopulismus stellt und dazu aufruft, aktiv, lautstark und friedlich Position gegen diesen gesellschaftlichen Trend zu beziehen.

Die „Deutsche Pfadikartoffel“ verkörpert dabei als Maskottchen wie kein anderes Gemüse das stereotype Bild von Deutschen im Ausland – dabei kommt sie selbst ursprünglich aus Südamerika. Sie bringt durch ihre Nachfragen die Leser_innen  sowohl zum Nachdenken als auch zum Schmunzeln und entlarvt rechtsextremistische Ideologien als Vorstellungen von Ungleichheit und Diskriminierung und rechtspopulistische Strategien als Hetze.

Mehr zur Geschichte dieser Kampagne wird hier erzählt.

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Offene Ohren und starke Netzwerke

Neues aus der Projektregion Nürnberg des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde: Beim Kreisjugendring Nürnberg-Stadt berät seit diesem Sommer Katarina Stein als pädagogische Mitarbeiterin zur Arbeit mit jungen Geflüchteten.

Wer bist Du und was machst Du für Flüchtlinge werden Freunde?

Mein Name ist Katarina Stein, ich bin 27 Jahre alt und seit Juli 2017 neue Mitarbeiterin beim Kreisjugendring Nürnberg-Stadt im Bereich „Jugendarbeit und junge Geflüchtete“. Für das Projekt Flüchtlinge werden Freunde bin ich Ansprechpartnerin für Verbände und Einrichtungen des Kreisjugendrings. Wichtig dabei ist es, ein offenes Ohr zu haben, Vernetzung und Hilfestellung zu bieten und Angebote zu gestalten.

Was verbindest Du mit Flüchtlinge werden Freunde?

Positives! Ich verbinde Flüchtlinge werden Freunde vor allem mit Netzwerken und fachlichem Austausch, aber auch mit Begegnungen.

Was brauchst Du in Deiner täglichen Arbeit am meisten?

Meinen Kalender mit viel Platz für Notizen und Post-Its. Und eine Notfallration Nervennahrung kann auch nicht schaden.

Wie kann man Dich erreichen?

Am besten schreibt man mir eine E-Mail oder ruft mich im Büro an. Dort bin ich von Montag bis Mittwoch  zu erreichen.
k.stein@kjr-nuernberg.de
Tel. 0911 / 81007 – 14

Sich trauen über Sexualität zu sprechen

Qualifizierungen, Workshops, Fortbildungen; auch das sind Angebote der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten und des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde. Denn nur wer sich auch thematisch und inhaltlich mit dem weiten Thema Flucht auseinandersetzt, kann in der Jugendarbeit passende Angebote machen oder die Jugendarbeit hier beraten. Für viele ein verzwicktes und nicht ganz so einfach: das Sprechen über Sexualität. Unsere Projektregion, der Stadtjugendring Augsburg hat dazu einen Workshop angeboten, den wir gerne unterstützt haben. Hier veröffentlichen wir ihre Pressemitteilung dazu.

Umgang mit „Sexualität und Flucht“: Ein Workshop zum Abbau von Berührungsängsten und Verschlossenheit

Mit dieser Fragestellung beschäftigten sich ehrenamtlich Aktive am Samstag, 14. Oktober 2017, im Rahmen des Workshops „Sexualität und Flucht“, der vom Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ gefördert wurde. Im Jugendhaus kosmos des Stadtjugendring Augsburg (SJR) gestalteten zwei Teamende der Initiative Intersektionale Pädagogik (kurz I-PÄD), einen Nachmittag voll Diskussion und Reflexion.

Mut zu heiklen Themen?

In der Arbeit mit jungen Menschen gibt es wohl kaum ein heikleres und intimeres Thema als Sexualität. Egal ob im Verein, der Jugendorganisation oder in Einrichtungen der Offenen Jugendarbeit: Beim Thema „Sexualität“ stößt man oft auf Berührungsängste oder Verschlossenheit und es stellt sich die Frage, wie ein Zugang hergestellt und Raum für Gespräche und Diskussionen geschaffen werden kann. Der Workshop zielte darauf ab, die Teilnehmenden für den Umgang mit Jugendlichen zu sensibilisieren und Strategien zu erarbeiten, die einen offenen Umgang ermöglichen. Durch die Thematisierung und Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität wurden Konzepte erarbeitet, wie ein Zugang zu den Jugendlichen sowie ein Bewusstsein für die komplexen Identitäten von Jugendlichen mit- und ohne Fluchterfahrung, geschaffen werden kann. Am Ende dieses langen Tages waren alle Teilnehmenden motiviert und inspiriert für ihre Arbeit mit jungen Geflüchteten.

Pfadfinder tragen eine Fahne mit dem Logo der Aktion "Auf die Plätze gegen Hetze"

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Die Pfadi-Kartoffel gegen Hetze

Kartoffeln, das sind nicht nur schmackhafte Knollen, das ist auch eine Bezeichnung für  sogenannte Biodeutsche. Und das, obwohl die Kartoffel eigentlich ein Kolonialprodukt ist. Eine ganz besondere Rolle spielt die Kartoffel beim Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder, und zwar als Vorurteilbekämpferin. Über die Kartoffeln und ihre Rolle in der Kampagne des VCP „Auf die Plätze gegen Hetze“ haben wir mit Lena Simosek vom VCP gesprochen:

Wieso braucht es die Kampagne „Auf die Plätze gegen Hetze?“

Rechtspopulistische und rechtsextreme Einstellungen finden weiter den Weg in die Gesellschaft. Das spiegelt sich auch in den Wahlergebnissen der AfD oder der FPÖ in Österreich wieder. Hassparolen gegen Geflüchtete, Politiker_innen oder Journalist_innen wurden auch mit Pegida lauter. Wir wollen uns aktiv gegen Diskriminierungen und Vorurteile positionieren.

Du hast gesagt, dass Anfeindungen gegen Geflüchtete zugenommen haben. Habt ihr das auch im Verband gespürt und wenn ja, wie?

Eher im Gegenteil. Seit 2015 viele Geflüchtete nach Deutschland kamen, haben viele Stämme versucht zu helfen. Man hat Kinder zu Gruppenstunden und Fahrten eingeladen, Begegnungscafés veranstaltet und vieles mehr. Auch auf unserem Bundeslager hatten wir einige geflüchtete Jugendliche unter den Teilnehmenden. Schade ist, dass es für solche Aktionen viele bürokratische Hürden gibt.

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Wie kamt ihr auf die Idee mit Gemüse gegen Vorurteile anzukämpfen?

In einer Telefonkonferenz zu dem Heftchen kam Fabian aus unserer Projektgruppe mit der Idee an. Obst und Gemüse sind gut zu illustrieren und eignen sich gut dazu, Vielfalt zu visualisieren. Die deutsche Pfadi-Kartoffel, der Hauptcharakter in dem Heftchen, hat natürlich auch ironischen Charakter. Sie kann mit Deutschland assoziiert werden (nicht umsonst werden Menschen deutscher Herkunft gerne als Kartoffeln bezeichnet, Anm. d. Red.), dabei kommt sie eigentlich aus Südamerika.

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Welche Aktionen sind mit der Kampagne verbunden?

Ihren Auftakt hatte die Kampagne auf dem Deutschen Evangelischen Kirchentag in Berlin, wo zum ersten Mal das Kartoffel-Heftchen verteilt wurde. Außerdem gab es noch einen Workshop und eine Podiumsdiskussion.  Nachdem wir den inhaltlichen Schwerpunkt unserer Bundesversammlung entsprechend gestaltet hatten, gab es auf dem VCP-Bundeslager verschiedenste Workshops zu Themen wie Rechtsextremismus, gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit und Demokratiebildung. Wir freuten uns sehr über die zahlreichen interessierten Teilnehmer_innen. Außerdem entstand eine Arbeitshilfe, mit der sich Gruppen vor Ort mit Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auseinandersetzten können. Auf dem VCP-Blog werden weiter Ideen für Gruppen veröffentlicht. Zur Bundestagswahl haben wir z.B. nochmals verschiedene Anregungen und Gruppenstundenideen geliefert. Wer uns von seinen Aktivitäten eine Rückmeldung mit Bildern und einen kleinem Text zuschickt, bekommt im Austausch den Badge bzw. Aufnäher zur Kampagne.

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Was für Reaktionen habt ihr bisher bekommen?

Wir haben viel positives Feedback bekommen. Das Kartoffel-Heftchen kommt gut an. Leider reden die Leute oft mehr über Kartoffelsalat als über die Inhalte der Kampagne. Aber neben Kartoffelsalat- und -gratin gab es auch schon eine Gruppe, die sich durch die Kampagne ermutigt gefühlt hat, an einer Demonstration gegen Rechts teilzunehmen, in Pfadi-Kluft. Es gab Gruppen, die einen Stand beim Stadtfest gestaltet haben, und wir haben eben auch Rückmeldungen dazu bekommen, wie Gruppen mit der Handreichung arbeiten.

Wer kann mitmachen?

Jede_r kann und sollte mitmachen, wenn es darum geht, sich gegen Menschenfeindlichkeit und für Toleranz einzusetzen!

Wo bekomme ich die Heftchen?

Die Arbeitshilfe und auch das Kartoffel-Heftchen kann man auf unserer Internetseite bestellen.

 

 

 

 

Pancakes and Human rights

Freiwilligenarbeit im Flüchtlingscamp in Dünkirchen

Im Sommer 2017 besuchte Manina Ott, Projektkoordinatorin von Flüchtlinge werden Freunde, den Kurs „Refugees +“ in Brüssel. Die europaweite Fortbildung im Rahmen von Erasmus+ richtete sich an Aktive in der Jugendarbeit, die bereits Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten hatten. Aus 14 Ländern kamen Jugendarbeiter_innen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen und Methoden und praktische Ansätze für die eigene Arbeit mitzunehmen. Deutlich wurde: das Thema Flucht beschäftigt die Jugend in ganz Europa, ob in Irland, der Türkei, Spanien oder der Slowakei. Dort lernte Manina auch Clara Eyckerman aus Belgien kennen, die sich ehrenamtlich für Geflüchtete in einem Erstaufnahmecamp einsetzt.

Was sie dabei erlebt hat, war so spannend, dass wir sie gebeten haben, ihre Erfahrungen für diesen Blog aufzuschreiben.

 

I am Clara, 21 years old, and I decided to set up my life a bit differently this year and began to study part-time instead of full-time. I had different reasons for this: firstly I felt that after years and years of “being lived” by school and my studies, I wasn’t quite ready to get my diploma the following year. Which would have meant that I would already have to know what I wanted to do for a living. I hadn’t even had time to get to know myself properly. Secondly because… why rush? And thirdly: I felt a lot wasn’t going well around me and I wanted to see how useful I could make myself in opposing this.

Fighting for human rights with „Humain“ in Duinkerke

At the beginning of the year, I was quite disoriented. But media coverage and a strong sense of justice led me to an organisation of which I thought was reliable, credible and had a critical enough point of view: vzw Humain. Humain is a relatively young organisation, but with a strong vision. They fight for human rights, want equal chances and general well-being for all individuals and minority groups, and they want to put a certain pressure on politics and to modify negative images of refugees in media and society. I went with them to the refugee camp in Duinkerke for a several times. Duinkerke is in the very north of France, just across the Belgian border.

When you get close to the camp, which is situated very near to the exit of the highway, you already notice that the atmosphere changes and starts to become heavy somehow. You start seeing small groups of two to five people walking between the high roads, poorly dressed, sometimes in very dangerous places.

When you get close to the camp, the atmosphere starts to become heavy somehow

Most of them don’t really seem to know where they are going. The closer you get to the camp, the more people wandering about appear. Also the presence of police is palpable. At the entrance to the camp there is a little container where you have to register with the police before entering and show what you’re bringing in. Sometimes the policemen are very denigrating towards you. When you finally get permission to enter, there’s a big shelter on your left where men are just hanging around and charging their mobile phones. Once you have passed that there’s only a huge stony and polluted field with over 200 small wooden cabins of only one room for several people – sometimes whole families – to sleep in, but still not enough, and sometimes a bigger shelter: most of these are claimed by men except for one women’s and children’s centre. Most people seem to just be walking around, to nowhere and back. Some people are sitting and staring into space, some people meet up in front of their little cabins and listen to music or prepare a small meal on an improvised fire.

Clara (middle) at the camp

Most of the times we go there with Humain we set up a little kitchen and cook a meal or make pancakes for the people, while there is another group of volunteers that goes around talking to everyone and trying to collect information about life in the camps. How many women and children are there? Is there enough food for everyone? Sanitary facilities? Are people smugglers active in the camp?…The aim is to write a clear and honest account of everything we know and publish it in order to fight the prejudices of the socio-cultural mainstream and to put pressure on politics. Also to be in a better position to provide what the people in these camps really need.

The aim is to write a clear and honest account of everything we know and publish it in order to fight the prejudices of the socio-cultural mainstream and to put pressure on politics

After a while, Duinkerke burnt down after a fight that escalated between people in the camps. The same happened to the camp that used to be in Calais. It is very understandable that fights escalate this far when people are forced to live together with so many others under these circumstances in such small places, constantly repressed by the police and administrative procedures. But of course that leads to everyone having to move again to nowhere, creating complete chaos, many people forced onto buses to closed centres and unknown places, and many families split up.

I also went there one time when Duinkerke was already burnt down, with a big backpack filled with food, through a forest in the neighbourhood of the previous camp. Looking for people. These were all very bizarre experiences for me, yet I learned a lot. Every time I went, I had the same kind of abstract and ambivalent feeling about it. Every time we arrived, I felt like drifting away from my body. It was nothing new to me: injustice, poverty, threatening police,… – in other words: the perfect summary of the effects of a f*d-up society, led by blindness and money, which is always the same in a certain way. I had never closed my eyes on these things before, I had read a lot and had had some unpleasant encounters with police already, but still. Going there struck me in a certain way.

We tried to collect provisions and things such as clothes and blankets, baked pancakes etc. But first of all, we tried to talk to the people who lived there. We tried to collect information about their life circumstances, governmental policy and hierarchy in the camps, the work of the smugglers, so that we could write and publish reports about all of this afterwards. In the evenings, when we returned from the camp, I felt like reuniting with myself again. I still find it impossible to understand that places like this really exist, only about 100 km away from my home. There is a really weird atmosphere in these camps. You feel like entering a completely different world. A different country on a different planet. Sometimes, it’s hard to understand why people are staying there, or how they even got there. Most of them are made believe that England is where they have to go. That life will get much easier and better there, finally.

I still find it impossible to understand that places like this really exist, only about 100 km away from my home.

They are ready to risk their lives for the crossing. This idea is mostly spread by the smugglers, who make money out of people in despair, unchecked by a hypocrite government. Most of the refugees have crossed the whole European continent and have been treated like dirt along the way, so their aversion to countries such as France or Italy is completely understandable.

The biggest problem is the lack of information

But the biggest problem is, as I see it, the lack of information. The people who end up in the camps have started a journey, not knowing where to go, only knowing where they flee from and what they absolutely don’t want to go back to. In a certain way, they just “go with the flow”. Along the way, many different stories and myths are told, but no one actually seems to know where to ask for asylum, and how, and what it takes. So they just don’t take the risk of asking for asylum and possibly being sent back home for some incomprehensible reason. Or they simply don’t even know where to start, what the options are.

After a day like that, getting to bed is one of the weirdest feelings I can describe. Knowing that the people you have met that day are still there, in these circumstances. And you can’t do anything about it. This realisation and discrepancy almost physically hurt the first time.
Now, after a several visits and some perspective-changing encounters and experiences later, I’m starting to be able to understand what a place like that really is, what it means, where it comes from, how people get there and how it must be for them to live there.

After a day like that, getting to bed is one of the weirdest feelings I can describe. Knowing that the people you have met that day are still there

Even though I had already been convinced of the notion that we are all of equal value, with equal fundamental rights and equal longings for freedom and safety, and that no one should live in such circumstances, before I started going to the camps with Humain, I still feel I needed to abandon some prejudices I still harboured. Prejudices that I held unconsciously. Probably I am also not 100% insensitive to the media’s and mainstream influence.

The next question is, after the personal development I went through with these experiences: what can I do about it and is it going to have an impact? Is this ever going to change?
I feel like I’m not ready yet to answer this question, but my provisional answer is this: at this moment I don’t really care if it’s going to have an long-term impact. I just can’t let this happen without at least trying to change or protest against it. And that’s enough motivation to keep on doing what I do, for now.

Menschen, die zu Fuß durch Europa gehen…

Eine europäische Perspektive auf Flucht? Wie kann sie aussehen? Was kann Jugendarbeit hier tun? Und vor allem: wie kann eine europäische Jugendarbeit aussehen? Wir haben die Veranstaltung  „New Perspectives. European Experiences of Youth Work and Migration“ genutzt und die Experten vor Ort befragt:

Alexios Georgalis reiste für die Veranstaltung aus Griechenland an. Er arbeitet unter anderem als Berater für die Vereinten Nationen und ist ein Pfadfinder mit einem goldenen Herz. Er war unter anderem mit Pfadfindergruppen in Flüchtlingslagern und den Häfen auf Lesbos unterwegs, um das Leben der Menschen erträglicher zu gestalten. Und sei es nur, Kindern Luftballons zu schenken. Er antwortet folgendermaßen:

„Europa kam mir auch sehr groß vor, aber ich sehe jetzt, dass Leute durch Europa laufen. Europa ist klein. Es wäre unglaublich wichtig, Know-how auszutauschen. Deutschland hat eine Jugendarbeit, die  Jahrzehnte zurückblicken kann. Das ist in Griechenland nicht der Fall. Wir mussten Sachen entdecken, sage ich mal so.

Wir haben an der Front Sachen gesehen, die man theoretisch nicht begreifen kann.

Wir haben an der Front Sachen gesehen (in den Camps, Anmerkung der Redaktion), die man theoretisch nicht begreifen kann. Es wäre unglaublich wichtig ein technisches Know-how zu haben. Das wäre die erste Phase, in der sich die Jugendarbeiter_innen wirklich austauschen, dass sich die Strukturen, die Ministerien austauschen. Weil, es ist viel Wissen in den letzten Jahren entstanden. Und die zweite Phase wäre die eigentliche Arbeit, in der welcher Austausche von Freiwilligen stattfinden. Wir haben ein europäisches Programm gestartet, das heißt „Time to be welcome“. Das läuft mit Freiwilligen aus ganz Europa, die in den Camps arbeiten. Zusammengefasst würde ich sagen: Einerseits strukturellen Austausch der Jugendarbeit und den auch auf politischer Ebene fördern und dann eben Hände. Hände, die wirklich helfen.“

Aidan Farrelly ist quasi ein alter Hase was Jugendarbeit angeht und extra aus Irland gekommen. Er macht in seinem Eingangsstatement klar, das er selbst stark von Jugendarbeit profitiert habe, das er das weitergeben will. Er arbeitet mit Jugendlichen und auch mit jungen Geflüchteten zwischen 11 und 25 Jahren in verschiedenen Communities  unter anderem zu den Themen Alkohol, Drogen, Sucht. Er macht sich in seinem Vortrag immer wieder dafür stark, Jugendliche in ihrer Vielfalt wertzuschätzen und sie zu empowern.

„I find it fascinating speaking to different youthworkers across europe. What youth work looks in Ireland is completely different what it looks like in Germany or Greece. So I think from a strategic point of view there is definitely a call or a cause for maybe national councils or youth work departments in which people sit down regularly and speak not only about what youth work means to them but where they see the professional your work develop over time. And again the needs of young people and even young refugees in Ireland will be very different. I think all comes back to education.

I think we can all learn an develop from speaking to each other.

I think we can all learn an develop from speaking to each other. That is why I find days as today so valuable for myself and on an European level.“

Glauco Iermano war zuletzt im Oktober zu Besuch im Bayerischen Jugendring (BJR) Glauco arbeitet bei Dedalus, einer neopolitanischen Nichtregierungsorganisation, die sich u.a. um junge Migranten_innen kümmert und ist ein gern gesehener und engagierter Gast im BJR.

 „In Italy we don’t have this culture of youth work. I start to unterstand that difference when I first came here. We have a little youth council but we organize it in a different way. Our welfare state is very little and has a range of different targets: old people, families, immigrants, children, youth. So we don’t have these kinds of activites. I’m very happy to share my experiences, because the differences between the approaches become more clear.  Because when the differences are more clear, than it is also clear how to act.

Now that we all share the same problem – even if I don’t like to call it a problem.

Now that we all share the same problem – even if I don’t like to call it a problem. It is a concern for all European countries. And this is another option to discover differences between us and than we can start to fix the common points.“

Nachmittags waren verschiedene Workshops angesagt. Zum Beispiel mit Aidan, der Methoden aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit aus Irland vorstellte, etwa den wunderbaren Wertebaum.

Der Fachtag New Perspectives fand im Rahmen von Flüchtlinge werden Freunde in Kooperation mit Lea Sedlmayr, Referentin für europäische Jugendpolitik im BJR. Eingeladen waren haupt- und ehrenamtliche Fachkräfte aus der Jugendarbeit in Bayern. Ihre persönlichen Perspektiven auf Jugendarbeit und Flucht erläuterten internationale Experten aus Irland, Griechenland und Italien. Dazu gab es Vorträge, eine Fishbowl-Diskussion und am Nachmittag Workshops aus der Praxis der Experten aus ihren Heimatländern.

Deutlich wurde, dass die Realitäten sehr verschieden sind, aber die Haltung und die Werte,  die gleichen sind.

Deutlich wurde, dass die Realitäten sehr verschieden sind, aber die Haltung, mit der gearbeitet wird und die Werte, die in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten gelebt werden, sind in verschiedenen europäischen Ländern die gleichen. Hier voneinander zu lernen und gemeinsam aktiv zu sein, machte allen Teilnehmer_innen Lust auf mehr.

Wer mehr über die Strategie zur europäischen Jugendpolitik des BJR erfahren möchte, oder Interesse an europäischen Themen hat, bitte hier weiterlesen: Auch das Aktionsprogramm „Flüchtlinge werden Freunde“ hat bereits von europäischen Kooperationen profitiert. So entstand die Fortbildung zum Jugendintegrationsbegleiter_in nach einem Fachkräfteausstausch mit Dedalus aus Italien.

 

 

 

 

Mit Stift, Zettel und Kaffeetasse…

Flüchtlinge werden Freunde ist bayernweit aktiv

Jugendarbeit mit Geflüchteten heißt ansprechbar sein, zuhören, sich vernetzen, neues wagen. Besonders gut gelingt uns das durch die Idee der Projektregionen bzw. Knotenpunkte von Flüchtlinge werden Freunde. Sie sind ansprechbar für die  Jugendarbeit in der Region. Insgesamt gibt es sieben Projektregionen, angelehnt an die sieben Regierungsbezirke. Wir stellen euch in nächster Zeit die jeweiligen Ansprechpartner_innen vor. Wer zum Beispiel in der Oberpfalz seine Jugendgruppe hat und auch Angebote für junge Geflüchtete entwickeln will, der oder die kann sich an Katharina Libon wenden. Katharina arbeitet beim Stadtjugendring Regenburg und ist für die Jugendarbeit mit Geflüchteten auch viel beratend unterwegs…

Wer bist Du und was machst Du für Flüchtlinge werden Freunde?
Mein Name ist Katharina Libon, ich bin 24 Jahre alt und bin seit über zwei Jahren in der Arbeit mit Geflüchteten tätig. Für das Projekt „Flüchtlinge werden Freunde“ besuche ich viele Einrichtungen in Regensburg, die sich für Geflüchtete einsetzen und biete Schulungen und Workshops für Jugendliche an.

Was verbindest Du mit Flüchtlinge werden Freunde?
Flüchtlinge werden Freunde ist ein tolles Projekt, das Integration erfahrbar macht und Begegnungen ermöglicht.

Was brauchst Du in Deiner täglichen Arbeit am meisten?
Am meisten in meiner täglichen Arbeit brauche ich Kaffee und viele, viele Haftnotizen für die vielen Termine und Telefonnummern!

Wie kann man Dich erreichen?
Am besten per Email:  <katharina.libon@jugend-regensburg.de> oder auf dem guten alten Festnetz: 0941-561610.

 

Drei Blüten vor blauem Himmel

Da blüht was! …auf diesem Leporello

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert,“ so war die Themenwoche auf diesem Blog überschrieben, in der im Juni 2017 verschiedene Autorinnen und Autoren furchtlos die die Herausforderungen in der Jugendarbeit mit jungen Geflüchteten in den Blick nahmen. Es ging um Widerstände, um Gewissheiten, die vielleicht keine mehr sind, und darum, dass Jugendarbeit mit Geflüchteten immer wieder auch schwierig und frustrierend sein kann. Mit den Beiträgen zu dieser Themenwoche wollten wir den oft allzu einfachen Antworten auf komplexe Fragen die Mehrdimensionalität dieses Arbeitsfelds entgegensetzen. Und Mut machen, dran zu bleiben, Mut, sich selbst zu reflektieren. Die eigene Haltung, die eigene Sprache. Denn wenn es in der Jugendarbeit echte Offenheit, Begegnung auf Augenhöhe gibt, dann kann sie der Ort sein, an dem junge Geflüchtete Halt finden.

Leporello gedruckt und digital – kostenfrei

All diese Gedanken trägt das Leporello zur Themenwoche mit dem Titel „Da blüht was!“ zusammen. Es ist unterteilt in fünf DIN A6-Postkarten, an den Falzkanten perforiert und zerteilbar („Wurzeln geben Halt“ – „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert…“ – „Heute geöffnet“ – „Manchmal tut es weh“ – „Da blüht was“). Die Vorderseite zeigt unseren blühenden Baum, der dieses Blog bereits während der Themenwoche geschmückt hat.

Wer nachlesen, nachdenken, sich inspirieren lassen will, kann diesen kleinen, gehaltvollen Flyer kostenlos im Webshop des Bayerischen Jugendrings bestellen, gedruckt oder als Download.

© BJR | Frank Röthel

Wir waren Mitanand

Friedlich, bunt, mitanand – das war das  Mitanand Open Air am 9. September beim Jugendhaus Karlsfeld. Vor und hinter den Kulissen dieses ersten Festivals des Bayerischen Jugendrings war dieses Miteinander geprägt von gut gelaunter Offenheit und dem Spaß an der Begegnung.

Miteinander reden, nicht übereinander

Ein Zeichen für Integration und Offenheit, gegen Diskriminierung und Ausgrenzung wollte der BJR mit dem Mitanand setzen. Anerkennen und sichtbar machen, dass junge Geflüchtete längst bei uns angekommen sind, in der Jugendarbeit und in Bayern. Zeigen, was Jugendarbeit mit Geflüchteten alles leistet. Mit einem starken Gemeinschaftserlebnis Lust machen, weiterzugehen auf diesem Weg, der nicht immer eben ist und der vielleicht auch den einen oder anderen Frust bereit hält. Heraus kam eine Party, bei der das Vergnügen am Miteinander in der Luft lag. Bis spät in die Nacht.

Mitanand Open Air am 9.9.2017 in Karlsfeld from Bayerischer Jugendring on Vimeo.

 

Unser riesengroßer Dank gilt

…den vielen Helferinnen und Helfern, ohne deren Einsatz das Mitanand niemals möglich gewesen wäre,
…den 19 Jugendorganisationen, die mit ihren Angeboten ganz viel Lebendigkeit und Miteinander auf das Gelände zauberten,
…den vielen Künstlern und Künstlerinnen, die uns mit ihrer Musik begeistert haben,
…unseren Kooperationspartnern, dem Kreisjugendring Dachau und der gemeindlichen Jugendarbeit Karlsfeld für die immer gute Zusammenarbeit
…und nicht zuletzt allen Besucher_innen, geflüchtet oder nicht, die an diesem Tag so unerhört entspannt gezeigt haben, wie diese Gesellschaft sein könnte.

Beschilderte Vielfalt

Partystimmung trotz Nieselregens mit Rainer von Vielen

Die Jugendintegrationsbegleiter_innen bieten ihre Übersetzungskünste an

Großer Zulauf beim Tanzworkshop der Pfadfindergruppe Dolabani von der Assyrischen Jugend Augsburg

Den ganzen Tag was los im Zelt der Begegnung

Feiner Hip Hop von der Refugee Rap Squad

JUZ im Kleinen: viele Spiele zum Ausprobieren beim Stadtjugendring Augsburg

Wollen wir sofort wieder hören: die Nürnberger Band Yohto

Armbänder aus Paracord knüpfen mit dem Willkommen in München-Team des KJR München-Stadt

Nass und zufrieden: Matthias Fack, BJR-Präsident und Michael Voss, Vizepräsident

Jesper Munk mit seelenvollem Sound

Das Jugendhaus h20, Stadtjugendring Augsburg, rief zum Actionpainting, voilà: das große Mitanand-Kunstwerk

Junge Geflüchtete aus Afghanistan zeigten beim KJR Augsburg-Land, wie man Lenkdrachen baut

Rockten das Mitanand bis spät in die Nacht: Headliner Django 3000

 

Pinnwand mit verschiedenen Bildern, eine Hand zeigt darauf

Schreib mich auf Arabisch

Seit Sommer 2017 läuft die Qualifizierungsreihe zum/zur Jugendintegrationsbegleiter_in (JIB), bei der  junge Menschen mit Fluchterfahrung oder Migrationshintergrund zu Begleiter_innen für die Jugendarbeit ausgebildet werden. Ein Schwerpunkthema im Jahr 2017 von Flüchtlinge werden Freunde. Die Teilnehmer_innen sind zwischen 19 und 29 Jahren alt, viele studieren und haben gute Deutschkenntnisse. Und es sind Menschen, die motivieren können und wollen. Deshalb sind sie auch beim Mitanand Open Air mit dabei.

Was macht ihr beim Mitanand?

Wir machen eine kleine Kalligrafie-Aktion: Die JIBs schreiben die Namen der Besucher_innen in verschiedenen Alphabeten und gestalten daraus kleine Karten zum Mitnehmen. Außerdem ist ein Quiz geplant: wir haben uns Fragen ausgedacht, die die Vielfalt der verschiedenen Herkunftsgesellschaften abbilden und Stereotype relativieren oder, besser noch, verändern helfen sollen.

Was ist das Besondere der Jugendintegrationsbegleiter_innen?

Die Teilnehmer_innen kommen aus verschiedenen Kontexten und lernen in der Summer School u.a. Strukturen und verschiedene Träger und Einrichtungen der Jugendarbeit kennen, haben ein Antirassismustraining hinter sich, lernen etwas über interkulturelle Kommunikation usw. Die Fortbildung befähigt sie, Jugendarbeit immer dann kompetent zu begleiten, wenn es um das Thema Integration geht. In  der Ausbildung geht es vor allem darum, eigene Ideen zu entwickeln und  so später persönliche Erfahrungen und fachliche Expertise in die Jugendarbeit einzubringen.

Die Summer School findet in Zusammenarbeit mit dem Kreisjugendring München Land und der Jugendbildungsstätte Unterfranken statt.