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Beraten, lauschen, sich austauschen

Wiedersehen, weiterplanen, sich austauschen und Feedback für Projekte einholen. Das konnten die rund 60 Teilnehmer_innen am Freitag, 15. März in der Luise in Nürnberg. Ziel war es mit der Jugendarbeit in diesem Themenfeld den Kontakt zu intensivieren, neue Ideen zu wirbeln und von den Erfahrungen der Anderen zu lernen.

Spickzettel für den Austausch untereinander

Wer bin ich? Was für Kompetenzen, Ideen bringe ich mit und wo brauche ich Austausch? Jede_r Besucher_in konnte sich auf einem kurzen Handzettel vorstellen und damit leichter das Gespräch mit anderen suchen.

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Illona Schuhmacher, aus dem Landesvorstand des Bayerischen Jugendrings referiert über die Notwendigkeit das Thema Flucht wieder zurück in die Gesellschaft und die Jugendarbeit zu bringen. Verweist auf die Errungenschaften und Forderungen in diesem Themenfeld. Zum Beispiel unser Positionspaper: Für ein Klima der Menschenfreundlichkeit.

Manina Ott stellt aktuelle Zahlen zu Geflüchteten vor und zeigt auf, dass es vor allem junge Leute unter 30 Jahren sind, die zu uns kommen und das sie damit nach wie vor eine wichtige und selbstverständliche Zielgruppe der Jugendarbeit sind.

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Am Nachmittag auf der Open Stage stellen sich Teilnehmer_innen und ihre Projekte vor. Hier die Crew Kommunale Jugendarbeit Eichstätt, die unter anderem ein Filmprojekt und ein Theaterprojekt in den letzen Jahren auf die Beine gestellt haben.

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Und auch die Projektregionen stellen am Nachmittag in Kleingruppen ihre Best-Practice vor. Hier steht ein Fotoprojekt im Mittelpunkt.

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Rundherum entspannten und bereichernde Atmosphäre für alle Teilnehmer_innen und es beweist ganz nebenbei: #FlüchtlingesindFreunde! Weitersagen!

 

 

#YourVoteOurFuture

Niemand hat einen höheren Preis bezahlt als die Männer, Frauen und Kinder, die in unseren Gewässern ertrinken oder denen Folter und Ausbeutung in ihren Heimatländern droht. Sie werden unter unmenschlichen Bedingungen an unseren Grenzen festgehalten oder von unserem Boden aus zurück in den Krieg und die Verfolgung deportiert. Weder sie noch Millionen von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Europa werden bei den bevorstehenden Wahlen zum Europäischen Parlament wählen können. Die kommende Europawahl 2019 im Mai bietet dennoch eine Gelegenheit, die Zukunft europäischer Asyl- und Migrationspolitik zu verbessern, und auch die Anliegen von Geflüchteten einzubringen.

Der europaweiten Kampagne #YourVoteOurFuture von European Council on Refugees and Exiles (Ecre), setzt sich stark gegen die Populisten und Rechtsextremisten und mobilisiert progressive Wähler. Mit der Kampagne will ECRE sowohl Politikern_innen als auch die Bürger_innen Europas, die wählen dürfen, auf die momentane Asyl- und Migrationspolitik aufmerksam machen.

Um was geht es?

Botschaften der Kampagne sind:

  • Wir sind die Mehrheit! Studien der öffentlichen Meinung zeigen durchweg und in allen EU-Mitgliedstaaten, dass die Feindseligkeit gegenüber Migranten und Flüchtlingen ein Phänomen der Minderheiten ist.
  • Wir können gewinnen! Die Mehrheit der Europäer_innen ist bereit, Migranten und Flüchtlinge aufzunehmen und ihre Grundrechte zu respektieren; wenn diese Menschen wählen gehen, kann dies zur Realität werden.
  • Ein Erfolg wird die Politik ändern! Das Europäische Parlament (EP) hat eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Asyl- und Migrationspolitik der EU und hat gezeigt, dass es bereit ist, es anzuwenden.

Was hat das mit mir zu tun, was kann ich machen?

Du kannst zum Beispiel, Sharepics von ECRE nutzen und in den sozialen Medien verbreiten und mit #YourVoteoureFuture taggen. Auf den Sharepics sind Zitate von Personen, die nicht wählen dürfen, aber von der EU-Asyl- und Migrationspolitik am unmittelbarsten betroffen sind, eben Geflüchtete und Menschen mit Migrationshintergrund.

Oder Du machst Dein eigenes Sharepic und sendes ein Foto und Dein Zitat an ECRE. Hier geht es zu weiteren Infos.


ECRE ist eine paneuropäische Non-Profit-Organisation, die asylunterstützende Organisationen in 38 Ländern bündelt und die europäische Agenda hinsichtlich einer offenen Einwanderungspolitik zu beeinflussen sucht. Die Mission von ECRE besteht darin, die Rechte von Flüchtlingen, Asylsuchenden und anderen Vertriebenen in Europa und in der Außenpolitik Europas zu schützen und zu fördern.

#FlüchtlingesindFreunde

Vernetzungsveranstaltung am 15. März in der Luise

Flüchtlinge sind Freunde; der Name ist Programm. Ein ganzer Tag, um sich zu vernetzen, miteinander ins Gespräch zu kommen, die letzen Jahren Revue passieren zu lassen und sich über Praxis und Erfahrungen aus der Jugendarbeit mit Geflüchteten  auszutauschen.

Bild von der Luise, die sich gegen Abschiebungen positionieren.

Die Projektregionen stellen an diesem Tag ihre Lieblingsprojekte bzw. Best-Practice vor. Ergänzt wird das Angebot durch Impulsvorträge und Beratungsangebote in den Bereichen Fördermittel, Rassismus und Sichtweisen von jungen Geflüchteten. Hier ist auch Raum, die eigenen Themen vorzustellen und sich mit anderen Teilnehmer_innen auszutauschen.

Auszug aus dem Programm:

11:00 Uhr: Ankommen, gemeinsamer Imbiss
12:00 Uhr: Begrüßung und Impulsvorträge:
Jugendpolitik und Flucht
Ilona Schuhmacher, Mitglied des Landesvorstands des BJR
Flucht ist jung, Manina Ott
Projektkoordinatorin Flüchtlinge werden Freunde
13:00 Uhr Praxisgespräch 1 (Projektregionen)
14:30 Uhr Open Stage
Teilnehmer_innen stellen sich und ihre Themen vor
15.15 Uhr Praxisgespräche Projektregionen
17.15 Uhr Erkenntnisse des Tages
17.30 Uhr Imbiss
18.00 Uhr Musik und gemütlicher Ausklang

Die Veranstaltung findet in der Location Luise – The Cultfactory statt.  Die Luise ist eine Einrichtung des KJR Nürnberg-Stadt, eine unserer Projektregionen. Hier haben in der Vergangenheit immer zahlreiche Projekte auch mit Geflüchteten stattgefunden, etwa der offene Treff „Geflüchtete und Freunde“ sowie Spieleabende und Turniere.

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Auf Dich, Menschlichkeit!

Warum stoßen wir miteinander an? Auf was trinken wir? Für was bist Du dankbar? Was verbindet uns Menschen? Wie gleich ist gleich?

Das sind nur einige der Impulsfragen, die die Macher_innen der Aktion „Auf dich, Menschlichkeit“ in den Köpfen hatten. Mit der Aktion zum Thema Menschlichkeit möchte der Kreisjugendring München-Land im Rahmen des Aktionsprogramms Flüchtlinge werden Freunde auf Liebe, Offenheit, Mut und Dankbarkeit anstoßen. Denn schließlich philosophiert und diskutiert der Mensch gerne bei einem Getränk. Wie wäre es da mit ein paar Impulsen, die uns zum Menschlichsten zurückführen und eben nicht davon wegbringen?

Dazu haben sie vier Untersetzer und Aufkleber gebastelt, die in allen Jugendfreizeitstätten an der Theke ausliegen und auch in ausgewählten Lokalen in München. Auf den Seiten des KJR München-Land gibt es noch weitere Infos zur Aktion.

Was ist Rassismus?

Rassismus negiert die Gleichwertigkeit der Menschen. Rassismus ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher Rassen basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Bei Rassenkonstruktionen werden Gruppen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe. Dabei hat die privilegierte Gruppe, die eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert, die Macht, ihre Definition und Zuschreibung als legitim durchzusetzen. Die Konstruktion eines „Wir“ gegen die „Anderen“ sichert denen, die zum „Wir“ gehören, Privilegien und den Ausschluss gleichberechtigter Partizipation der „Anderen“. In erster Linie dient Rassismus also der Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition einer Gruppe. Damit sind beim Rassismus unterschiedliche Handlungsebenen relevant:

A. Ideologie oder Weltanschauung, die Ungleichwertigkeit legitimiert.

Rassismus etabliert ein Deutungs- und Erklärungssystem, das die Höherwertigkeit der eigenen Gruppe der Abwertung der „Anderen“ (Minderwertigen/Feinde) gegenüberstellt.

B. Individuelle oder kollektive Strategie und Praxis für rassistisches Handeln, um „die Anderen“ zu bekämpfen.
Die Folgen für Betroffene sind auf der individuellen Ebene ebenso wie auf der Ebene der gesellschaftlichen Strukturen. weitreichend. Sie reichen von Diskriminierung, institutionellen und strukturellen Benachteiligungen, der Vorenthaltung von Rechten bis hin zur Unterdrückung.

C. Machtsystem (eine Herrschaftsform), das rassistische Praxis durchsetzt.
Ziel des Systems ist die Absicherung von Privilegien, der Machtausübung und Kontrolle sowie  des Ausschlusses der „Anderen“ von Teilhabe und Ressourcen. Diese Ebenen spielen ineinander und beeinflussen sich wechselseitig

Definition aus: Potential Vielfalt. Eine Arbeitshilfe zur Interkulturellen Öffnung der Jugendarbeit in Bayern, BJR, 2018.

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Die eigenen Privilegien checken

Wer sich mit Jugendarbeit mit Geflüchteten auseinandersetzt, muss sich auch mit Rassismus beschäftigen. Anke Zimmermann, Projektmitarbeiterin von Flüchtlinge werden Freunde und Fachfrau im Bayerischen Jugendring für Bildungskonzepte gegen Rassismus und Diskriminierungen mit Schwerpunkt auf Flucht, gibt im Folgenden einen Einblick, warum es unerlässlich ist, sich mit Rassismus auseinanderzusetzen, wenn man im Themenfeld Flucht unterwegs ist.

Anstieg von Feindseligkeiten

Anfeindungen gegenüber geflüchteten Menschen haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Auch Musliminnen und Muslime, Jüdinnen und Juden, Sinti und Roma sehen sich häufig mit Hass oder gar Gewalt konfrontiert. Besonders auffällig ist derzeit im Diskurs zum Thema Flucht der antimuslimische Rassismus. Rassismus war und ist kein Randphänomen der Gesellschaft und ist auch alles andere als „ein Problem der Jugend“. Allerdings kann gerade die Jugendarbeit Lösungsansätze und -strategien aufzeigen, die übertragbar sind. Die Angebote der Jugendarbeit sprechen viele Menschen mit Flucht- oder Migrationserfahrung an, für die es anderweitig kaum Beteiligungsmöglichkeiten gibt. In der Jugendarbeit erfahren diese Menschen, dass ihre Meinung zählt, dass sie ganz selbstverständlich dazugehören, mitgestalten dürfen – ein klarer Kontrapunkt zur Ungleichbehandlung, Abwertung und Perspektivlosigkeit in vielen anderen gesellschaftlichen Bereichen.

Rassismuskritische Jugendarbeit

Gerade deshalb sind rassismuskritische Jugendarbeit und fortwährende Sensibilisierung für das Thema wichtig. Rassismuskritisch zu sein heißt immer, einen kritischen und klaren Blick für die eigenen Privilegien zu haben oder zu entwickeln. Nur dann wird deutlich, wo es nicht so weit her ist mit gleichberechtigter Teilhabe oder Chancengleichheit. Jugendarbeit kann sicher nicht für alle Probleme geeignete Lösungen liefern, aber sie kann eigene Konzepte und Ideen entwickeln und vor allem mit geeigneten Worten kritische Fragen stellen.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht.

Rassismuskritische Jugendarbeit heißt, für eine Herausforderung zu sensibilisieren, die uns alle angeht. Sie heißt, eigene Denkmuster und Verhaltensweisen ebenso zu hinterfragen wie die eigene Sprache, denn Worte schaffen Realitäten. Welche abwertenden und diskriminierenden Bezeichnungen sind schon gefallen für Menschen mit Fluchterfahrungen? In den sozialen Netzwerken? Im öffentlichen Raum? Im Freundes- und Familienkreis?

Hartnäckig und wertschätzend bleiben

Das bleibt nicht ohne Folgen. Hier braucht es viele kleine Taten, etwa gezieltes Widersprechen, wenn menschenverachtend gesprochen wird, und Einstehen für einen wertschätzenden Umgang miteinander. Hier kann jede_r im eigenen Umfeld anfangen, die richtigen Worte zur richtigen Zeit finden und verbreiten. Wichtig ist auch der beständige Hinweis auf die vielen positiven Begebenheiten, auf positive Geschichten, die erzählt werden wollen und noch viel mehr erzählt werden müssen.

 

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Einfach Freund_innen

M anina Ott ist Koordinatorin für das Aktionsprogramm Flüchtlinge werden Freunde. Seit 2016 hielt sie in dieser Funktion Vorträge und beriet Menschen in der Jugendarbeit, koordinierte Veranstaltungen, Projekte und Fördergelder und entwarf auch neue Formate wie NEU:DENK, Mitanand Open-Air oder die Jugendintegrationsbegleiter_innen. Dabei kam sie viel herum und hatte reichlich Gelegenheit zu Gesprächen mit jungen Geflüchteten, Fachkräften, Ehrenamtlichen und Multiplikator_innen in der Jugendarbeit.

Drei intensive Jahre

Wenn ich an drei Jahre Flüchtlinge werden Freunde zurückdenke, denke ich an drei intensive Jahre. Intensiv zum einen, weil es tiefe inhaltliche Auseinandersetzungen gab, weil sich die politische und gesellschaftliche Gemengelage ständig veränderte, weil es immer wieder aufs Neue zu beantworten galt: Was heißt eigentlich Jugendarbeit mit Geflüchteten? Treffen wir die Bedürfnisse der Geflüchteten? Der Fachkräfte? Der Ehrenamtlichen? Intensive Jahre vor allem auch, weil ich so vielen verschiedenen Menschen begegnen durfte. Diese Begegnungen mit engagierten Menschen egal welcher Herkunft prägten meine Arbeit. Die vielen Stimmen, die in der vorliegenden Dokumentation von Flüchtlinge werden Freunde zu Wort kommen, bestärken mich in meiner Haltung und machen mir Mut. Denn sie zeigen, dass wir viele sind: Viele, die an einer offenen und inklusive Gesellschaft arbeiten, die selbstlos für die Interessen Geflüchteter einstehen, und viele junge Geflüchtete, die selbstbewusst ihre Bedürfnisse formulieren. Wir brauchen diesen Mut, um weiterzumachen. Das Projekt Integration ist ein Marathon und kein Sprint, daher brauchen wir nicht nur kurzfristige Projekte, sondern auch langfristige Perspektiven. Dafür müssen wir unsere Stimme noch mehr als bisher nutzen und die Interessen aller jungen Menschen in Bayern, in Deutschland und in Europa selbstbewusst vertreten.

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Die erste Phase von Flüchtlinge werden Freunde mag abgeschlossen sein, aber das nächste Kapitel hat schon begonnen. Ich für meinen Teil habe in den letzten Jahren zahlreiche neue Freund_innen gewonnen, von denen viele eine Fluchterfahrung haben. Aber das spielt hier keine Rolle, denn sie sind eben meine Freund_innen, nicht meine Flüchtlinge. Und ich kann nur sagen: Ich wünsche allen solche Freund_innen.

Maninas Artikel stammt aus unserer Dokumentation Flüchtlinge werden Freunde. Zum Download und bestellen bitte hier entlang.

 

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Mehr als Berufsethos

Ein Freitag im November. Die Jugendpflegerinnen Claudia Treffer, Theresa Burger und Minh Phan, Praktikant und Student der Sozialen Arbeit warten mit Brezen, Tee und Kaffee in ihrem Büro der Kommunalen Jugendarbeit (KoJa) in Eichstätt Stadt. Die KoJa Eichstätt hat Wege beschritten, die für die klassische Kommunale Jugendarbeit eher untypisch sind. So haben sie mit dem Projekt Change yourself to change the world ein Jugendprojekt zusammen mit einem Pfadfinderverband gestartet und Jugendliche dafür angesprochen. Zwei Jahre später gehen sie mit einem Theaterprojekt und einem Filmprojekt weiter den Weg des Miteinanders. Ein Miteinander von Jugendlichen, ganz egal woher sie kommen mit Wurzeln in Deutschland, Fluchterfahrung, Migrationsgeschichte, geistigen Einschränkungen. Ein Gespräch, das zeigt wie wichtig Jugendarbeit mit Geflüchteten ist, aber auch wo Hindernisse liegen und was es emotional mit Menschen macht, wenn sie in ihrem Alltag mit Fragen und Problemen junger Geflüchtete konfrontiert werden, die sie nicht lösen können.

Weg von der Kategorie Flüchtling

Die internationale Jugendbegegnung „Change yourself to change the world, respect, natur, humans, yourself“ war der zentrale Schritt in der Arbeit mit jungen Geflüchteten. 26 Jugendliche, darunter acht unbegleitete Geflüchtete, setzen sich  im Juli 2016 neun Tage mit bewusster und achtsamer Lebensführung auseinander. „Die internationale Jugendbegegnung hat so gut funktioniert, dass wir voll motiviert weitergemacht haben. Etwa mit dem Demokratietraining Betzavta, das zu einem extrem intensiven Austausch über Werte, Traditionen, Lebensweisen und schließlich auch zu unserem Folgeprojekt Miteinand geführt hat. Hier geht es um Jugendbeteiligung und Demokratie im Landkreis Eichstätt.“ Damit hat sich der Fokus der Arbeit, Angebote ausschließlich für junge Geflüchtete zu machen, zu einem inklusiven Angebot verschoben, das alle Gruppen anspricht. Junge Menschen mit Migrationsgeschichte und Menschen mit körperlichen oder kognitiven Einschränkungen und/oder auch ältere Menschen.

„Unser Inklusionsgedanke geht weiter,

„Unser Inklusionsgedanke geht weiter, mich stört, dass jedes Mal wenn das Wort Inklusion fällt alle an Behinderung oder an die Schule denken. Wir wollen es jetzt etwas offensiver angehen und erzeugen die Situation einfach selbst“, erklärt Theresa Burger. „Das ist auch das Feedback von den Jugendlichen, die haben kein Bock mehr, die wollen nicht mehr auf die Kategorie Flüchtling reduziert werden,“ ergänzt Jugendpflegerin Treffer.

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Foto: KoJa Eichstätt

Kreativ und miteinand sein

Die Jugendlichen wollen konkret an etwas arbeiten, sich mit guten Freund_innen treffen, Spaß haben, kreativ sein und sich tiefsinnig mit Themen auseinandersetzen, so die Erfahrungen der Jugendpflegerinnen. Ein Beispiel dafür ist das aktuelle Theaterprojekt „The Mus Unit“. Das Stück bietet die KoJa Eichstätt in Kooperation mit der Katholischen Universität sowie mit Unterstützung von Theater und Musikpädagog_innen an. Ausgesucht hat sich die Gruppe das Thema „Ich bin anders“. Auch das ein Vorschlag der bunt gemischten Teilnehmergruppe.

„Jede_r wünscht sich im Inneren, einfach so angenommen zu werden,

„Jede_r wünscht sich im Inneren, einfach so angenommen zu werden, wie man ist und dass es auch ok ist, anders zu sein“,  Minh organisiert die Theatergruppe in seiner Praktikumszeit und erzählt, dass das Thema der Ausdruck dafür ist, dass die Jugendlichen oft die gegenteilige Erfahrung machen. Sie werden nicht akzeptiert wie sie sind, sondern immer wieder mit ihrem Anderssein konfrontiert. Unter den insgesamt 15 Teilnehmer_innen sind drei mit Fluchterfahrung sowie zahlreiche Kinder und Jugendliche. Dass die Jugendlichen vor allem kreativ tätig sein wollen, ist ein Feedback, das die Jugendpflegerinnen in ihre neuen Projekte aufgenommen haben.

Die eigene Geschichte erzählen

„Narben der Flucht“ ist ein Filmprojekt, das eine engagierte Gruppe junger Geflüchteter mit Hilfe der KoJa auf die Beine gestellt hat. Sie erzählen darin von Flucht, Erfahrungen, Hoffnungen und Träumen und dem Ankommen in einem fremden Land. Dass der Film kein leichter Stoff ist zeigen unter anderem Folterszenen, die der junge Filmemacher Mahmud, der am Ende des Gesprächs dazukommt, zeigt. Zu sehen ist aber auch dass in der Arbeit der Jugendpflegerinnen mehr als Berufsethos drinsteckt. So spielen Claudia Treffer und ihre Kinder in „Narben der Flucht“ mit und das eigene Wohnzimmer wurde kurzer Hand als Motiv zur Verfügung gestellt. Somit ist Jugendarbeit mit Geflüchteten immer neben der professionellen Ebene unweigerlich auch eine Geschichte des Beziehungs- und Vertrauensaufbau. Da werden die Geflüchteten zu den Jungs, wie die Jugendpflegerinnen sie liebevoll nennen. Und dann gab es den Bruch mit der Kerngruppe.

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Herausforderungen, Hindernisse, Wutmomente

„Eine Zeitlang hatten wir eine sehr stabile Gruppe, dann wurde es katastrophal.  Einerseits durch das verschärfte Asylrecht, aber auch dadurch, dass viele eine Ausbildungserlaubnis bekommen haben,“ erklärt Treffer und betont, dass auch die KoJa irgendwo ihre Grenzen hat und nicht Jugendliche in einem Radios von 50km abholen kann. Die Jugendpflegerinnen erzählen von Geflüchteten, die Panik hatten, abgeschoben zu werden.

„Die haben halt jeden Monat einen Brief bekommen, den sie nicht verstanden haben,

„Die haben halt jeden Monat einen Brief bekommen, den sie nicht verstanden haben. Mit einem Ausreiseabschnitt, den sie an der Grenze abgegeben sollten, das hat sie fertig gemacht,“ schimpft Burger. Hier zeigt sich der Balanceakt, den Jugendarbeit aushalten muss, wenn sich Jugendliche mit Ängsten und Problemen an sie wendet, die an dieser Stelle nicht lösbar sind. Manche waren so durcheinander, dass es die Jugendpfleger_innen selber stark mitnahm:

“Ich konnte echt zuschauen, wie selbstbewusste engagierte Leuten innerhalb von wenigen Wochen verfallen sind.“

“Ich konnte echt zuschauen, wie selbstbewusste engagierte Leuten innerhalb von wenigen Wochen verfallen sind. Ganz besonders schwer war diese Zeit auch für die Jugendlichen aus Eichstätt. Sie mussten mit ansehen wie ihre Freund_innen litten und haben sich teilweise aus der Jugendarbeit mit Geflüchteten komplett zurückgezogen.

Wie geht es weiter?

Aus den Projekten der vergangenen Jahre sind gute Netzwerke entstanden, sodass die KoJa sich für neue Zielgruppen öffnet. „Wir gehen auch gerade weg von dem Begriff, wir machen was mit den Geflüchteten“ hin zu einem inklusiven Rahmen, das heißt wir denken alles mit“, so Burger. So dass es vielleicht im Landkreis Eichstätt tatsächlich irgendwann einmal Normalität wird, dass sich unterschiedliche Menschen für Angebote treffen, ganz egal ob sie Fluchterfahrung, Migrationsgeschichte oder eine körperliche oder kognitive Einschränkung haben. Darauf jedenfalls arbeiten die beiden Jugendpflegerinnen hin.

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Eine bunte Welt für alle

Heute sind die Postkarten des Diversity Workshops vom Stadtjugendring Augsburg bei uns eingedrudelt. Highlight des Tages war ein Portät jede_s/r Teilnehmer_in, die sich nochmal mit einer Aussage für Diversity positioniert haben. Hier nochmal der Bericht von Alina dazu sowie die enstandenen Fotos, die es beim SJR auch als Postkarten gibt.

Am 24. März 2018 fand der Diversity-Workshop „Die Welt ist bunt!“ im Jugendhaus linie 3 des SJR Augsburg statt. Der Workshop wurde in Kooperation mit der Alevitischen Jugend Augsburg-Lechhausen und den Besucher_innen des Jugendhauses linie 3 des SJR Augsburg unter der Leitung von Andreas Lucke durchgeführt.

Ziel der Veranstaltung war, dass die Jugendlichen mit und ohne Fluchthintergrund gemeinsam einen tollen Tag verbringen und ihre Meinung zu Themen wie Vielfalt und Begegnung äußern. Die Teilnehmer_innen haben im Rahmen des Workshops verschiedene Stationen durchlaufen und sich dabei auf kreative Art und Weise mit einem friedlichen und vorurteilslosen Miteinander in unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. Sie sind in ausgeloste Rollen geschlüpft, haben eigene Vorurteile reflektiert und wurden für das Erkennen von Chancenungleichheiten sensibilisiert.

Das gemeinsame Einverständnis der Teilnehmenden in einer Welt mit bunten Charakteren, Kulturen, Sexualitäten und Religionen leben zu wollen und diesen mit Offenheit, Toleranz und Akzeptanz zu begegnen ist, was diese Veranstaltung besonders gemacht hat. Innerhalb des Workshops ist eine Serie von 16 Bildern entstanden, die Aussagen Jugendlicher zu einer bunten Welt porträtieren. Das besondere an der Fotoaktion ist, dass die Jugendlichen während dem Fotografieren mit buntem Farbpulver beworfen wurden. Somit wird auch anhand dieser kreativen Umsetzung die Diversität unserer Gesellschaft widergespiegelt.

Vom 26. November 2018 bis 29. März 2019 werden die Fotos des Workshops im und um das große Foyer des Kulturhaues Abraxas in Augsburg ausgestellt. Die Ausstellung kann von Montag bis Samstag ab 11 Uhr, sowie an Sonn- und Feiertagen ab 10 Uhr, jeweils bis zum Restaurantschluss des „Reese Gardens“,  in der Sommerstraße 30 in 86156 Augsburg besucht werden.