Ankommen in Deutschland

© Foto | JuBi Waldmünchen

„Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ sind in jüngster Zeit als Thema in allen Medien präsent. Im Mittelpunkt steht dabei oft die bundesweite Verteilung von Kosten und von Jugendlichen. Doch es geht um sehr viel mehr …

Aufgegriffen werden die Jugendlichen meist an der deutsch-österreichischen Grenze und die Jugendämter der Landkreise Passau, Rosenheim, München und Miesbach wissen schon nicht mehr, wohin. Von Containerdörfern ist die Rede, von leergeräumten Turnhallen und Freizeiteinrichtungen. Dabei geht es doch um viel mehr als um ein „Dach über den Kopf“ und um Nahrung. Natürlich sind das die Grundvoraussetzungen, um am Leben zu bleiben.

Es geht aber auch um den Menschen, den Jugendlichen, der sich vor Wochen, Monaten oder auch Jahren in seiner Heimat Eritrea, Somalia, Syrien oder Afghanistan aufgemacht hat, um menschenwürdig leben zu können.

Es geht aber auch um den Menschen, den Jugendlichen, der sich vor Wochen, Monaten oder auch Jahren in seiner Heimat Eritrea, Somalia, Syrien oder Afghanistan aufgemacht hat, um menschenwürdig leben zu können.

Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Aktionen: Die Jugendbildungsstätte in Waldmünchen ist seit Ende Oktober 2014 Träger einer Internationalen Jugendwohngruppe, in der elf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (umF) betreut werden. Im Wesentlichen unterscheidet sich der Ablauf nicht sehr von dem in einem deutschen heilpädagogischen Heim. Zusammen kochen und essen, die Schule besuchen – hier mit Schwerpunkt Deutschunterricht –, Hausaufgaben, Freizeitgestaltung.

Und doch ist es ganz anders. Es gibt kulturelle und religiöse Unterschiede und natürlich die Sprachbarriere. Beim Deutsch-Lernen machen die Jugendlichen bereits große Fortschritte, auch dadurch, weil die „Gruppensprache“ Deutsch ist und die Jungs sich untereinander nur auf Deutsch verständigen können.

Aber zum bayerischen Bildungssystem gehört noch viel mehr. Oft völlig unbekannt und unverständlich ist der Ablauf einer Berufsausbildung.

In den Heimatländern wurde von den Schleusern, die von den Familien nicht selten 5000 Euro und mehr verlangen, der „Himmel auf Erden“ versprochen.

In den Heimatländern wurde von den Schleusern, die von den Familien nicht selten 5000 Euro und mehr verlangen, der „Himmel auf Erden“ versprochen. Dass man in Zentraleuropa schnell viel Geld verdienen kann und damit die zurückgebliebenen Familienmitglieder unterstützen kann.

Die Realität sieht anders aus: Oft reicht selbst nach den „Berufsintegrationsjahren“ das Sprach- und Bildungsniveau noch lange nicht aus, um eine qualifizierte Ausbildung absolvieren zu können. Und lernen, „wie Deutschland tickt“, passiert sowieso meist außerschulisch.

Hier leisten dann die pädagogischen Mitarbeiter große Unterstützungsarbeit und auch das gut funktionierende Netzwerk der Jugendbildungsstätte ist hilfreich.Es ist ein schmaler Grat, die Herkunft der Jugendlichen zu berücksichtigen und und sie auf der anderen Seite auf völlig unbekannte Situationen in der neuen Heimat Deutschland vorzubereiten. Doch nur so kann Integration gelingen – stückchenweise und pragmatisch.

Alois Nock ist Leiter der Jugendbildungsstätte Waldmünchen und Mitglied in der LV-AG des Aktionsprogramms „Flüchtlinge werden Freunde“.