Achtung Rassismus!

Wer Jugendarbeit mit Geflüchteten macht, kommt um die Beschäftigung mit Rassismus nicht herum. Sei es, weil Geflüchtete sich diskriminiert fühlen und ihr Herz bei Euch ausschütten. Sei es, weil ihr mit der Situation konfrontiert werdet,  unabsichtlich verletzend oder unterstellend zu sein. Und klar, es ist auch kein schönes Thema, vor allem weil sich das Erscheinungsbild von Rassismus verändert hat, quasi modern geworden ist. Wir kommen aber nicht drumrum Strukturen, Denkweisen und Handlungen zu überdenken, wenn wir Betroffenen helfen wollen.

Es ist nicht was es ist

Rassismus verneint die Gleichwertigkeit der Menschen. Er ist eine Ideologie, die auf der Konstruktion vermeintlicher „Rassen“ basiert. Ihre historischen Bezüge finden sich in der Unterdrückungspraxis des Kolonialismus und der Versklavung. Dabei werden Gruppen von Menschen Eigenschaften zugeschrieben, die vermeintlich „naturgegeben“ (biologistisch) und damit unveränderbar sind. Diese zugeschriebenen Eigenschaften dienen der Auf- bzw. Abwertung der eigenen bzw. fremden Gruppe und wirken dabei als eine Form Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit (GMF).

Rassismus legitimiert die eigene gesellschaftliche Machtposition

Eine privilegierte Gruppe konstruiert ein „Wir“, das eine andere Gruppe als „Rasse“ definiert.  Das „Wir“ hat die Macht,  die Definition und Zuschreibung dessen was diese Gruppe ausmacht, durchzusetzen. Die Konstruktion eines „Wir“ gegen die „Anderen“ sichert denen, die zum „Wir“ gehören, Privilegien und den Ausschluss gleichberechtigter Partizipation der „Anderen“.

In erster Linie dient Rassismus also der Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition.

In erster Linie dient Rassismus also der Legitimation einer gesellschaftlichen Machtposition einer Gruppe.

Kultur statt „Rasse“ oder same same but different?

Während sich der klassische Rassismus vor allem auf die Dichotomie von „Schwarz“ versus „Weiß“ bezogen hat, wird er heute von einem modernen Rassismus abgelöst, bei dem etwa der Begriff der „Kulturen“ den der „Rassen“ ersetzt. Rassismus hat eine lange Tradition:  Alltagsrassismus in der Sprache, Darstellungen in (Schul-)Büchern und in den Medien, rassistische Diskriminierung im Wohn- und Arbeitsmarkt, das Schüren von populistischen Feindbildern etc. sind nach wie vor ein Problem.

Was rassistisch ist, entscheiden die Betroffenen

Wichtig ist die Perspektive der Betroffenen zu berücksichtigen.

Wenn jemand etwas als rassistisch empfindet, dann erstmal cool bleiben

Wenn jemand etwas als rassistisch empfindet, dann erstmal cool bleiben und reflektieren. Menschen mit Rassismuserfahrungen erleben Rassismus anders, als nicht von Rassismus betroffene Menschen.  Darüber zu urteilen was verletzend ist und was nicht, schlicht, weil man es nicht selbst erleben kann, bleibt arrogant und unsympathisch.

Rassismus ist leider auch vielfältig

Es gibt spezifische Erscheinungsformen von Rassismus. Derzeit erleben wir beispielsweise in Bayern in besonders starker Form einen antimuslimischen Rassismus. Dieser richtet sich nicht nur gegen Muslim_innen selbst, sondern auch gegen Menschen, die vermeintlich als Muslim_innen identifiziert werden. Gerade im Kontext von Flucht und Migration werden häufig Scheindebatten über DEN Islam und DIE Muslim_innen geführt, die auf die Ausgrenzung, Stigmatisierung und Ablehnung ganzer Bevölkerungsgruppen abzielen. Anfeindungen gegenüber Menschen, die als muslimisch identifiziert werden, gegenüber Verbänden und Selbstorganisationen junger Muslim_innen haben stark zugenommen – sowohl in den sozialen Netzwerken als auch im öffentlichen und privaten Raum. Es gilt, diese Erscheinungsformen aufzuzeigen, aber auch Möglichkeiten, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und gezielt dagegen zu wirken. Dabeihilft sicher unser Fachtag Antimuslimischer Rassismus im Kontext von Flucht und Migration.

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Zum Beispiel die juna, das Magazin des Bayerischen Jugendrings zum Thema Alltagsrassismus.