Jede Flucht ist anders

Der folgende Text ist ein Auszug aus der Zeitschrift „Ringfrei“ des Kreisjugendrings Nürnberg-Stadt. Junge Flüchtlinge in Nürnberg Nr. 58: S. 7.

Jede Stadtgesellschaft steht vor besonderen Herausforderungen, wenn es um die Unterbringung von jungen Flüchtlingen und von Kindern aus Flüchtlingsfamilien geht. Ringfrei, das Magazin des KJR Nürnberg-Stadt, hat unter anderem mit Sandra Müller, Vorsitzende des KJR Nürnberg-Stadt über dieses Thema gesprochen:

Meiner Meinung nach wird die Unterbringung und Versorgung – sowohl die ärztliche als auch die soziale – in keinster Weise den Bedürfnissen von Kindern und Jugendlichen gerecht. Darüber hinaus möchte ich betonen, dass es „die Lage“ junger Flüchtender gar nicht gibt. Die Situation der jungen Flüchtenden ist so unterschiedlich, weil maßgeblich geprägt von den Umständen im Herkunftsland, den Erlebnissen dort und auf der Flucht. Auch spielt die Frage nach anwesenden Bezugspersonen eine Rolle: bin ich allein hier oder mit Verwandten oder gar den Eltern? Beziehe ich diese hoch differenzierte persönliche Lage der jungen Flüchtenden mit ein, so kann ich nur sagen, dass die Lage mehr als nicht zufriedenstellend ist.Ich war sehr überrascht über die vielen Hilfsangebote und die Unterstützungsbereitschaft, die ich in den letzten Monaten in Nürnberg erlebt habe.

Auch der Kreisjugendring hat sich entschlossen, die Jugendverbände und die zuständigen städtischen Mitarbeiter/-innen an einen Tisch zu bringen, um zu sehen, wie die Jugendverbände junge Flüchtlinge in ihre Angebote integrieren und damit in Kontakt mit Gleichaltrigen bringen
können.

Schockierend finde ich, und das muss in diesem Zusammenhang auch skandalisiert werden, die Tatsache, dass Teile der Grundversorgung lange Zeit nur durch ehrenamtliche Arbeit aufrecht erhalten worden sind! So wichtig und begrüßenswert ehrenamtliches Engagement ist, es darf nicht vergessen werden, was die Aufgaben des Staates sind. Und dass es eben auch die verschiedenen staatlichen Ebenen – nicht zuletzt der Freistaat Bayern – sind, die im Umgang mit den Flüchtenden ihre Aufgaben nicht erfüllen. Ich habe großen Respekt vor den Anstrengungen, die in der Stadt Nürnberg unternommen werden, um die Lebenssituation der Flüchtlinge, und insbesondere der Kinder und Jugendlichen, zu verbessern. Natürlich gibt es noch viel zu tun Alters- und familiengerechte Unterbringung
• psychologische Betreuung und
• ärztliche Versorgung
wären hier nur Basisforderungen.